FrontKulturEine Stadt probt ihr Theater

Eine Stadt probt ihr Theater

Das Theater Basel lud alle Theaterbegeisterten ein, sich an einem ungewöhnlichen Workshop-Projekt selbst einzubringen. «Exclusiv für alle» ist Titel und Programm zugleich.

Was initiative Köpfe nicht alles ins Rollen bringen können. Eine Gruppe um Operndirektorin Laura Berman und Regisseur Tom Ryser vom Theater Basel nahm eine Anregung auf, welche man in der Opera Lyon unter dem dortigen Titel «Kaléidoscope» bewundert hatte, und setzte sie prompt in Basel um: Interessierte aus dem Publikum einzuladen, innerhalb von sechs Monaten und innerhalb verschiedener Workshops sich Theaterwissen anzueignen und schliesslich eine abendfüllende Vorstellung selber zu gestalten. Das Projekt ist auf gesamthaft 3 Jahre angelegt. Nun, zum Saisonende, durfte man das Ergebnis des ersten Jahres im Foyer des Basler Grossen Hauses bestaunen.

Blick auf die Szenerie

Ein Abend zum Staunen

Bestaunen, ja. Denn dieses Multimedia-Kunstwerk war ganz und gar nicht das, was man befürchten durfte. Es war kein holperiger JeKaMi-Abend, sondern – unter der künstlerischen, straffenden Leitung von Tom Ryser – eine durchgestaltete, fliessende Verbindung von Tanz, Musik, Bild und Rezitation. Es hatte sich im Vorfeld angeboten, auch mit einem hiesigen Arts-Zentrum zusammenzuarbeiten. Wohl aus diesem Grund überwogen auch die tänzerischen Mitwirkenden zahlenmässig bei weitem.

Ausser den reinen Tanznummern boten sie auch zum Teil witzige Intermezzi und, zusammen mit den Teilnehmenden aus dem Workshop «Kampfsport», vor allem gekonnt gestaltete Übergänge zwischen den weiteren Programmnummern mit Texterzählungen und Songs. Unterstützt wurden nicht nur sie dabei von einer bemerkenswerten Musikgruppe, welche unter der Leitung von Profi-Musikern aus dem Workshop «Songwriting» hervorgegangen war.

Glanzvoller Höhepunkt

Ausser den bereits erwähnten Workshops sind noch Bühnenbild, Kostüm, Maske, Geschichten erzählen, Songwriting für die Bühne und Poetry Slam Teil des Projekts. Die junge Workshop-Leiterin des letzteren, die Baslerin Sarah Altenaichinger, verhalf dem Ganzen zu einem glanzvollen Höhepunkt. Ihr perfekt performter, eindrücklicher Text, angesiedelt irgendwo zwischen Poetry Slam und Bukowski, haute das gesamte Publikum «aus den Socken», um ein bisschen Jugendsprache in diesen Bericht zu bringen. Sie wurde vom Theater Basel an einer Jubiläumsveranstaltung des JuAr Basel (Jugendarbeit Basel) entdeckt und wird hoffentlich das Projekt auch weiterhin mitbetreuen. Mich erinnerte Sarah Altenaichinger an die Schweizer Autorin Annemarie Schwarzenbach – androgyn, zierlich, hochtalentiert und von leidenschaftlichem Ernst getragen.

Sarah Altenaichinger

Kooperationspartner

Das JuAr agiert bei «Exclusiv für alle» als Kooperationspartner, zusammen mit dem Basler Braswell Arts Center. Insgesamt umfasste dieser «Jahrgang» des Projekts 70 Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Im Foyer des Theaters waren Zeichnungen zu Bühnenbild und Szenerie ausgestellt, welche die intensive Arbeitsatmosphäre während all der Workshops ahnen liessen. Auch im Publikum, das sich naturgemäss zu einem grossen Teil aus zugewandten Personen der Mitwirkenden zusammensetzte, war die Freude des Mitverfolgens deutlich zu spüren, die sich schliesslich in begeistertem Applaus entlud. Alles in allem eine überzeugende, innovative und sympathische Art der Theaterwerbung.

Aufruf zur Mitwirkung

Das Projekt geht nächste Spielzeit mit zum Teil den gleichen Mitwirkenden, aber auch mit neu Dazukommenden in die nächste Runde. Das Publikum ist aufgerufen, sich mit Ideen etc. beim Theater Basel zu melden. Die Ausschreibung dazu erfolgt ab Herbst 2018.

Weitere Informationen hier

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