FrontKolumnenFrohe Oktern! und andere Dramen

Frohe Oktern! und andere Dramen

Es gibt Journalisten, die schreiben so, wie andere Ostereier suchen: Auf gut Glück. Manchmal werden sie fündig, wenn nicht, dann wenigstens fast.

Erinnern Sie sich noch an den Kreuzworträtsel-Sketch von Emil? Er füllt langsam und bedächtig die Reihen – und das Publikum wiehert dazu vor Lachen – und dann: Oktern, so soll ein christliches Fest heissen. Emil runzelt nur schnell die Stirne, dann aber füllt er die Feldchen aus: Oktern. Passt doch.

So geht es offenbar heute vielen Journalisten. Sie schreiben so der Spur nach. Vielleicht nicht ganz passend – aber geht schon. So wird eine Aktion halt als «Anstands-befreit» bezeichnet. Ein bisschen Nachdenken, nur ein bisschen, und statt des grammatikalischen Undings wäre der passende Ausdruck da gestanden: unanständig.

Dasselbe gilt bei «die Luftgüte wird gemessen.» Ja, natürlich, festgestellt wird, wie gut oder rein die Luft ist. Aber Luftgüte? Oder Luftreine? Da stinkt doch etwas. Muss an der Luftqualität liegen.

«Der Shoppen kann dem Kind zu Hause gegeben werden.» Also, wenn man vom Schoppen zurück ist und die vollen Taschen ausgepackt hat, möchte man ergänzen. Oder raten, die eigenen Texte doch nochmals kurz durchzulesen. Dann würde «der Erfolg auf jedenfalls schnell eintreten». Oder auch nicht. Denn da wurde vor dem Shöppelen und nach dem Schoppen noch der Mixer angeworfen. Und auf jeden Fall und jedenfalls tüchtig durcheinandergewirbelt.

Kommen wir zum Drama. Im Sprachgebrauch, und nur davon ist hier die Rede, ist das eine besonders traurige oder bewegende Angelegenheit: Ein Bergdrama, ein Drama auf dem Wasser, ein Familiendrama. Im Theater geht ein Drama im landläufigen Sinne immer schlecht aus, also wenigstens für die Einen. Wenn die Heldin, der Liebhaber wie auch immer zur Strecke gebracht wird, ist das ein Drama. Stirbt der Bösewicht oder die Hexe, ist das ausgleichende Gerechtigkeit.

Im Liebesfilm ist es Drama, wenn eine/ einer das Objekt der Sehnsucht nicht kriegt, beziehungsweise dieses davonläuft. Womöglich noch in die Arme eines Anderen, einer Anderen. Ja, und was ist in Zürich ein Drama? Wenn die Tramtüre genau dann schliesst, wenn man angekeucht kommt. So steht es in der Zeitung. Glückliche Zürcher.

Es soll Personen geben, die schauen sich keine Tagesschau mehr an im Fernsehen. Immer diese Dramen! In den Kriegsgebieten, auf dem Mittelmeer, bei den schmelzenden Eisbergen. Und eben jetzt habe ich von einem neuen TV-Drama gelesen: Heute Abend nimmt das «Traumschiff» wieder mal Kurs auf. Ein Drama, so steht es in der Programmvorschau. Dramatisiert, also für die Bühne, den Film, aufbereitet, wird zwar auch jede Komödie, das liegt in der Natur des Begriffs. Aber das Traumschiff ein echtes Drama? Wahrscheinlich geht es heute Abend unter. Also Schwimmweste bereithalten!

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