FrontGesellschaftVom keltischen Saloduron zu Solothurn

Vom keltischen Saloduron zu Solothurn

Solothurn lädt ein, das 2000-jähriges Bestehen der Stadt zu feiern.

Ganz genau kann es keiner sagen: Laut neuerer Forschung bauten die Römer zwischen 15 und 25 n.Chr. während der Herrschaftszeit von Kaiser Tiberius eine Siedlung (vicus) am Ufer der Aare, dazu eine Hafenanlage für die Schifffahrt und zugleich eine Brücke für ihre Strasse zwischen Avenches und Windisch (Aventicum – Vindonissa). Der Ortsname ist allerdings erst auf einem Altarstein der Göttin Epona zweihundert Jahre später überliefert. Die Bezeichnung vicus Salodurum geht aber laut Sprachforschern auf das Keltische (Salódŭrōn) zurück, obwohl es für eine keltische Besiedlung auf Solothurner Gebiet keinerlei Funde gibt. – Seit 2008 verbindet eine imposante Brücke Solothurn mit dem Autobahnnetz der Schweiz.

Oscar Wiggli (1927–2016), Skulptur 10 L, 1959, Eisen, 95 x 27 x 21 cm, Kunstmuseum Solothurn, Depositum des Kunstvereins Solothurn, 1960

Anzuschauen gibt es in Solothurn viel Historisches. Einige Fundstücke sind zum Teil in der als Steinmuseum bezeichneten Schau in der Altstadt direkt neben der Jesuitenkirche ausgestellt. Auf das Alter der Stadt ist man stolz, noch mehr aber darauf, dass von 1530–1792 die französischen Botschafter in der Schweiz in Solothurn residierten, daher der Name Ambassadorenstadt. Dadurch erhielt die kleine Stadt am Jurasüdfuss eine gewisse Bedeutung und Weltläufigkeit.

Nicht nur wenn gerade die Film- oder Literaturtage stattfinden, laden die hübschen Gassen der Altstadt und die Uferpromenaden beidseits der Aare zum Flanieren ein. Solothurn nennt sich selbst nicht umsonst «die schönste Barockstadt der Schweiz». Die St.Ursen-Kathedrale überragt als spätbarockes Monument das Stadtbild und ausserhalb des eigentlichen Stadtzentrums finden sich nicht nur Zeugnisse der Bedeutung der katholischen Kirche, sondern auch prächtige Palais, so das Sommerhaus der Solothurner Familie de Vigier oder das Haus Blumenstein, ebenfalls von einer wichtigen Solothurner Familie erbaut und gepflegt, das heute das historische Museum der Stadt beherbergt.

Der Speisesaal des ehemaligen Landsitzes Blumenstein / wikipedia.org

Wer sich für das Leben in früheren Jahrhunderten interessiert, der ist im Museum Blumenstein am richtigen Ort. Bemerkenswerterweise kann das Museum auf eine Sammlung historischer Objekte zurückgreifen, die bereits im 18. Jahrhundert in der Stadtbibliothek Solothurn angelegt worden war. Wie erwähnt, ist schon der Bau äusserst sehenswert: Im zwischen 1725 bis 1729 erbauten Schösschen ist die Wohnkultur jener Zeit bewahrt worden: Edle Räume, lichtdurchflutet im Sinne der beginnenden Aufklärung, an den Wänden die Portraits der ehemaligen Besitzerinnen und Besitzer. Ausser in Corona-Zeiten können die Räume für besondere Anlässe gemietet werden, auch Konzerte finden dort statt.

Ferdinand Hodler (1853–1918), Bildnis Gertrud Müller, 1911, Öl auf Leinwand, 175 x 132 cm, Kunstmuseum Solothurn, Dübi-Müller-Stiftung

Die Kehrseite des Lebens der vornehmen Damen und Herren ist gleichfalls zu sehen: Man kann die historische Küche im Keller anschauen und die Kammern der Bediensteten im Zwischengeschoss und im Estrich. – Da zeigen sich die sozialen Unterschiede ganz konkret: Ein Bett befindet sich in einem Wandschrank.

