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Zu Besuch bei Magdolna Keel

Die Künstlerin und Galeristin blickt auf ihr Lebenswerk zurück. Geboren 1940 in Budapest lebt Magdolna Keel seit 1957 in der Schweiz. Nun schliesst sie ihre Galerie in Killwangen/AG, wo sie ihre Bilder seit 2005 regelmässig ausstellte.

Die Galerie gehörte zu einer Kultureinrichtung im Limmattal. Zweimal jährlich gab es hier seit 2005 eine Vernissage mit Bildern von Magdolna Keel, ergänzt durch Werke weiterer Künstlerinnen oder Künstler aus dem Kunsthandwerk, etwa Glasmalerei, Schmuck oder Klöppelspitzen. Auch kleine Konzerte mit Flöte, Klavier oder Cello begleiteten jeweils die Ausstellungseröffnungen. Nun denkt Magdolna Keel, bald 82-jährig, ans Aufhören.

Galerieansicht

Die siebzehnjährige Magdolna sagte ihrer Mutter eines morgens, «ich gehe in den Westen und werde eine grosse Malerin» und klebte ihre Pastellzeichnung – ein alter Dreimaster nach Übersee – an den Küchenschrank. Sie wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass sie ihre Heimat am Nachmittag für immer verlassen würde. Es war die Zeit der ungarischen Revolution 1956. Ein Freund war mit einem Kollegen, dem Freund ihrer besten Freundin, bereits unterwegs. Magdolna versuchte die verlassene Freundin erfolglos zu trösten, bis sie spontan entschied, dann gehen wir halt auch. Ein Onkel lieh das Geld für die Zugfahrt, so überraschten sie abends die beiden Jungs im Süden Ungarns.

Für Magdolna Keel ist ihr Buch kein Werkkatalog, sondern ein Bilderbuch zum Blättern.

Zu Fuss ging es anderntags zwanzig Kilometer weiter bis an die jugoslawische Grenze, wo sie in ein Flüchtlingslager gebracht wurden. Die Vier versuchten noch zu Fuss nach Österreich zu gelangen, doch nach einer Woche, kurz vor der Grenze und halb verhungert, spedierte sie die Grenzwache wieder ins Lager zurück. Ein ganzes Jahr blieben sie dort, arbeiteten in der Näherei, lernten Sprachen, bis verschiedene Länder bereit waren, sie aufzunehmen. Magdolnas Freund erinnerte sich durch Erzählungen seines Vaters, dass die ETH in Zürich besonders gut sei fürs Studium. Also warteten sie, bis die Schweiz bereit war, dreissig Flüchtlinge aufzunehmen. Altbundesrätin Kopp, damals Studentin und aktiv in der Flüchtlingshilfe, holte die Vier persönlich ab und begleitete sie bis nach Zürich.

Wegweiser zur Galerie Magdolna Keel in Killwangen.

Magdolna Keel erzählt weiter, wie sie in Zürich am Hochbauamt als Zeichnerin arbeitete, ihren Freund heiratete und nach der Matura an der ETH Architektur studierte. Sie war immer gut in Mathematik und technischem Zeichnen. Den Traum Künstlerin zu werden, konnte sie – inzwischen zum zweiten Mal mit einem Architekten verheiratet – realisieren, als ihre beiden Kinder gross waren. 1980 gründete sie ihr Atelier in Uster und bildete sich autodidaktisch in Zeichnen und Malen weiter.

Zitronenzweige spiegeln sich im Silbertablett, 25 x 35 cm.

Als die Familie 2005 ins Eigenheim nach Killwangen zog, blieben im Architekturbüro ihres Mannes Räume übrig, ein Ansporn diese als Galerie einzurichten, wie Magdolna Keel erklärt. Zweimal jährlich organisierte sie von nun an eine Vernissage und malte regelmässig in ihrem Atelier. Zudem gab sie auch Malkurse für Erwachsene.

Als Architektin spielte sie gerne mit Linien und Perspektiven, wie einzelne Bildserien etwa Geometrische Kompositionen: Rotation und Gegenrotation oder Kompositionen mit Linien und Streifen zeigen. Mit der Zentralperspektive fühlte sie sich zu sehr auf einen oder zwei Fluchtpunkte eingeschränkt. Also experimentierte sie mit verschiedenen Winkeln und Sichtweisen. Besonders fasziniert war sie von Spiegelungen. Dafür arrangierte sie Früchte auf einem Silbertablett so zueinander, dass mehrfache Spiegelungen nicht nur auf dem Boden des Tabletts, sondern auch auf den Rändern sichtbar sind.

Blumenstrauss, Kapuzinerkresse, 100 x 160 cm.

Die Reihung von Alltagsdingen aus ihrem direkten Umfeld, etwa Steine, Federn, Blumen, Bücher oder Stühle stellte sie im Poetischen Realismus dar, wie sie ihren Malstil nennt. Sie blieb stets dem Realismus verpflichtet entgegen dem Trend der abstrakt-konkreten Kunst der Zeit. Dabei versuchte sie stets, das Schöne und Poetische miteinfliessen zu lassen. Auf die Frage nach künstlerischen Vorbildern meint sie, sie kenne sich in der Kunstgeschichte aus, hätte aber nie ein Vorbild gehabt.

Glühbirnen, 80 x 120 cm.

Auf ihren Bildern entwickelte sie ihre Welt. Ihre individuellen perspektivischen Ansätze gaben ihr die Freiheit, mit den Formen spielerisch umzugehen. Ebenso grossen Wert legte sie auf die Zwischenräume oder Lufträume zwischen den dargestellten Objekten. Ihre Bilder malte sie alle in Acryl auf Leinwand. 1990 führte sie eine Wandmalerei für den Speisesaal im Alterszentrum Pfrundhaus in Zürich aus anlässlich der Renovation, die von ihrer Studienkollegin und Freundin, der Architektin Tilla Theus, geleitet wurde.

Magdolna Keel zeigt, wie sie ihre Kompositionen skizziert.

In den letzten Jahren wandte sie sich zunehmend dem Fotorealismus zu. Sie fotografierte in der Natur oder fand Bilder in Zeitschriften als Vorlagen, die sie jedoch immer ansprechen mussten, wie sie betont. Für die präzise Umsetzung stellte sie Linienraster her und übertrug diese auf die Leinwand. Auf die Frage, ob sie jeweils differenzierte Vorzeichnungen und Studien hergestellt hätte, skizziert sie auf einer Serviette mit wenigen Strichen Stuhlformen nebeneinander, mehr brauchte sie nicht für eine Komposition.

Fotos: rv und Zitate aus dem Buch

«Bilder und Texte der Malerin Magdolna Keel», Kolchis Verlag 2020. Im Buchhandel erhältlich. ISBN 978-3-907292-00-6.

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