FrontGesellschaftDas Schweigen brechen

Das Schweigen brechen

Auch ältere Menschen leiden unter sexualisierter Gewalt. Sexualität im Alter und sexualisierte Gewalt sind Tabuthemen in unserer Gesellschaft. Deshalb greifen die Unabhängige Beschwerdestelle für das Alter UBA in der Deutschschweiz und alter ego in der Westschweiz die Themen auf.

Daten über das Ausmass von sexualisierter Gewalt im Alter sind sehr schwer zu erheben. Polizeiliche Statistiken belegen nur die strafrechtlich bekannt gewordenen Fälle. Es muss davon ausgegangen werden, dass hier nur die Spitze des Eisbergs erfasst wird und das Dunkelfeld riesig ist. Gewaltbetroffene schweigen aus Scham, Schuldgefühl und Angst vor Stigmatisierung, oder sie werden von Tätern unter Druck gesetzt. Ältere Frauen trennen sich seltener von gewalttätigen Partnern als jüngere. Existenzängste, materielle und soziale Folgen einer Trennung, verhindern ein Ausbrechen aus einer Gewalt behafteten Beziehung.

Pflegebedürftigkeit ein Risikofaktor für sexualisierte Gewalt

Häufig wird die Gewalt vom aktuellen oder einem früheren Partner ausgeübt, oft in der eigenen Wohnung. Zunehmende Pflegebedürftigkeit und Demenz stellen in einer bereits von Gewalt geprägten Lebensgemeinschaft ein erhöhtes Risiko dar. Die pflegebedingte Abhängigkeit kann von pflegenden Personen leicht ausgenutzt werden. Das gewaltvolle Handeln in der Pflege hat viele Facetten, oft beinhaltet es Elemente von sexualisierter Gewalt wie die Verletzung des Schamgefühls.

In Alters- und Pflegeheimen kann es ausgehend von Bewohnenden, Besuchern oder Pflegepersonen zu sexualisierter Gewalt kommen. Das Pflegepersonal seinerseits ist jedoch häufig ebenfalls konfrontiert mit verbalen und körperlichen Übergriffen von Bewohnenden.

Das Tabu «Sexualität im Alter»

Die Gründe für die Tabuisierung sind in unserer aufgeklärt scheinenden Gesellschaft vielfältig. «Wenn wir nicht über Sexualität im Alter sprechen, gibt es auch keine sexualisierte Gewalt», bringt es eine Pflegedienstleiterin auf den Punkt, «Sexualität im Alter gehört zum Leben wie Essen und Trinken, nur das Ausleben der Sexualität unterscheidet sich im Alter von demjenigen in jüngeren Jahren».

Das Bewusstsein, dass Sexualität bis ins hohe Alter zum Leben gehört, muss erst geschaffen werden, dann kann das Problem der sexualisierten Gewalt benannt und mit wirkungsvollen Massnahmen bekämpft werden.

Wir sprechen darüber

In sieben für die «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» hergestellten Interviews sprechen Fachpersonen aus Altersinstitutionen, eine Privatperson und ein Sexologe über das Thema «Alterssexualität und sexualisierte Gewalt». Die Interviews sind zu sehen und hören unter den Links: alterohnegewalt.ch/16Tage www.uba.ch/16Tage

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

spot_img

Beliebte Artikel