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Rosige Zeiten

Rosen gehören einfach in jeden Garten. Warum? Weil mit ihnen alle Sinne angesprochen werden.

Pünktlich im Rosenmonat Juni sind die Rosen aufgeblüht. Und wie jedes Jahr stehe ich andächtig vor meiner englischen Duftrose, deren Blüten wie aus feinstem Seidenpapier gefältelt wirken, deren Farben von gelb zu rosa changieren und deren Duft so stark ist, dass er fast den ganzen Winter über erhalten bleibt. Natürlich nur, wenn die sorgfältig getrockneten Blütenblätter luftdicht aufbewahrt und nur bei besonderen Gelegenheiten in einer Schale auf den Tisch gestellt werden.

Schade, gibt es noch kein Duft-Internet. Denn diese englische Rosen duftet wunderbar.

Bei meiner Kletterrose ist der erste Blütenflor bereits vorbei, aber sie arbeitet fleissig an der Fortsetzung. Sie wird die dunkle Buchsbaumwand, in die ich sie geflochten habe, in einen sommerlich geschmückten «Weihnachtsbaum» verwandeln. Zumal auch die Clematis am Aufblühen sind und zu den hellgrünen Rosenknospen, die sich cremig weiss entfalten, einen wunderbaren Kontrast bilden.

Rosen geniessen

Rosen können mit allen fünf Sinnen genossen werden: Sie sehen anmutig aus, riechen gut bis betörend, liegen flaumzart in der Hand – und können auch gegessen werden. Essbare Blüten gibt es zwar viele, sie schmecken pfeffrig, bitter, fruchtig, säuerlich, aber die Rosen, die schmecken einfach so gut, wie sie duften. Ich habe einmal ein zartes Rosenblütensorbet serviert bekommen, begleitet von kandierten, hauchdünnen Rosenblättern. Es war ein einmaliges Geschmackserlebnis. Rosenduft in der Nase und denselben Duft im Mund, das ist Genuss hoch zwei.

Rosenblätter bilden die Grundlage für etliche exklusive Gerichte. (pixabay)

Rosen im Essen, das hat Tradition. Bereits am französischen Hof wurden die Rosenblüten aus den riesigen Gärten von Versailles zu kulinarischen Delikatessen verarbeitet. Wobei, Sorbet, Sirup oder Gelée aus Rosenblättern leuchten ja noch ein,  Aber in Omelettenteig oder Kuchen verbacken? Dafür wären mir die duftenden Blüten zu schade.

Fehlt noch ein Sinn: Kann man Rosen hören? Nicht direkt, nicht so, wie bei der Nachtkerze (Oenothera biennis), bei der sich jede Blüte am Abend mit einem gut hörbaren «Plopp» öffnet – sofern man die Musse hat, direkt daneben zu sitzen. Ich weiss das, weil ich bei meiner Grossmutter bereits als etwa vierjähriges Kind an Sommerabenden im Garten sitzen und warten durfte, bis die „Achtiblueme“ wie sie die Nachtkerze nannte, ihre Blütenkelche öffnete.

Fliegende Smaragde

Aber die Rose, die blüht unhörbar auf. Wer aber plötzlich ein lautes Summen und Brummen hört, der wird genauer hinschauen. Und mit etwas Glück einen smaragdgrünen Käfer aus den Rosenblättern kriechen und davonfliegen sehen. Für mich sind das «fliegende Edelsteine», diese Rosenkäfer, die zu den grössten einheimischen Käferarten gehören und leider immer seltener werden. Das liegt wohl zu einem guten Teil an ihren Larven. Die dicken, fast fünf Zentimeter langen Raupen gleichen fatal den Engerlingen, also den Maikäferlarven, die grosse Schädlinge sind, weil sie sich von lebenden Pflanzenwurzeln ernähren und deshalb auch stattliche Sträucher zum Absterben bringen können.

Wer aber in seinen Pflanzentöpfen oder im Kompost so dicke, weissliche Raupen findet, kann davon ausgehen, dass es Rosenkäferlarven sind. Sie leben von abgestorbenem Pflanzenmaterial, schaden also nicht mal dem Oleander, in dessen Topf sie sich eingenistet haben. Im Gegenteil: Ihre Ausscheidungen reichern den Kompost oder die Pflanzenerde im Topf mit wertvollen Nährstoffen an.

Es sind beeindruckende Brummer, die dicken Rosenkäfer. Hier in einer Tulpenblüte fotografiert – dort konnte er sich weniger verstecken.

Wie aber unterscheiden sich Rosenkäferlarven von den schädlichen Engerlingen? Erstmals durch ihr Vorkommen: Engerlinge sind im Garten im Wurzelbereich von Pflanzen zu finden, die dann meist eher kümmerlich wachsen oder sogar eingehen. Die Wurzelschädlinge haben gut sichtbare Beinchen und bewegen sich, legt man sie auf eine glatte Unterlage, auf der Seite liegend fort.

Anders der Rosenkäfer: Er lebt gerne im Kompost, wo es ja keine lebenden Pflanzenteile mehr hat oder dann in Blumentöpfen, wo die Pflanzen aber munter weiterwachsen. Seine Beine sind nur noch kurze Stummeln und auf einer flachen Unterlage streckt er sich aus und versucht, auf dem Rücken wegzukriechen. Nicht mal den Rosen schadet der wunderschöne Käfer, auch wenn er sie manchmal ein wenig zerzaust. Dafür ist er mit seinem smaragdgrün-goldenen Panzer ein schönes Fotoobjekt. Und wer wollte denn schon einen fliegenden Edelstein mit der Schaufel totschlagen?

Das muss immer wieder gesagt sein!

Wer jetzt denkt, diesen Abschnitt über die Rosenkäferlarven im Seniorweb schon mal gelesen zu haben, liegt nicht falsch. Ich habe das Thema vor wenigen Jahren schon mal behandelt. Aber weil ich immer wieder von den dicken „Engerlingen“ höre, die sich in Blumenkistchen und -töpfen breit mache, ist es mir ein Anliegen, nochmals zu sagen: Das sind keine Schädlinge, sondern die Larven des Rosenkäfers, der in der Schweiz zu den schützenswerten Arten gehört, also unter Naturschutz steht. Also bitte: Wer Rosenkäferlarven vorfindet, verfrachtet sie am besten auf den Kompost oder in die weiche Erde unter Sträuchern. Und leistet damit einen winzigkleinen Beitrag zu Artenvielfalt im Käferreich.

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