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Blumen für Auge und Geist

Welches sind die hundert Pflanzen, die jede Schweizerin und jeder Schweizer kennen sollte?

«Flora amabilis. 100 Pflanzen der Schweiz, die Sie kennen sollten». Mit diesem Titel locken uns der Botaniker Adrian Möhl und die Zeichnerin Denise Sonney in die Natur. Ist der dunkle November der richtige Moment für ein Buch, das einhundert einheimische Pflanzen darstellt? – Unbedingt, denn das Buch ist eine Augenfreude, es lebt von den feinen Zeichnungen, die das Charakteristische der Pflanzen hervorheben. Ebenso anregend sind die entsprechenden Texte von Adrian Möhl. Es sind keine wissenschaftlichen Beschreibungen der Pflanze, obwohl der Autor über die abgebildete Pflanze schreibt und ihren botanischen Namen erwähnt. Er nennt seine kenntnisreichen und zuweilen humorvollen Betrachtungen «Gedankenspaziergänge», wir erfahren viel Interessantes über Blumen und Pflanzen. Ich hatte immer wieder das Gefühl, an alten Freunden neue Seiten kennenzulernen. Wer selbst weiter forschen will, findet im Anhang ein umfangreiches Quellenverzeichnis.

Das Leberblümchen wird seinem Namen nicht gerecht. Es enthält Giftstoffe und ist also nicht hilfreich für die Leber. Homöopathisch wurde es früher als Hustenmittel genutzt.

Wir mögen uns fragen, ob es in der Schweiz nur einhundert einheimische Pflanzen gibt – selbstverständlich sind es sehr viel mehr, trotz Artensterbens. Der Autor hat nach persönlichen Kriterien eine Auswahl getroffen, eine schwierige Aufgabe, wie er im Vorwort erklärt: «Sollte man den tödlich giftigen Eisenhut mit seinen tiefblauen Blütenständen oder doch eher das schmackhafte Scharbockskraut mit seinen fröhlichen gelben Blüten kennen?» Er portraitiert auch Bäume – ‹Flora› bedeutet ‹Pflanzenwelt› und die beschränkt sich nicht auf Blumen -, die Lärche zum Beispiel mit ihrem gelben Nadelkleid, das im Herbst so wunderbar leuchtet.

Eine liebenswerte Welt von grossen und kleinen Pflanzen wird uns hier entgegengebracht. «Liebenswert» oder Lateinisch «amabilis» ist nicht von ungefähr der hergebrachte Begriff für diesen Zweig der Botanik. In früheren Jahrhunderten nannte man nämlich die Botanik scientia amabilis, also liebenswerte Wissenschaft. Das war keineswegs so gemeint, wie wir es angesichts dieses Buches verstehen, im Gegenteil, man nahm die Botanik nicht so ernst – und mit diesem Ausdruck machte man sich über sie lustig.

Lärche

Adrian Möhl studierte an den Universitäten Neuchâtel und Bern Pflanzensystematik und Biogeographie und hat daneben eine Ausbildung zum Wissenschaftlichen Zeichner abgeschlossen, bei verschiedenen Buchprojekten wirkte er als Illustrator mit. Er beschäftigt sich besonders mit mitteleuropäischer Flora. Denise Sonney lebt in Greyerz FR. Nach ihrem langjährigen Berufsleben im Bildungsbereich widmet sie sich heute neben ihrer Familie und dem Wandern dem Zeichnen und Schreiben.

Adrian Möhl hat an weiteren Werken zur Pflanzenwelt mitgearbeitet, zum Beispiel: «Flora Helvetica» und «Flora alpina». Alle sind im Haupt Verlag erschienen sind. – «Flora amabilis» ist entsprechend seinem Inhalt sehr schön gestaltet, es liegt gut in der Hand und eignet sich bestens als Geschenk für alle Naturliebhaber und -liebhaberinnen.

Es sei noch erwähnt, dass der Berner Haupt Verlag in diesem Herbst 111 Jahre alt geworden ist. Für seine qualitätvolle verlegerische Tätigkeit ist er nun vom Schweizer Buchhandel als «Verlag des Jahres 2017» ausgezeichnet worden. Haupt verlegt traditionell akademische Fachliteratur und Schulbücher, in jüngster Zeit gilt Haupt auch als einer der führenden Kreativ- und Naturbuchverlage im deutschsprachigen Raum.

Möhl, Adrian / Sonney, Denise (Illustration):
Flora amabilis
100 Pflanzen der Schweiz, die Sie kennen sollten
Haupt Verlag Bern, 1. Aufl. 2017; 224 Seiten,
107 Farbillustrationen; gebunden,
13 x 21 cm, 535 g (CHF 28.-)
ISBN: 978-3-258-08027-7

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