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Der Krieg der Wörter

Die Wellen gehen hoch: Von Sprachverhunzung sprechen die einen (oder neu die ein*innen?), von gendergerechter Umsetzung die Anhänger*innen egalitärer Gleichsetzung. Ob sich die Wogen glätten lassen und Vernunft einkehrt, ist angesichts des Beharrungsvermögens geharnischter Amazonen immer unwahrscheinlicher. 

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass in griechischen Mythen und Sagen Frauen „männergleich“ in den Kampf zogen. Antike Autoren verorten Amazonen in verschiedene Regionen am Schwarzen Meer. Zahlreiche Werke der griechischen Kunst stellen, bevorzugt auf Vasen, ab ca. 550 v. Chr. Amazonen als wagemutige Kämpferinnen und Reiterkriegerinnen dar. Im 4. Jahrhundert v. Chr. waren Darstellungen des „Amazonenkampfes“ beliebt.

Amazonenkampf auf einem römischen Steinsarg (um 200 n. Chr.)

 Eines der ältesten schriftlich festgehaltenen Werke Europas, die Ilias des antiken Dichters Homer (vermutlich 8. Jahrhundert v. Chr.), schildert zwei Ereignisse, die sich vor dem Trojanischen Krieg ereigneten und bei denen Amazonen in Erscheinung traten. Homer setzte die Mythen um die Amazonen als bekannt voraus, folglich gab es sie schon vor seiner Zeit. Während des Trojanischen Krieges, als die Amazonen bereits nicht mehr so mächtig waren, sollen sie unter ihrer Königin Penthesilea den Trojanern zu Hilfe gekommen sein und die Griechen in arge Bedrängnis gebracht haben. Mit großen Anstrengungen und durch das Eingreifen des Helden Achill siegten die Griechen. Penthesilea fiel im Kampf gegen den beinahe unverwundbaren Achill. (s. Wikipedia ©-Einträge).

 Zwei Amazonen im Kampf mit einem Griechen (Relief aus Athen, 4. Jahrhundert v. Chr.) 

So weit sind wir noch nicht im Kampf der Geschlechter um sprachliche Gleichberechtigung, aber der Genderkrieg, zwar nicht mit Harnisch und Hellebarden ausgeführt, dafür mit scharfer Munition aus der Scheuklappen-Optik, ist in vollem Gange und wird z.T. mit sehr kreativen Vorschlägen ausgetragen. Allerdings gibt es hüben wie drüben namhafte Schriftstellerinnen und Geistesgrössen (Gröss*innen?), welche zur Besonnenheit aufrufen und nicht jeden Schabernack mitmachen wollen. So hält die auch hierzulande geschätzte Autorin und Literaturkritikerin Elke Heidenreich fest: „Grauenhaft, wenn ich das schön höre! Wenn ich Künstler sage, meine ich alle Menschen, die Künstler sind, auch die Frauen. Dieses feministische Betonen in der Sprache geht mir gegen den Strich.“

Die Amazonenschlacht , Gemälde von Anselm Feuerbach, 1873 / Fotos © Wikipedia 

Mit dem Gendersternchen haben wir allerdings noch keine Gerechtigkeit hergestellt. Die Ansprüche der LGBTQIA-Menschen (habe ich einen Buchstaben vergessen?), der sog. queeren Gruppierungen, verlangen bei jeder Stellenausschreibung die Anfügung von „divers“ als drittem (sächlichem?) Geschlecht. Der ‚Mensch‘ also ein geschlechtsloses (oder alle sexuellen Neigungen unkludierendes) Wesen? Ein Wiener Kolumnist hat z.B. vorgeschlagen, dem ‹Leser› und der ‹Leserin› das Neutrum ‚das Lesy‘ gleichzustellen. So einfach wäre das also: dem Wortstamm ein ‚y‘ anhängen, und schon wäre die Sprachwelt wieder in Ordnung. Während wir uns noch am Gleichheits-Sternchen reiben, verlangen LGBTQIA-Aktivist*innen, dass niemand mehr diskriminiert wird, indem es inskünftig ‚niemensch‘ heissen soll,  damit das männlich anrüchige ‚man‘ in ‚niemand’ auch noch getilgt ist. Sich bei solchen Schnapsideen die Augen reiben und auf Sachlichkeit hoffen?

Unser deutsches Wort ‚Mensch‘ bezieht sich bekanntlich auf die lateinische Form ‚homo‘, das Mensch und Mann wie in allen lateinischen Sprachen gleichsetzt. Deshalb, geschätzte Leser*innen, sei Ihnen verraten und versprochen, dass wir Männer nun auch die Mensch*innen gendergerecht willkommen heissen. Pardon, natürlich auch das LGBTQIA-Mensch. Kommen Sie gut über den Fussgänger*innenstreifen. «The future is female!» und natürlich so divers wie möglich. Damit wird nun gemäss dem österreichischen Lyriker Ernst Jandl aus rechts und links endlich ‹lechts und rinks›, denn «manche meinen, lechts und rinks kann man nicht velwechsern, werch ein Illtum.»

2 Kommentare

  1. 08.06.21 Zum Krieg der Wörter

    Es geht eben nicht mur um Wörter – Wer nicht erwähnt wird, existiert nicht. Die Differenzierung ist wichtig, ob es gefällt oder nicht. Ein Beispiel: Darf ein Schweizer Bürger einen Schweizer Bürger heiraten? Bis jetzt nicht. Oder: Bis vor 50 Jahren waren alle Schweizer Bürger Stimm- und Wahlberechtigt. Wirklich alle? Eine Schweizer Bürgerin war eben kein Schweizer Bürger! Lieber Herr Auchter, ich schlage einen einfachen Wechsel vor: Schreiben wir doch alles in der weiblichen Form! Darin sind die Männer mitgemeint!

    Ein weiteres Beispiel, wie wichtig Unterscheidung genommen wird gibt das Beispiel im Teil Gesellschaft: «Essen was Mama isst» Warum wird hier auf die weibliche Form verwiesen?

    Ich habe diese Streitereien um die Sprache so satt! Ich bin als Frau geboren, wurde als Frau sozialisiert – aber in der Regel wurde und werde ich als männliches Wesen angesprochen. Was verlieren die Verfechter einer männerorientieren Sprache bei einer sprachlichen Entwicklung, die auf die verschiedenen Formen von sexuellen Wesen Rücksicht nimmt? Und ganz nebenbei: Sprache hat sich immer schon verändert. Es wird euch nicht euer Geschlechtsmerkmal genommen, das könnt ihr gerne behalten zur Lust und Freude aller.

  2. Wir übernehmen so vieles aus dem englischen Sprachgebrauch. Eigentlich zu viel, doch in diesem Punkt sollten wir mithalten. Dort ist ein Reader, Teacher, Student, Worker, Customer, Driver, Pedestrian, Cyclist, Actor, Spectactor usw. ein Mensch, der eine bestimmte Tätigkeit ausführt. Auch im Deutschen gilt die männliche Form als neutral, da sind Frauen mit eingeschlossen. Will man diese extra betonen, kann man das selbstverständlich tun, wie «Liebe Leserin, lieber Leser», «Meine Damen und Herren» usw.

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