Bis Ende 2020 ist in einigen Räumen eine kleine Sonderausstellung eingerichtet: Seife, Sex & Schokolade – Vom Umgang mit den Körpersäften. Hier werden Dinge – vorwiegend bezogen auf das 18. Jahrhundert – ausgestellt, die wir heute im Badezimmer und auf dem Schminktisch benötigen oder im Nachttisch aufbewahren: Themen wie (Wohl-)Gerüche, Nachttopf, aber auch der Umgang mit der Menstruation, Verhütungsmittel oder die nicht sehr tauglichen Mittel gegen Geschlechtskrankheiten werden uns durch die konkreten Gegenstände vor Augen geführt, Puder, Salben, Spachtel gibt’s zu sehen – aber keine Spur von Wasser oder gar Dusche!

Wer Solothurn besucht, sollte sich das Kunstmuseum nicht entgehen lassen, der Bau ist inzwischen ebenfalls ein historisches Gebäude: 1902 wurde dieses damals grösste und schönste Museum der Stadt fertiggestellt – eine Epoche, in der viele Städte beschlossen, ihr kulturelles Erbe in einem Museum repräsentativ zur Schau zu stellen.

Kunstmuseum Solothurn / Wladyslaw Sojka / wikimedia.org

Unter dem Titel Genius Loci Salodorensis. Kunst aus und für Solothurn zeigt das Museum diesmal nur Werke aus der eigenen Sammlung. – Denn, wie die Kuratoren betonen, hat die Stadt auffallend viele bedeutende Künstler hervorgebracht, zudem haben grosse Solothurner Sammler zu künstlerischem Reichtum und Vielfalt beigetragen. Der Spaziergang durch die Säle führt von der Gegenwart mit Werkern junger Künstlerinnen und Künstlern, zu «gestandenen» Künstlern wie Gunter Frentzel, Ruedi Fluri oder Roman Signer, dessen Stiefel im Park vor dem Museum steht, aber auch zu Schang Hutter oder Oscar Wiggli.

Roman Signer (*1938), Stiefel (Brunnenskulptur), 2004, Edelstahl, perlgestrahlt, Stiefel aus PVC, 435 x 300 cm, Kunstmuseum Solothurn, Realisiert mit einem Beitrag der Freunde des Kunstmuseums Solothurn, 2004

Gemälde der Stadt und Region Solothurn treten in der Sammlung erstaunlich spät auf, berichten die Kuratoren, ein Kupferstich nach Matthäus Merian ist das älteste Werk. Erst aus dem späten 18. und 19. Jahrhundert stammen Gemälde und Zeichnungen, seitdem wurden auch viele Portraits und Szenen aus dem Solothurner Stadtleben geschaffen und gesammelt. Wir sehen Selbstbildnisse von Frank Buchser, Cuno Amiet u.a.; berühmte Maler wie Albert Anker oder Ferdinand Hodler schufen Portraits von Solothurner Persönlichkeiten und wichtigen Sammlerinnen und Sammlern. – Es ist, als würden alle Kunstliebhaberinnen und -liebhaber der Stadt zu Ehren dieses 2000-jährigen Jubiläums zusammenkommen.

Amanda Troendle-Engel (1861–1956), Solothurn, 1931, Öl auf Leinwand, 40 x 50 cm

Museum Blumenstein. Sonderausstellung Seife, Sex & Schokolade – Vom Umgang mit den Körpersäften. bis Ende 2020.

Kunstmuseum Solothurn: Genius Loci Salodorensis. Kunst aus und für Solothurn. Verlängert bis 18.10.2020

Weitere Solothurner Attraktionen zum Jubiläum

Titelbild: Aarebrücke der Westumfahrung, die am 8. August 2008 eröffnet wurde. / commons.wikimedia.org

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