FrontLebensartUngleiche Schwestern: Skópelos und Skiathos

Ungleiche Schwestern: Skópelos und Skiathos

Ein Besuch der beiden Nachbarinseln Skiathos und Skópelos hinterlässt unterschiedliche Eindrücke. Das betrifft nicht die Landschaft. Aber das Ferienziel: Gäste, die festen und feiern wollen, darunter viele Pauschaltouristen, wählen Skiathos, wer das Authentische sucht und Wandern möchte, zieht Skópelos vor.

Die Insel Skópelos gehört wie die Nachbarinsel Skiathos zur Inselgruppe der nördlichen Sporaden. Beide laden uns an ihre smaragdfarbenen Strände und in die Wälder aus hellgrünen Aleppokiefern ein. Aber Skópelos mit seinen traditionellen Dörfern, Klöstern und einer wilden Bergwelt, die oft steil ins Meer abfällt, geben wir den Vorzug, es ist eine Landschaft, die uns gefangen nimmt. Hier fanden die Produzenten ideale Drehorte für das Filmmusical Mamma mia! von 2008.

Der Norden der Insel ist wild und einsam

Die Reise von Athen aus führt durch Thessalien bis nach Chalkida und über die Brücke auf die Insel Euböa. Von Kymi aus bringt uns die Fähre zu den nördlichen Sporaden, diesmal nach Skiathos oder Skópelos.

Bald wird ein Regensturm losbrechen.

Die Überfahrt in die Nacht hinein ist eindrücklich. Zuerst sind da nur eine riesige schwarze Wolke und auffällig gleissende Sonnenflecken über dem Wasser, dann immer stärkerer Regen und heftige Böen. Die Gischt spritzt hoch hinauf bis aufs Vorderdeck.

Skópelos ist die Stadt der zehntausend Stufen. Man kann entweder die Gassen quer zum Hang entlang aufwärts gehen und von donnernden Motorrädern erschreckt werden oder abkürzend die steilen Treppengassen nehmen. Sehr schön ist die Skyline des Städtchens am Westende. Da erhebt sich eine Gruppe von Kirchen und Kapellen, die man schon bei der Einfahrt von der Fähre aus entdeckt hat. Wegen des engen Hafens macht die Fähre einen Rundtanz in einer vollen Drehung, bevor sie mit dem Heck anlegt.

Dachlandschaft von Skópelos Chora, dem Zentralort der Insel.

Der Ort lädt zum Schlendern ein. Durch die Lage an einer schönen und großen runden Bucht wirkt er malerisch in die Landschaft eingebettet – eine Postkartenszene, so angeordnet, dass jedes Haus einen Blick aufs Meer hat. Elegant das alte Rathaus mit hier ungewohnten blauen Balkonen. Die Bausubstanz schmücken traditionelle architektonische Elemente. Es gibt Erker und Balkone, die Farbe Weiss dominiert zusammen mit roten Ziegeldächern. Und auch noch im Herbst blühen Bougainvillea-Ranken. Rote Tontöpfe mit Blumen und die letzten Oleanderblüten zieren Terrassen und kleine Vorhöfe.

Entspannend ein Gang vom Hafen über die Strandpromenade

In Skópelos Chora lebt etwa die Hälfte der 6000 Inselbewohner. Rund 120 Kirchen und Kapellen seien in der Stadt zu finden, schreibt der Reiseführer. Ein Foto-Tipp: Morgens und abends präsentieren sich die weiß getünchten Häuser am besten in der Sonne.

Der Aufstieg zum Kastro, der Burg geht über viele Treppen.

Wegen der hohen Stufen strengt der Aufstieg an. Ein kleines Kafeneion mit atemraubendem Blick als Zwischenstation. Die zeitweiligen Burgherren, vor den Osmanen die Venezianer und noch früher die Byzantiner, dürften bei der Stufenkletterei ebenfalls ausser Atem gekommen sein.

Die Kirche Panagia tou Pyrgou

Plötzlich merke ich, dass ich meine braune Jacke verloren habe, offensichtlich bei einem Fotohalt. Die Frage ist nun, wo und wie finde ich sie bei diesem Gewirr von Treppen, Gassen und Kirchen wieder. Ich gehe den Weg zurück, frage die wenigen Passanten, indem ich das zuletzt geknipste Foto als Anhaltspunkt zeige.

