FrontLebensartFarbige Fasnacht im grauen Gang

Farbige Fasnacht im grauen Gang

Eine Liebeserklärung an «Die drei scheenschte Dääg» haben Sprayer, die im Alltag Kunst und Grafik machen, einer bislang unattraktiven Unterführung im Kleinbasel eingeschrieben.

Fasnacht ist für einen regelrechten Basler Bebbi nicht eine dreitägige Angelegenheit, Fasnacht ist 365 Tage im Jahr. Auch wenn der Morgestraich zum zweiten Mal abgesagt werden musste. Die stille und fast etwas traurige Fasnacht 2021 geht weiter, nämlich als Graffitti-Präsentation, die den Sommer über Einheimische und Auswärtige erfreuen kann, zum Beispiel jene, die weder 2020, noch 2021 ihren längst traditionellen Besuch des Morgestraich machen konnten. Und Freude erst recht bei den Aktiven, die vom 22. bis 24. Februar 2021 passiv bleiben mussten.

Alle traditionellen Figuren sind dabei, natürlich auch der Waggis

Zehn Künstler, drei Generationen, tonnenweise Farbe und die Liebe zur Basler Fasnacht verwandelten die herkömmliche Unterführung an der Ecke Wettsteinallee/Schwarzwaldallee zum farbenfrohen Korridor durch «die drei scheenschte Dääg», die nun schon ein zweites Mal der Corona zum Opfer fielen. Was im Farbnebel, es wurde hauptsächlich gesprayt, aber auch gemalt, entstanden ist, kann sich mehr als sehen lassen – noch nie wollte man wohl freiwillig so lange in einer unterirdischen Fussgängerpassage verweilen. Verewigt wurde alles, was die Basler Fasnacht ausmacht: Musikanten, Larven, die Uhr, die Vier schlägt, Mundart- Verse, Mimösli, Räppli und aktuelle Persiflagen schmücken die Wände des Durchgangs.

Corona macht’s möglich, aber wie wohl dieser aktuelle Schnitzelbangg-Vers lautet?

Regelrechte Kunstwerke sind entstanden, so wie man sie von den Laternen an der Basler Fasnacht kennt. Und sie wurden auch von niemand anderem kreiert, als jenen, die für die Vereine und Cliquen die Sujets auf die Laternenleinwand bringen: die Künstler sind nämlich alles Laternenmaler. Der Jüngste ist 22, der Älteste 77 Jahre alt. In der Tradition der Laternenmalkunst bleiben sie anonym und geben nur ihre Cliquenzugehörigkeit preis . Vertreten sind die Fasnachtsgesellschaft Olympia 1908, die Basler Zepf Ziiri, die Breo Alti Garde, der Breo Stammverein, die Waageclique Siirmel Waggis, die Rhyschnooge 1930, der Schnurebegge Stamm und die Basler Dybli Jungi Garde.

Wie es dazu kam

Schon ist die Fasnachtspassage ein Ausflugsziel.

Die Idee zur Transformation der Unterführung hatte das Fasnachts-Comité im Januar dieses Jahres, nachdem der Kanton die Flächen zur Verfügung gestellt hatte. Als nur wenig Rückmeldungen eintrafen, hat das Fasnachts-Comité das Projekt dem Verein Baselfarbe übertragen. Dieser widmet sich im Wesentlichen der Förderung von Kunst- und Kulturprojekten im öffentlichen Raum. Und nun sind rund um die Osterwoche die Kunstwerke in Kooperation mit dem Fasnachts-Comité und der Unterstützung des Kantons Basel Stadt entstanden und die Unterführung ist zum attraktiven Ort jeder Stadtführung geworden.

Ob die beiden Dämli in der Schäse wohl je im Museum Tinguely ankommen?

Grosses Können, die innige Verbundenheit zur Basler Fasnacht und die Bereitschaft, über die Feiertage zu arbeiten, haben die zehn Künstler dazu gebracht, «dr Frau Fasnacht», wie die Basler ihre Fasnacht liebevoll nennen, eine grossartige Hommage zu widmen. Über den Erlös der Plakettenverkäufe schüttet das Fasnachts-Comité allen angemeldeten Cliquen jeweils eine Subvention aus. Auch 2021 blieb die Stadt vom 4. bis 6. März fasnachtsberuhigt, Plaketten wurden aber produziert und rege verkauft.

Hommage an die Krachmacher der Monsterkonzerte am Fasnachtsdienstag

Anders als 2020 wusste man rechtzeitig, dass es weder Kostüme, noch Larven, weder Requisiten noch Laternen oder gedruckte Zeedel braucht und was eine Fasnacht als eher teures Hobby sonst noch alles kostet.Deshalb hat das Fasnachts-Comité den Cliquen empfohlen, ihre Zulieferer und Künstlerinnen zu unterstützen, nachdem in diesem Jahr wenig bis keine sonstigen Auslagen angefallen sind.

Am 7. März 2022 Schlag vier Uhr könnte es vielleicht wieder Morgestraich heissen.

Die bunten Fasnachtswände sind nun frei zu besichtigen, die Unterführung ist wieder geöffnet, wer auf Fotosafari in Fasnachtsträume abtauchen will, kann das jederzeit tun.

Bilder: Dest Jones, Verein Baselfarbe

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