FrontKolumnenDie Queen ist tot, es lebe der König

Die Queen ist tot, es lebe der König

Im hohen Alter von 96 Jahren verstarb am 8. September 2022 Queen Elizabeth II., das am längsten amtierende Staatsoberhaupt der Welt. Die Briten trauern nun um ihre Queen – und die Welt mit ihnen.  Das Staatsbegräbnis mit zahlreichen Staatsgästen und Vertretern königlicher Familien aus aller Welt findet am 19. September in London statt. Seit 1952 war Queen Elizabeth II. eine britische Institution und meistert mit Würde und Ausdauer alle Krisen und gab vielen Millionen Menschen, weit über das Vereinigte Königreich Grossbritannien und Nordirland sowie   die souveränen  Commonwealth  Staaten hinaus, Orientierung in einer sich stets veränderten Welt. Ihr 70. Thronjubiläum feierte Grossbritannien vier Tage lang, vom 2. bis 5. Juni 2022. Nur zwei Tage vor ihrem friedlichen Tod übergab die Königin das Amt der britischen Premierministerin persönlich an Liz Truss (47).

Der älteste Sohn der Königin, Charles III., ist nun mit 73 Jahren neuer König. Als König ist er nun Oberhaupt von 16 unabhängigen Staaten, unter anderen Grossbritannien, Australien und Antigua. Charles III ist parlamentarischer Monarch und hat wenig direkte politische Macht, sondern überwiegend repräsentative Aufgaben. Allerdings ernennt und entlässt er offiziell den britischen Premierminister/in und wird wöchentlich über die politische Entwicklung im Land informiert. Die ersten Auftritte als König Charles III waren im wahrsten Sinne des Wortes königlich und die Welt nahm seine Botschaft als Nachfolger seiner Königs-Mutter wohlwollend und mit grosser Sympathie zur Kenntnis. Dennoch steht die Windsor-Monarchie vor ausserordentlichen Herausforderungen. Sowohl in Übersee als auch im Vereinigten Königreich bleiben Fragen im Raum, welche Rolle das Königshaus im 21. Jahrhundert spielen kann? In der globalen Welt gibt es immerhin noch ein Kaiserreich, 33 Königreiche, 1 Grossherzogtum, 3 Fürstentümer, 2 Sultanate, 3 Emirate und dann auch noch den Papst, als Oberhaupt des Vatikanstaat und der katholischen Kirche.

Die königlichen Vorrechte

Die bisherige Aussenministerin Liz Truss wurde von Queen Elisabeth II auf dem königlichen Schloss Balmoral in Schottland zur Regierungschefin ernannt. Ihr Vorgänger Boris Johnson war kurz zuvor in einer Audienz bei der Königin offiziell abgetreten. Das königliche Vorrecht der Auflösung des Parlaments ist zudem eines der bedeutendsten Vorrechte des britischen Monarchen. Im Normalfall wird dieses auf Ersuchen des Premierministers ausgeübt.

Die   Monarchie wird somit auch als eine «verfassungsrechtliche Feuerwehr» bezeichnet, die eingreift, wenn in den üblichen demokratischen Verfahren Brandgefahr herrscht. Der schrittweise Verlust an Ermessenspielraum hat dem Ansehen der britischen Monarchen nicht geschadet. Ganz im Gegenteil könnte das Wohlwollen der politischen Akteure zu einem nicht unbeträchtlichen Teil von der Unbefangenheit und relativen politischen Machtlosigkeit des Königshauses abhängen. In den Augen der weiteren Öffentlichkeit spielen die verfassungsrechtlichen Funktionen des Königshauses ohnehin eine weniger prominente Rolle als dessen Unterstützung für wohltätige Zwecke und seine Rolle in der «Celebrity Culture», einer Aufgabe, die Prinz Charles in den Jahren seiner «Einführungszeit» vorbildlich wahrgenommen hat. In jedem Fall, erfüllt der König eine öffentlichkeitswirksame Rolle als unparteiisches Symbol der britischen Nation.

Im hohen Alter noch einsatzfreudig

Wenn wir im Seniorweb dankbar die grossen Verdienste und vorbildlichen Aufgabenerfüllung des am längsten amtierenden Staatsoberhauptes der Welt würdigen, denken wir parallel auch an das hohe Alter der verstorbenen Queen. Selbst im hohen Alter hat sie beispielhaft ihren Auftrag erfüllt. König Charles III wird mit seinen 73 Jahren gewiss auch schon erfahren und erprobt bei der Bewältigung der königlichen Herausforderungen und der damit verbundenen Krisenbewältigung sein? Ja, sogar in der US-Politik sind die Mächtigsten – McConnell, Biden, Pelosi – fast alle um die 80 Jahre alt. Immerhin, die Schweiz hat bei den letzten Eidgenössischen Erneuerungswahlen ein so junges Parlament gewählt, so wie noch nie in den vergangenen Jahrzehnten. Auch die «Damenwahl» war vorbildlich und zeitkonform!  Das Durchschnittsalter der Nationalrätinnen und Nationalräte liegt bei 49 Jahren. Der Jüngste ist 25 Jahre alt – der Älteste 72.

Letztlich ist es in der Gesellschaft so, dass je Generation eigene Bedürfnisse und Vorteile hat, aber es gibt gewiss auch viele Gemeinsamkeiten. Die Generationen können voneinander lernen und sich gegenseitig unterstützen. Wer welcher Generation angehört und bis wann jemand «jung» oder bereits «alt» ist, bleibt Ansichtssache. Das Miteinander von Jung und Alt muss jetzt und in Zukunft in jedem Falle solidarisch gestaltet werden. Auch am Abstimmungssonntag vom 25. September 2022 erwartet die Schweizerinnen und Schweizer wieder ein reichhaltiges Angebot an Themen aus den Bereichen Rentenreform, Unternehmensbesteuerung und Tierschutz. Politik und Gesellschaft, der Souverän, müssen im demografischen Wandel Perspektiven für Jung und Alt zeitkonform schaffen.

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