Falsche Bilder

Wenig Phantasie haben, ist manchmal gar nicht so schlimm. Sonst tauchen beim Stöbern in den Printmedien oft die abstrusesten Bilder auf. Das Kürbisgericht zum Beispiel. Das sei ein Mittel gegen Food Waste, also die Verschwendung von Nahrungsmitteln, wird vermeldet: Kürbisse könnten zur Verarbeitung von Speisen eingesetzt werden. Nein, nicht zu Speisen verarbeitet, sondern von Speisen. Stelle ich mir so vor: Man wirft Speisen in den Kürbis und daraus wird dann … , ja was wohl? Etwas, das nicht weggeworfen wird anscheinend.

Oder dieses schöne Bild: Ein Mann wird zum Sex Appeal. Nein, er hat keine erotische Ausstrahlung, er ist Mr. Sex Appeal in Person. Wahrscheinlich mit sehr viel Sex Idol im Gepäck.

Ein Dorfzentrum erhält neue Gesichtszüge. Unklar, ob ein neues Gesicht – ein Dorfgesicht – oder Bahnen mit Gesichtern drauf gemeint ist. Könnte ja sein, immerhin können Gesichtszüge ja auch entgleisen. Wobei dann nicht die SBB aufräumen muss. Es geht noch weiter: Das Zentrum umfasst ein Platz. Nur fehlt da der Akkusativ. Ist scheinbar kein Dorfgesichtszug.

Manchmal ist etwas so wichtig, dass es auch wichtig angepriesen werden muss. Ein Objekt sei käuflich, wird geschrieben. Also wohl erwerbbarlich oder so. Weshalb nicht kurz und klar: zu verkaufen? Übrigens. Käufliche Damen stehen nicht zum Verkauf.

Man kann mit wichtigen Worten auch nicht viel sagen. «Zu dieser Zeit wuchs in mir der Wunsch, in der Nachhaltigkeit zu arbeiten», soll eine CEO gesagt haben. Erstens: Wer um alles in der Welt redet denn so geschwollen? Und zweitens: Was genau hat sie gesagt?

«Geküsst haben wir uns erst beim ersten Date», erzählt ein Paar. Und ich bin wahrscheinlich hoffnungslos altmodisch und von vor-vorgestern. Denn ich habe nicht gewusst, dass man sich via Instagramm oder Twitter auch küssen kann. Also ich hätte auch bis zum ersten Date gewartet.

Ein schönes Bild ergäbe auch dieser Satz: Das Schicksal spielte dem Gegner in die Karten. Das schlägt dem Fass doch die Krone ins Gesicht. Da werden zwei gängige Ausdrücke munter vermischelt: In die Hände spielen und in die Karten blicken. Hoffentlich nicht in der Morgenstund, denn die fällt selbst hinein.

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