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Farbenpracht und Froschkonzert

Keine Kunstausstellung! Reine Natur! Überwältigende Eindrücke beim frühsommerlichen Besuch im Park Seleger Moor bei Rifferswil im Kanton Zürich.

Vor einigen Tagen war ich im Seleger Moor. Nicht zum ersten und auch nicht zum letzten Mal! Der Anblick der blühenden Rhododendrensträucher war überwältigend.

Aber warum fallen mir nur Begriffe aus der Musik ein, wenn ich die Bilder in meiner Erinnerung beschreiben will? Von Tönen und Melodien würde ich sagen: sie hallen nach. Aber was tun Farben? Wenn ich an den Besuch zurückdenke, erscheinen die Farben vor meinen inneren Augen, wie sie sich darboten: im Vordergrund, im Hintergrund, nebeneinander, übereinander. Soll ich das Farbensymphonie nennen?

Die Farbtöne präsentierten sich übrigens ohne jede Scheu nebeneinander. Verschiedenste Rot und Rosa, Gelb und Weiss, in wunderbarer Harmonie. Meine Erinnerung an frühere Besuche war, dass die gelben Blüten einen attraktiven Duft ausströmten. Und siehe da, so war es auch dieses Mal.

Das Faszinierende war, dass die strahlenden Büsche ihre Charakteristika hatten. Die einen entfalteten uneingeschränkt ihre ganze Pracht. Die anderen zeigten Hinweise auf nahes Verblühen. Und, gut zu wissen für spätere Besucher, da und dort waren auch noch hoffnungsvolle Knospen zu entdecken.

Der eigentliche Trost für Nachzügler werden aber die Seerosen sein, die sich mit Öffnen noch zurückhielten. Sie präsentieren sich auf verschiedenen Teichen, an deren Rand Sitzbänke zum Verweilen einladen. Die grosse Attraktion an diesen Teichen war aber der Geräuschteppich, der von Fröschen und Kröten ausging. Melodiös würde ich diese Töne nicht nennen, aber auch sie waren «reine Natur»!

Das Ambiente besteht aber nicht nur aus blühenden Sträuchern und ruhigen Teichen. Die hohen, schützenden Laub- und Nadelbäume prägen den Park genau so. Und ohne die Farne und andere grüne Begleitpflanzen könnten die betörenden Rhododendren ihre Schau gar nicht abziehen. Um das mal so salopp zu beschreiben. Dieses gestaltete, kultivierte Stück Erde, das sich präsentiert wie «naturbelassen», besitzt eine ungeheure Ausstrahlung. Wie kam es nur, das ich während langer Jahre einfach «vergessen» hatte, was für eine Kostbarkeit wir hier besitzen?

Dieser Park ist ja nicht einfach vom Himmel gefallen, sondern wurde von Robert Seleger, einem Gartenbauarchitekten aus dem zürcherischen Adliswil gestaltet. Von ihm wird erzählt, dass er 1953 den Auftrag für Projektierung und Bauleitung der Frühjahrsblumenschau im Hallenstadion Zürich erhalten habe. Dafür habe er im Rifferswiler Moor Föhren von besonders schönem Wuchs gesucht. Beim Ausgraben samt Wurzelballen habe er entdeckt, dass der Boden genau so beschaffen war, wie in den Anbaugebieten für Rhododendren in Holland und Norddeutschland.

Im selben Jahr habe er ein kleines Stück Moor erworben und darauf Rhododendren gepflanzt. Davon überlebten nur wenige den bitterkalten Winter von 1956. Und Robert Seleger begann auf der ganzen Welt nach winterharten Pflanzen aus höher gelegenen Standorten zu suchen. Er brachte sie nach Hause, kreuzte sie und es entstanden Sorten mit besonderer Winterhärte. Im Seleger Moor entwickelte sich – wurde geschaffen – eine paradiesische Landschaft. Diese brachte Robert Seleger 1978 in eine Stiftung ein. 1988 schloss er eine Patronatsvereinbarung mit der Genossenschaft Migros Zürich, die seither dem Stiftungsrat zur Seite steht. Der Schöpfer dieses Paradieses verstarb im Jahr 2000. Was er geschaffen hat, ist bewundernswert!

In meinem Umfeld erzähle ich allen von meinem Besuch im Seleger Moor. Bei den einen werden Erinnerungen wach –sie kennen es. Andere haben noch nie davon gehört. Hoffentlich lassen sie sich durch meine Begeisterung anstecken.

Nur, was soll ich diesem verwunschenen Stück Landschaft wirklich wünschen?

Besucher, aber bitte keine Besucherströme! Gäste, die allein, zu zweit, mit Familie, in kleinen Gruppen über die vielen Wege durch diesen Blütennaturpark spazieren, schlendern. Die an einem Teich verweilen, das Froschkonzert auf sich wirken lassen.

Wie ich einer aktuellen Broschüre entnehme, will der Park seine Attraktivität durch verschiedene Veranstaltungen steigern. Es besteht eine entsprechende Agenda. Ich wünsche den Verantwortlichen eine gute Hand. Es liegt ein Zauber über diesem wunderbaren Stück Natur. Möge er nicht dem Kommerz geopfert werden!

Park Seleger Moor, Seleger-Moor-Strasse, 8911 Rifferswil. www.selegermoor.ch   info@selegermoor.ch

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