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Sprachpflege ist out

Sorgfältig formulieren, Grammatik- und Orthografieregeln beachten, das genau richtige Wort finden – das ist etwas für Ewiggestrige. Mir jedenfalls kommt es bei der täglichen Zeitungslektüre so vor.

Wobei: Nicht nur in der Zeitung nimmt die sprachliche Beliebigkeit überhand. «Schuhlhausstr. gesperrt» stand am Dorfeingang einer Zürcher Gemeinde. Durften da vielleicht die Erstklässler ran? Immerhin, der Fehler wurde bemerkt ­ und verbessert: «Schul-hausstr.»steht jetzt da.

Ein Substantiv, mit Eis bitte

Dieser sorglose und «kreative» Umgang mit der deutschen Sprache macht sich überall bemerkbar: «Zu Verkaufen» steht da auf einem Schild, «Schnell und leicht Abnehmen» sogar im Tram. Die Absicht ist klar: Gross geschrieben wird das, was wichtig ist. Verb, Adjektiv, Substantiv? Wohl etwas, mit dem Barkeeper, Autohändler, Computerfreaks oder andere Fachidioten hantieren.

Wollen wir noch etwas lästern über den Genitiv, der langsam in der Mottenkiste verschwindet? «Wegen dem schönen Wetter»«während dem Spiel»? Nein, wollen wir nicht. Wegen den Nerven, die es zu schonen und nicht mit grammatikalischen Finessen zu belasten gilt. Und aufgrund dem schlechten Stil, wo dem ewigen Meckerer angelastet wird. (Oder so!)

Babyname: Dududu

Manchmal kann Zeitungslektüre auch amüsieren und zum Rätseln anregen: Da ist von «himmelhohen Geburtsbäumen mit Babynamen» die Rede. Leider ohne Bild. Ich hätte doch gar zu gerne gewusst, was ein himmelhoher Geburtsbaum ist. Eine Pappel, eine Zeder oder was ist sonst noch himmelhoch?

Und dann die Babynamen. Sind Duziduzi, Müsli, Schätzeli, Chäferli, Böhnli Babynamen? Klar, jedes Baby bekommt einen Namen. Aber den behält man bis ins hohe Alter. Deshalb ist das nicht der Babyname, sondern der Name des Babys. Ein Detail.

Sirup zum Dessert

Zum Schluss noch eine Bemerkung, die nichts mit Sprachpflege zu tun hat: Kennen Sie die Siroop-Plakate, die bis vor kurzem überall hingen? Da wurde über irgendwen oder irgendwas eine rosa Siruptunke geleert – und nicht nur ich fragte mich, was das wohl soll. Jetzt, wo der klebrige Online-Marktplatz von Coop, wohl mit einer beträchtlichen Verlustrechnung, von der Bildfläche verschwunden ist, weiss ich es: zum Wunden lecken. Ist zumindest süss.

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