FrontKolumnenUnsere Gesundheit geht vor

Unsere Gesundheit geht vor

An der Wall-Street wird der Aktienhandel nach einem kräftigen Kurseinbruch für 15 Minuten unterbrochen. Laufend werden Sportveranstaltungen und andere Ereignisse abgesagt oder komplett ohne Zuschauer durchgeführt. Ganze Quartiere, Städte und Regionen werden in Quarantäne geschickt. Italiens Ministerpräsident weitet Beschränkungen der Bewegungsfreiheit auf das ganze Land aus, alle öffentlichen Versammlungen werden verboten, Schulen und Universitäten bis zum 3. April geschlossen. In der Schweiz sterben die ersten Menschen und die Zahl der Infizierten erhöht sich täglich rasant. Es herrscht eine Mischung aus diffuser Angst und aufkommender Panik. Verängstigte Menschen decken sich mit Konserven, Desinfektionsmitteln, Schutzmasken und Toilettenpapier ein.

Wird nicht etwas übertrieben für ein Virus, das weniger tödlich ist als Sars 2002 oder schwerer übertragbar als eine Grippe? Mitnichten, bei Corona handelt es sich um ein neuartiges Virus, das erst vor wenigen Monaten erstmals auf einen Menschen übertragen worden ist. Das menschliche Immunsystem ist nicht darauf vorbereitet. Zugelassene Impfstoffe oder Therapien gibt es bislang nicht. Umso wichtiger ist, die Empfehlungen von Virologen, Ärzten und Gesundheitsämtern konsequent umzusetzen. Um sich wirksam zu schützen, genügt es einstweilen, sich regelmässig und richtig die Hände zu waschen, in die Armbeuge zu husten und genügend Abstand zu den Mitmenschen zu halten.

Gefährdet sind vor allem ältere oder gesundheitlich vorbelastete Menschen. Ihnen wird zusätzlich geraten, öffentliche Verkehrsmittel und Orte mit vielen Menschen zu meiden, auf Besuche in Alters- und Pflegeheimen sowie Spitälern zu verzichten, bei ersten Anzeichen wie Husten, Atembeschwerden oder Fieber zu Hause zu bleiben und sofort den Hausarzt oder das Spital anzurufen. Alle Massnahmen zielen darauf, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und Todesfälle zu minimieren. In China zeitigen die getroffenen Massnahmen erste Erfolge. Mehr als 70 Prozent der mehr als 80 000 Coronavirus-Patienten sind dank rigoroser Quarantäne-Massnahmen wieder gesund und raus aus dem Krankenhaus. Die Weltgesundheitsorganisation WHO bestätigt, dass China auf dem Weg ist, die Epidemie unter Kontrolle zu bringen.

Das Coronavirus trifft Europa mit voller Wucht, die Zahl der Infizierten und Todesopfer steigt täglich weiter an. Einmal mehr führt die Epidemie uns drastisch vor Augen, wie verletzlich die Welt geworden ist. Die Virus-Verbreitung trifft mittlerweile nicht nur nervöse Finanzmärkte, sondern bedroht die ganze Wirtschaft. Das kann auch US-Präsident Donald Trump nicht wegtwittern. Die Bedrohung durch das Coronavirus ist so ernst, aktuell und real, dass, wie im Fall Italien, ganze Nationen zur Sperrzone werden. «In dem Moment, in der Gesundheit und Leben auf dem Spiel stehen, werden postmoderne Werte, die in letzter Zeit so wichtig waren, plötzlich vergessen», kommentiert eine Zeitung.

Trotzdem gibt es keinen Grund zur Panik, auch wenn das Ausmass und die Folgen der Epidemie einstweilen nicht absehbar sind. Wir werden diese Epidemie überleben wie auch andere zuvor. Erforderlich ist, dass wir konsequent handeln und die empfohlenen Massnahmen strikte befolgen. Unsere Gesundheit geht vor. Und womöglich kommen wir drauf, dass unsere globalisierte Welt auch unermessliche Gefahren birgt, die es zu hinterfragen gilt.

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