Kolumnen

Weltraummüll

Wir können uns all den enthusiastischen Schilderungen in den Medien über die Mondlandung vor fünfzig Jahren nicht entziehen. Auch Seniorweb hat informative Beiträge über Veranstaltungen und Ausstellungen gebracht. Der edle Satz eines Beteiligten, die Landung sei „ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein grosser Sprung für die Menschheit“ widerhallt in unseren Ohren. Wir wissen von den Augenzeugen, dass der Anblick der Erde vom Mond aus eindrücklich und unvergesslich ist: „so zerbrechlich und so schön“.

Ich besitze ein Buch, „the home planet“, zu deutsch: „der Heimat Planet“, erschienen Ende der 80er Jahre, mit unwahrscheinlich schönen Fotografien der Erde. Herausgegeben wurde es von Kevin W. Kelley im Auftrag der „Association of Space Explorers“. Ein Buch, geeignet zum Meditieren.

Kürzlich besuchte ich eine Veranstaltung zum Thema im Verkehrshaus Luzern. Es ging um eine Filmpremiere: „Apollo 11 – first Steps“, um eine Buchvernissage: „Ein grosser Sprung für die Menschheit?“ und um ein Podiumsgespräch, das von Roland Jeanneret moderiert wurde.

Auf dem Podium sassen Kathrin Altweg, Astrophysikerin und Thomas Schildknecht, Weltraumschrott-Spezialist. „Weltraumschrott“, das Wort traf mich mitten ins Herz. War das Problem bereits so gravierend, dass sich Spezialisten damit befassen mussten, war meine bange Frage.

Und ich erinnerte mich an ein eigenes, aus heutiger Sicht etwas hilfloses Bemühen, das ich am Anfang meiner politischen Laufbahn gestartet hatte. Am 14. Dezember 1987 reichte ich einen Vorstoss in der Form einer einfachen Frage an den Bundesrat mit dem Titel: „Umweltgefährdung im Weltraum“ (87.714) ein. Der Text lautete:

„Wir beklagen heute die Verunreinigung der Gewässer, die Verschmutzung der Luft, die Verseuchung des Bodens. Wie treffen wir Vorsorge, dass sich ähnliche Erscheinungen im Weltraum nicht wiederholen und dannzumal von unseren Nachkommen beklagt werden müssen?“ Die Schweiz ist im Rahmen der ESA an den Weltraumaktivitäten Europas beteiligt. Was ist bekannt über schädigende Einflüsse durch Weltraumstationen, Satelliten und andere künstliche Himmelskörper? Wie wird allenfalls schädigenden Einflüssen auf Klima, Luftschichten, andere Gegebenheiten vorgebeugt? Welche Probleme wirft die Entsorgung im Weltall auf, und wie ersparen wir unseren Nachkommen die entsprechenden Probleme mit Weltraummüll?“

Die Antwort des Bundesrates war informativ, relativierte aber meine Bedenken. Leider verpasste ich es, nachzufassen und mit einem Postulat einen fundierten Bericht und präzise Antworten zu verlangen.

Ein treffendes Sprichwort besagt: „Gestern standen wir am Abgrund, heute sind wir einen Schritt weiter“. Heute sind wir insofern weiter, als verschiedene Staaten bereits über Weltraum-Waffensysteme verfügen oder daran sind, solche aufzubauen.

In meiner Umgebung hörte ich kürzlich den verzweifelten Aufschrei eines kleinen Buben, dem ein Geschwister alle Spielsachen durcheinander gewirbelt hatte. „Es ist gar nichts mehr in Ordnung“, beschwerte er sich.

Wenn ich betrachte, was sich heute in der Welt, auf der Welt, über der Welt tut, muss ich mich dem Ausspruch des kleinen Buben anschliessen: „Es ist gar nichts mehr in Ordnung!“