Gesellschaft

Wölfe abschiessen: ja oder nein?

Vordergründig geht es im Film «Die Rückkehr der Wölfe» von Thomas Horat um die Frage, ob man Wölfe abschiessen soll oder nicht, hintergründig jedoch um Grundfragen des Lebens in der Natur. 

Persönliche Vorbemerkung: Bevor ich den Film «Die Rückkehr der Wölfe» angeschaut hatte, dachte ich: Das ist kein Thema, das mich interessiert, und kein Film, der auf meine Website gehört. Doch nach der zweiten Vision hat der Film bei mir eine Auseinandersetzung ausgelöst, die ich gerne meinen Leserinnen und Lesern weiterleite. Er erinnerte mich an die Zeit, als Ivan Illich und andere 68er-Revolutionäre Bildung und Schule auf den Kopf stellten, zum Beispiel 1971 mit «Entschulung der Gesellschaft». Damals war ich selbst Fachlehrer in der Erwachsenenbildung. Ansatzweise und in bescheidenem Rahmen folgte ich diesen Neuerungen. So kam ich einmal mit einer Tasse Kaffee und ein andermal mit einer Videokassette zum Unterricht und schlug vor, am Beispiel dieser Gegenstände wichtige Lebensfragen zu behandeln.

Ein Wolf in der Abenddämmerung

Ähnlich erging es mir mit dem Film «Die Rückkehr des Wolfes». Ich entdeckte hinter der Frage, ob man Wölfe abschiessen soll oder nicht, wesentliche und weiterführende Fragen. So haben mich die Voten der Betroffenen und der Experten, die im Film zu Worte kommen, auf Fragen zum Sinn des Lebens und der Existenz der Biosphäre geführt. Es hat eine Auseinandersetzung begonnen, die in den folgenden Texten aus dem Film weitergehen kann.

Wölfe abschiessen: ja oder nein?

Der Wolf polarisiert und fasziniert, er bringt Unordnung in unser System. 150 Jahre nachdem der Wolf in Mitteleuropa ausgerottet wurde, erobert er sich unaufhaltsam einen Platz zurück. Sind Wölfe gefährlich für den Menschen? Ist ein Zusammenleben möglich? Der Wolf spaltet die Meinungen, und seine Rückkehr lässt die Ablehnung durch die Menschen neu aufleben. Ausgehend von der Rückkehr der Wölfe in die Schweiz begeben wir uns, unterstützt von diesem differenziert und ausgewogen gestalteten Dokumentarfilm, auf Spurensuche in der Schweiz, in Österreich, Deutschland, Polen, Bulgarien und Minnesota.

Erste Antworten

Sehr bald wird einem klar, dass es da bei Thomas Hora nicht bloss darum geht, ob der Wolf abgeschossen werden soll oder nicht. Dazu lässt er unter anderem den amerikanischen Verhaltensforscher Lucyan David Mech zu Worte kommen: «Ich glaube, die Angst vor Wölfen geht weit zurück, als Wölfe eine Gefahr für den Menschen darstellten. Es gab eine Zeit, zu der vor allem in Europa und Asien Wölfe Tollwut hatten und Menschen angriffen und eine Gefahr für sie darstellten. Sie müssen jede Gelegenheit, die sie haben, nutzen. In der Wildnis gibt es nicht viele Gelegenheiten. Sie müssen stunden- und tagelang suchen, um ein Tier zu finden, die sie töten können. Sie müssen bereit sein zu töten, was immer sie finden. Wenn sie in eine Tiergruppe gelangen, wo sie viele töten können, dann nutzen sie diese Gelegenheit. Ich hoffe, dass die Bevölkerung erkennt, dass wir zum Wohl des Wolfs das Tier unter Kontrolle haben müssen und nicht überall Wölfe haben können. So gerne das viele von uns hätten. Weil sie stören und mit Menschen in Konflikt geraten, machen sie sich Feinde, ob uns das gefällt oder nicht. Wenn Wölfe Feinde haben, ist das nicht gut für sie. Die Leute werden wütend, wenn sie nicht alles kontrollieren können. Vielerorts können Sie die Wölfe nicht kontrollieren. Das macht sie wütend.»

Weiter höre ich im Film die österreichische Biologin Gudrun Pflüger: «Wir haben nicht die Berechtigung zu werten, welches Tier hierher gehört und welches nicht. Wir stehen nicht über Gott. Wir stehen nicht über irgendwelchen anderen Tieren. Jedes Einzelne hat seine Berechtigung. Der Wolf ist dort, wo die Menschen Toleranz zeigen. Diese braucht es, nicht erst heute.» – In diesem Sinn können die folgenden Aussagen aus dem Film das Thema weiter auffächern.

Mit den oben stehenden Aussagen im Hinterkopf können wir die aktuellen Diskussionen verfolgen und verstehen lernen, um uns dann selbst kompetent einzubringen. Denn in den heutigen Auseinandersetzungen um die Umwelt geht es im Grunde wohl wirklich ums Überleben der nächsten Generationen – auch wenn es gewisse Wirrköpfe mit all ihrer Macht und ihren perfekten Manipulationsapparaten bestreiten.

Weitere Antworten aus den Off-Kommentaren des Films «Die Rückkehr der Wölfe»:

Antworten Wölfe-PDF

Regie: Thomas Horat, Produktion: 2019, Länge: 90 min, Verleih: Mythenfilm