FrontGesellschaftInnovatives am Dies academicus 2017

Innovatives am Dies academicus 2017

Klein aber fein ist sie, die Universität Luzern. Gegründet wurde sie durch eine Volksabstimmung im Jahr 2000. Damals wurde ein kantonales Universitätsgesetz angenommen.

Selbstverständlich reichen ihre Wurzeln tiefer, bis 1574. Da wurde das Jesuitenkollegium Luzern gegründet. Machen wir einen weiten historischen Sprung. Ein erstes Projekt der neueren Zeit fiel 1978 in einer Volksabstimmung durch. Aber jetzt steht sie, in einem eigenen Gebäude beim Bahnhof Luzern. Früher diente diese Liegenschaft der Post. Die Universität steht auch neben dem KKL. Da kursiert das Bonmot, wie lange es dauern werde, bis nicht mehr die Uni beim KKL, sondern das KKL bei der Uni lokalisiert werde? Das wird noch eine Weile dauern!

Beeindruckender Leistungsausweis

Eine Universität hat den Dies academicus im Kalender. Der Dies ist sozusagen ein akademischer Feiertag. Er ist der Institution, ihren Mitarbeitenden und Studierenden gewidmet. Er ist aber auch offen für interessierte Gäste aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur. Sie bekommen einen informativen Einblick in das Innenleben ihrer Universität. Und haben beim anschliessenden Apero jede Gelegenheit sich zu vernetzen!

Rektor Bruno Staffelbach begrüsst die Gäste aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Kultur.

Am 2. November 2017 war es wieder soweit. Der seit 2016 amtierende Rektor, Prof. Dr. Bruno Staffelbach, Professor für Betriebswirtschaftslehre, eröffnete den festlichen Anlass. Er führte aus, auf welchem hohen Energieniveau sich die Universität Luzern im letzten Jahr bewegt habe: Assistenzprofessur in islamischer Theologie und Kultur eingerichtet, zusammen mit der Universität Zürich einen Joint Master in Medizin gestartet, die Studienordnung der Rechtswissenschaftlichen Fakultät überarbeitet, den Betrieb der neuen Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät aufgenommen und ein Forschungsinformationssystem aufgebaut. Beeindruckender Leistungsausweis!

Stoff für ernsthaftes Nachdenken bot der Festvortrag von Prof. Dr. Martina Caroni, Professorin für Öffentliches Recht, Völkerrecht und Rechtsvergleichung im Öffentlichen Recht: „Borderline Decisions – Entscheidungen an der Grenze“. Am Beispiel der Kooperation der Europäischen Union und der Schweiz mit der lybischen Küstenwache zeigte sie auf, wie hier indirekt Beihilfe zu Menschenrechtsverletzungen geleistet wird. Gerne möchte ich dieses Referat in Bundesbern verteilen!

Die neuen Ehrendoktorin und -doktoren (von links):  Prof. Dr. Lars P. Feld, Sr. Dr. Michaela Puzicha OSB und Dr. Lorenz Erni (Fotos: Universität Luzern)

Es wurden Ehrendoktorate verliehen an Sr. Dr. Michaela Puzicha, OSB, eine ausgewiesene Kennerin des Ordensgründers Benedikt von Nursia. An Dr. iur. Lorenz Erni, einen der herausragendsten Strafverteidiger der Schweiz. An Prof. Dr. Lars P. Feld, Modernisierer der Ordnungsökonomie und einer der „Wirtschaftsweisen“ (Sachverständigenrat für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland). Prof. Dr. Regina Aebi-Müller bekam den „Award for Best Teaching 2017“. Und es wurden durch den Universitätsverein die Dissertationen von Viktoria Vonarburg, Daniel Thieme und Josianne Magnin ausgezeichnet.

Mehrere Forschungsprojekte präsentiert

So weit so gut! Und wo bleiben die Innovationen? Es gab sie! Erstmals hatte die Universität zu ihrem Dies einen Gastkanton eingeladen! Denn die Universität Luzern versteht sich als Universität für den ganzen Bildungsraum Zentralschweiz. Landammann Beat Jörg, Bildungs- und Kulturdirektor des Kantons Uri, verdankte diese Ehre mit einem witzigen Grusswort.

Damit nicht genug. Erstmals hatten Doktorierende der Universität die Gelegenheit, vor der illustren Gästeschar ihre Forschungsprojekte zu präsentieren. Daria Serra von der Theologischen Fakultät prägte den Satz: „In der Kirche gibt es keine Ausländer“. „Wie kann die Vielfalt von Kulturen und Sprachen in der Einheit der Kirche auf einem Territorium geleistet werden?“ lautet ihre Forschungsfrage. Manuel Camassa von der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät lotet die Grenzen der Empathie als Grundlage der Moral aus. Stephanie Motz von der Rechtswissenschaftlichen Fakultät befasst sich mit dem Schutz von Flüchtlingen mit Behinderung und Karin Kreiliger von der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät fragt nach der Führungssituation in Rehabilitationkliniken. Die gespannte Aufmerksamkeit des Publikums zeigte, wie gut diese Themen in den Zusammenhang mit Erfahrungen des heutigen Lebens gestellt werden können und deshalb auf uneingeschränktes Interesse trafen.

Mit einem Schlusswort über den Übergang vom Gymnasium zur Universität rundete der Luzerner Bildungsdirektor Reto Wyss die gehaltvolle Veranstaltung ab. Und mit musikalischen Zwischentönen erfreute das Campus Orchester Luzern unter der Leitung von Michael Köck.

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