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Schweizer werden schneller alt

Glaube nie einer Statistik, die du nicht selber gefälscht hast. Dieser zum geflügelten Wort gewordene Spruch wird, Wikipedia weiss das, fälschlicherweise Winston Churchill zugeschrieben. Aber er hätte es zumindest sagen können.

Manchmal werden Statistiken auch nur falsch kommuniziert. Die Bevölkerung der Schweiz altert schneller als in anderen Ländern, heisst es in einer Pressemitteilung. Die Bevölkerung, das ist die Summe aller Menschen einer Gemeinde, einer Region, eines Landes. Und diese Leute sollen schneller altern als in den Nachbarstaaten? Vielleicht sind bei uns die Jahre etwas kürzer? Oder die Zeit vergeht schneller? Oder wir leben doppelt, weil wir es uns leisten können? Oder die Statistik belegt einfach, dass die Zahl älterer Personen bei uns schneller ansteigt als anderswo.

Ebenfalls ein Zeitfaktor, ein saisonaler, muss sogar für einen Titel herhalten: «Der Triumph der dritten Jahreszeit». Das ist ein Titel, der all die neugierig machen sollte, die mit dem Nebelgrau und den dunklen Abenden zu kämpfen haben. Wer oder was triumphiert da wohl? Das Bild zum (kurzen) Text zeigt es: Ein Kürbis, etwas Herbstlaub und ein kleiner Bub. Wer da wie oder worüber triumphiert, das können die Lesenden selber herausfinden.

Haben Sie es gemerkt, «Lesende» habe ich völlig gleichstellungskonform und gendergerecht geschrieben. So steht es auch in einem Text zum Thema Schule: Als Volksschullehrpersonen, beziehungsweise Primarschullehrpersonen werden da die Lehrkräfte tituliert. Und wenn ein Erstklässlerschulkind diese Monstergebilde lesen kann, ist es reif für den Übertritt in die zweite Klasse.

Lange Wörter sind offensichtlich im Trend. Vor einigen Wochen kam es in Kloten zu einem technischen Problem und Tausende Passagiere mussten für eine Nacht in Hotels untergebracht werden. Das Personal gab sich alle Mühe: «Wir fragten alle umliegenden Hotels an, ob sie noch freie Zimmerkapazitäten hätten», wird eine Mitarbeiterin zitiert. Und siehe da: Alle Reisenden konnten Zimmerkapazitäten beziehen. Und vielleicht gab es ja an den Hotelbars auch noch Whiskykapazitäten, um den Ärger über die Verspätungen wegzuschwemmen.

«Er schlürfte zu seinem Stuhl zurück.» Passierte das etwa in der Wartezone des Flugplatzes? Und er schlurfte noch einen Gin oder zwei, oder drei, möchte man den Satz ergänzen. Einfach so viele, bis die Umlautpunkte an der richtigen Stelle gelandet sind.

Sätze, die man nicht zu lesen braucht, könnte eine Rubrik auf den Zeitungs-Titelseiten lauten.Warum? Man wäre dann schneller durch mit all den Informationen. Ein Beispiel? «Federers Rücktritt ist wohl nicht mehr allzu fern», schrieb ein Sportkommentator. «Aber auch nicht allzu nahe». Damit ist doch alles – oder nichts – gesagt.

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