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City of the Dead

Teil vier unserer Fotoreportagen führt in einen Stadtteil, der seit 1979 zum UNESCO Weltkulturerbe gehört, aber nur von ganz wenigen Besuchern wahrgenommen wird.

Am Fusse der Mokattam Hügel, nördlich und südlich der Zitadelle, erstreckt sich über viele Kilometer al-Qarafa, der Friedhof von Kairo. Seit dem 7. Jahrhundert finden hier Sultane, Emire, Prinzessinnen und Scheichs ihre letzte Ruhe. Auf staubigen Wegen und Strassen kann man zwischen Gräbern, Grabkomplexen, Mausoleen und Moscheen flanieren.

Der Friedhof al-Qarafa ist ihr Zuhause. Der Lärm der Stadt ist weit weg.

Kaum zu glauben, dass die Stadt der Toten auch das Zuhause von ganz vielen Lebenden ist. Sie sind nicht registriert, man weiss nicht, ob eine halbe oder eine Million Menschen auf diesem Friedhof leben. Im letzten Jahrhundert kamen immer mehr Menschen auf der Suche nach Arbeit vom Land in die Stadt und in ihrer Not besiedelten sie auch al-Qarafa.

Hier lebt man in der Nachbarschaft von Prinzessinnen, Scheichs und Sultanen aus vergangenen Zeiten.

Nach wie vor finden alle Tage Bestattungen statt, wie hier in diesem Familiengrab.

Stühle für die trauernden Angehörigen

Über verlassenen Gräbern werden weitere Stockwerke nach oben improvisiert.

Mister Mohamed ist in al-Qarafa aufgewachsen.

Where are you from, fragte mich der ältere Mann. Oh aus der Schweiz, er habe vor 40 Jahren in Basel gearbeitet, antwortete Mister Mohamed in gebrochenem Schweizerdeutsch. Er habe damals Brettspiele aus Holz vertrieben und habe viele Länder besucht. Jetzt sei er 78 Jahre alt und lebe wieder da, wo er gross geworden sei, in al-Qarafa. Er wolle mir zeigen, welche Gräber ich fotografieren müsse. Nein nein, kein Bakschisch, er freue sich, wenn er Touristen begleiten könne. Und die Badewanne aus Marmor müsse ich sehen. Da habe Cleopatra drin gebadet – meinte Mister Mohamed mit einem zahnlosen Grinsen.

Was macht eine Badewanne aus Marmor in der Stadt der Toten?

Hier gibt’s Kaffee und man kann eine Shisha rauchen.

Eine friedliche Stimmung, wie in einem abgelegenen Dorf.

Nur Kinder und Hunde bringen Bewegung in die Stadt der Toten.

Im Hintergrund die Garbage City und die Hügel von Mokkattam.

Wenn man es schafft, die viel befahrene mehrspurige Sarah Salem Street zu überqueren, ist man in einer ganz anderen Welt, im al-Azhar Park, der grössten Gartenanlage von Kairo. 1984 besuchte Karim Aga Khan Kairo und störte sich an dem gewaltigen Müllberg, den er von seinem Hotel aus sah. Seine Vorfahren gehörten im Jahre 969 zu den Gründern der Stadt, und Aga Khan IV. bot den Behörden an, an dieser Stelle eine grüne Lunge zu errichten. 800’000 Lastwagenladungen Müll mussten entsorgt werden und es entstand, wie im Märchen, ein Beispiel historischer islamischer Gartenkunst!

Vom Restaurant The Citadel geht der Blick hinüber zur Zitadelle von Aladin.

Die Gartenanlage verfügt über ein eigenes Wasserreservoir.

Der al-Ashar Park mit seiner Aussicht auf Kairo ist bei Pärchen ein beliebter Treffpunkt.

Alle Fotos © Werner Geiger

Hier finden Sie die bis jetzt publizierten Folgen von «Kairo hat viele Gesichter», Bildreportagen von Werner Geiger:
Cave Church
– Garbabe City
– New Capital

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