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Sprachspielereien

Viel zu selten, erreichen mich Reaktionen auf meine Kolumne. Dabei freue ich mich sehr über Zuschriften. Denn gescheiter werden ist nicht verboten – auch nicht für Kolumnisten.

Im Septemberbeitrag bin ich über die «Rappen» gestolpert, die an den Rebstöcken hängen sollen. Mein Vermutung, dass da ein Journalist etwas falsch verstanden hat, ist zwar zutreffend, aber die richtige Spur habe ich nicht gefunden. Daniel Goldstein, Redaktor des «Sprachspiegel», half mir auf die Sprünge: «Der Winzer hat mit ziemlicher Sicherheit von Grappen geredet, also «Trübeln», une grappe, una grappola (siehe idiotikon.ch).» Also, jetzt wissen wirs – und auch, woher der Name «Grappa» kommt – vom vergorenen Pressrückstand dieser Trübeln. Herzlichen Dank für die Nachhilfe in Weinkunde!

 

Sprache ist manchmal reine Interpretationssache. Da mokierte ich mich über die über 14 Bücher, die eine Autorin geschrieben hatte – also darüber, dass eine genaue Zahl eine ungefähre Menge definiert. Anders Daniel Goldstein: Das könnte auch eine Rezensentin gewesen sein, schrieb er. Die 14 Bücher besprochen, also über diese geschrieben habe. «Als Lebenswerk mager, als Tagwerk unseriös». Nun, meine Interpretation ist zwar richtig – es handelt sich um eine Autorin –, aber das Vergnügen, wie doppeldeutig Sprache sein kann, war ganz auf meiner Seite.

 

Wenn aber in einem Interview steht, der übergriffige US-Regisseur Harry Weinstein sei enthauptet worden, dann ist das eindeutig falsch. Er wurde zwar von etlichen Frauen als Grüsel entlarvt, aber mit der Larve hat man ihm trotzdem nicht gleich den Kopf abgerissen. Gut, entmachtet wurde er natürlich, aber diese Macht hatte ja auch nichts mit seinem Kopf zu tun.

 

Der folgende Satz hingegen könnte – könnte! – sogar richtig sein: Gummistiefel über einem zarten Seidenchiffonkleid sind in. Dann müssten die Gummistiefel allerdings der stylischen Lady um den Hals hängen oder an den Ohren baumeln. Oder als Ganzkörperanzug ausgestaltet sein.

 

Jetzt wird es aber ganz gescheit, so richtig intellektuell: «Als Kind war ich überzeugt, dass die unabhängige Forschung (…) im Auftrag des Staates durchgeführt werden sollte. Oder einfacher gesagt: Ich wartete auf die politische Implementierung der Erkenntnisse.» So intelligent sind heute junge Redaktoren! Also wenigstens der, von dem das Zitat stammt. Ich hatte als Kind ganz andere Sorgen: Ob ich wohl am Mittwochnachmittag in die Badi gehen dürfe, ob zum Geburtstag mein sehnlichster Wunsch erfüllt würde oder ob meine Freundin immer noch schmollt, weil ich sie beim Velorennen am Vortag abgehängt hatte.

 

Und nun noch ein poetischer Schluss: Dichter bauen im Dorfzentrum. Wahrscheinlich nicht gerade Goethe und Schiller, die sind ja schon tot. Aber vielleicht ein paar romantische Literaten? So rosenumkränzte Gartenlauben? Oder habe ich da schon wieder etwas falsch verstanden?

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