4 Kommentare

  1. Für mich brauchte es 1971 keinen „Männermut“, um aus Ueberzeugung ja zu stimmen. Das Einschalten des Gehirns und gesunder Menschenverstand genügten.
    Als Student an der Hochschule St. Gallen war ich aber damals entsetzt darüber, dass viele (vor allem Nordostschweizer) Kommilitonen, die ich vorher als sympathische und intelligente Wesen geschätzt hatte, mit fadenscheinigen und menschenverachtenden Argumenten, aber aus voller Ueberzeugung, dezidiert dagegen waren. Das hinderte sie nicht daran, mit Kommilitoninnen äusserst respektvoll und freundlich umzugehen.
    Als nicht Psychologe kann ich mir noch heute keinen Spruch darauf reimen. Es kommen mir höchstens in den Sinn:
    der Ausspruch einer senegalesischen Bäuerin: „c’est fou ce que ces professeurs blancs savent de choses, mais ils ne sont pas intelligents“,
    die Berner Weisheit: „was wei die do? s’isch gäng so gsi, do chönnt jede cho!
    oder etwas gehobener ausgedrückt: „c’est fou ce que nous portons de valeurs du passé dans nos gènes“.
    Und damit kommen wir zur Aussage im letzten Satz im lesenswerten Artikel von Judith Stamm. Die Frage ist pertinent und alle Antwortversuche unvollständig. Ein Ansatz könnte sein, Judikative, Polizei ,Bildungs- und Gesundheitswesen nicht nur mit Vorzeigefrauen zu garnieren, sondern voll zu feminisieren.

  2. Liebe Frau Judith Stamm

    Wie Sie, habe ich die Kommentare, Diskussionen, Dokumentationen, welche uns zum Thema 50 Jahre Frauenstimmrecht in den Medien geboten wurden, sehr interessiert wahrgenommen und mich daran erinnert, wie ich und viele andere Frauen (und einige Männer) im Frühjahr 1969 als 19jährige KV-Studentin auf dem Bundesplatz in Bern stand und für „Frauenrechte sind Menschenrechte“ demonstrierte. Von Frauen erzogen und geprägt, wollte ich als Kind immer ein Bub sein, weil mehr Freiheiten, mehr Möglichkeiten, mehr Respekt, in meiner Erfahrung hauptsächlich für das männliche Geschlecht vorgesehen war. Als Mädchen aus einfachen Verhältnissen und mit einer starken, immer berufstätigen gewesenen Mutter an meiner Seite, habe ich früh gelernt für meine Rechte als Frau trotz Widerständen einzustehen und zu verteidigen. Ich sah und sehe nicht ein, warum ich als Mädchen und erwachsene Frau und heutige dreifache Grossmutter, in unserer so viel gerühmten „Demokratie“ über weniger Rechte und Respekt verfügen sollte als die Männer.
    Nicht wie Sie, bin ich zu einem anderen Denkschluss, als der Mut der Männer in Sachen Frauenstimmrecht, gekommen. Er bringt mich zur Grundsatzfrage, die mich schon seit der Kindheit umtreibt und auf die ich bis heute keine schlüssige Antwort gefunden habe:
    Warum ist die Gleichberechtigung der Geschlechter nicht selbstverständlich?
    Warum gibt es den Femizid? Wann und warum begann die Unterdrückung und die daraus entstehende Gewalt gegen Frauen und ihrer Kinder durch die Männer, weltweit und über Jahrhunderte bis heute?
    Stellen Sie sich die Gesellschaften und ihre Entwicklung auf unserer Erde während der letzten 2000 Jahre vor, ohne patriarchalische Herrschaft und ihre verheerenden Konsequenzen wie Kriege, Armut und Ausbeutung von Mensch, Tier und der Natur! Ohne Religionen und ihre Schriften, wie die Bibel, die allesamt von Männern geschrieben wurden und viel zum Frauenbild und der Unterdrückung und der Frauen beigetragen haben, z.B. die durch die Kirche initiierten 6 Millionen Hexenverbrennungen im 15. bis ins 19. Jahrhundert noch immer beitragen.
    Stellen Sie sich vor, es gälte das Gesetz der Gleichwertigkeit von allen Menschen, von Haben und Sein, von Natur und Entwicklung, von Anbeginn der Menschheitsgeschichte. Wir hätten sprichwörtlich „das Paradies auf Erden“.
    Frauen haben darüber geforscht und Bücher geschrieben, z.B. Heide Göttner-Abendroth. Es gab eine Zeit in der das weibliche Prinzip Gültigkeit hatte. Ein Leben im Einklang mit der Natur, ein Geben und Nehmen. So wie es in einigen wenigen indigenen Völkern noch immer gelebt wird, z.B. bei den Aborigines in Australien.

    Weibliche Grüsse
    Regula Mosimann

  3. Danke, liebe Judith, dass du in deiner Kolumne thematisierst, was mir in den Kommentaren zu „50 Jahre Frauenstimmrecht“ gefehlt hat, die Tatsache nämlich, dass 1959 zwei Drittel der Männer gegen das Frauenstimmrecht stimmten, 1971 hingegen zwei Drittel der Männer dafür. Das ist doch ein sehr bemerkenswert ! Dieser Meinungsumschwung ! Die Männer innerhalb von 10 Jahren frauenfreundlicher, fortschrittlicher geworden ? Dafür gibt es wohl verschiedene Gründe: die 1968er Bewegung, eine neue Generation von Männern ist stimmberechtigt, der steigende wirtschaftliche Wohlstand….Die späte Einführung der Frauenstimmrechts ist für die Schweiz beschämend. Aber es gilt zu bedenken, dass in der Schweiz das männliche StimmVOLK abstimmt, im Ausland war es das Parlament. Es ist zu vermuten, dass unter diesen Umständen das Frauenstimmrecht nicht soo viel früher als in der Schweiz eingeführt worden wäre.

  4. Vielen Dank für die Meinungsäusserungen. Ich hatte gehofft, mit meinem Text eine Diskussion auszulösen. Und jetzt ist sie am Laufen! Freue mich sehr auf weitere Stimmen! Judith Stamm

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