FrontKolumnenEin Kabinett voll kurioser Bilder

Ein Kabinett voll kurioser Bilder

«Ein Bild sagt mehr als tausend Worte» heisst es. «Bitte ein Bild!», wünscht man sich zum Beispiel, wenn in der Zeitung ein hoher Militär so beschrieben wird: Er trägt die Uniform von der Achselschnur bis zum Beret sorgsam bis ins letzte Detail. Da drängt sich doch die Frage auf, wie es unterhalb der Achselschnur wohl weitergeht. Trägt er dort Badehose und Flip Flops oder, wie dem Vernehmen nach viele im Home Office, eine Pyjamahose? Oder wurde die Achselschnur auf die Schuhe montiert?

Eher makaber – oder dramatisch – kommt die folgende Nachricht daher. Das Thema seiner Single ist die Trennung seiner Freundin. Ein Unfall? Eine Hinrichtung? Wie wurde sie getrennt? Quer oder längs? Oder, letzte Frage, fehlt da nur ein «von» im Satz?

Eine reine Bild-Text-Schere: Da sitzt ein Betreibungsbeamter auf einem hohen Aktenstapel, neben ihm offene Schubladen voller Karteikarten. Und die Bildunterschrift? Er hat in seinem Berufsleben – 27 Jahre – schon diverse Fälle bearbeitet. Nicht viele, unzählige, tausende – nein, diverse. Ist so, als würde ein stattlicher Ort mit «XXX hat diverse Einwohner» beschrieben.

Ich habe Angst vor Hunden. Deshalb kann ich den Satz «Die Geschäftsführerin des Hundesalons macht sich an die Dompteuse» fast verstehen. Diese Tiere wollen dressiert und in Schach gehalten werden! Nur: Was macht die Frau mit der Dompteuse und weshalb fallen die Haare des Hundes gleich büschelweise zu Boden? Wird er womöglich gar nicht trainiert, ist die Hundecoiffeuse vielleicht nur mit der Tondeuse zugange? Einem Haaretrimmer, der auch in Herrensalons eingesetzt wird. Auch dort leider eher nicht von einer Dompteuse mit hohen Stiefeln und Glitzergewand.

Auch dieses Bild würde mich interessieren. Der seltene Baum hat gewöhnlicherweise kleinere Blätter. Möglichkeitlicherweise gefällt es ihm halt am jetzigen Standort so gut. Ist ja so, dass die Pflanzen mal grösser und mal kleiner sind. Öftlicherweise hängt das mit der Düngung, dem Angebot von verfügbaren Nährstoffen zusammen.

Ein schönes Sprachbild kommt wieder mal von Thomas Kägi aus Solothurn: Australiens Kirschfarmer vermissen die Touristen. Letztere helfen, wenn nicht gerade Pandemieeinschränkungen herrschen, jeweils bei der Ernte. Wobei, so anstrengend kann das Pflücken von Kirsch – ich nehme an, abgefüllt in Flaschen – ja auch nicht sein. Wie viele Flaschen kann ein Baum wohl tragen?

Zum Schluss noch eine Titelzeile zum Schmunzeln, die ich so auch lieber mit Bild gesehen hätte: Das Buch hat mich angelächelt, als ich es im Gestell entdeckte.

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