Eine kleine Idylle – laut Speicherkarte das letzte Bild beim Aufstieg durchs Städtchen.

Die Menschen sind hilfsbereit, rätseln, wo die Aufnahme gemacht wurde und beschreiben den Rückweg, mit Worten und Händen. Doch finde ich sie nicht mehr bei diesen Durchgängen, Plätzchen und Kapellen, die sich alle ähnlich sehen. Am Schluss bleibt die Vermutung, dass sie jemand mitgenommen hat – im Herbst kann man abends schon eine Jacke brauchen.

Die Ostküste von Skópelos ist besonders zerklüftet.

Skópelos hat wunderschöne Strände und aussergewöhnliche Badebuchten. Diese befinden sich vor allem im Süden und Südwesten der Insel. Der Osten besteht überwiegend aus felsiger Steilküste. Mit dem Bus geht’s auf eine Inselfahrt. Der aus dem Film „Mamma Mia!“ bekannte Standort, eine Kapelle auf einem turmhohen Fels, ist unser Ziel an diesem Nachmittag. Der Bus braucht eine gute Stunde der Küste entlang bis nach Glossa am östlichen Ende. Er bedient die schönen Strände an der Nordwestseite, die uns bei diesem rasch wechselnden Wetter nicht anziehen. An der Endstation stehen einige Taxis bereit. Sie alle fahren bis zur Bucht mit dem Kapellenfelsen.

Der Weg nach oben ist sehr ausgesetzt aber gesichert und der Ausblick ist wunderbar.

Die Kapelle Agios Ioannis sto Kastri wurde im 18. Jahrhundert von Fischern erbaut. Die imposante Felsküste besteht aus grünen und roten Blocksteinen. Mehrere Hundert Stufen steigt man hoch auf den etwa hundert Meter hohen Fels. Oben ist gerade Platz für einige schattenspendende Olivenbäume und einen Ziehbrunnen. Ein Rätsel, woher der sein Wasser hat. Die einmalige Filmkulisse hat heute den Ruf einer gefragten Hochzeitskirche. Der Braut sind auf jeden Fall Wanderschuhe empfohlen.

Der Blick von Glossa auf die Inselwelt ist prachtvoll. Die kleinen Inseln vor Skiathos prägen das Bild.

Glossa ist der am zweithäufigsten besuchte Ort auf der Insel. Er hat seinen traditionellen Charakter bewahrt, so als hätte ihn der Tourismus kaum berührt. Das Dorf ist eine reizvolle Ansammlung weißer Häuser, kleiner Tavernen und Läden.

Der Kirchplatz von Glossa

Zurück in der Hauptstadt geniessen wir nochmals die beschauliche maritime Kulisse und spazieren dem Hafen entlang. Ziemlich am Ende der Promenade in der Nähe unseres Hotels erwartet ein Restaurant seine Gäste zum Nachtessen.

Am Ende der Saison sind es nur noch wenige Gäste und die bekommen die besten Plätze.

Skiathos und Skópelos sind von der Landschaft und dem ganzen Inselcharakter her sehr ähnlich. Gewonnen hat, wie schon gesagt, eindeutig Skópelos. Mit dem Inselhüpfen geht es im nächsten Bericht weiter. Von Skópelos fahren wir nach Volos, der Hauptstadt der Region Thessalien. Sie liegt am Pagasitischen Golf (bis jetzt nie gehört), ungefähr auf halber Strecke der Luftlinie zwischen Thessaloniki und Athen.

Titelbild: Aufstieg zur Burg auf Skópelos
Bilder: Justin Koller
Hier gehr es zu Teil eins der Miniserie: Skyros

1 Kommentar

  1. Natürlich kann man mühsam aus der Schweiz via Athen – Chalki – Kymi auf die Sporaden reisen. Einfacher ist allerdings ein Direktflug, z.B.
    Zürich ab 11.05 – SBB – Milano Malpensa T 1 an 14.41, ab 17.25 – easyjet – Siyathos an 20.45.
    Ab Ende Juni 2023 zweimal wöchentlich, Easyjet plus ticket (inkl 2 Gepäckstücke und Platzreservation) ab 80 CHF/pax
    Als Alternative kann man von BSL oder ZRH nach Thessaloiniki fliegen und am folgenden Morgen um 7 Uhr mit dem Seajet in 4 Stunden nach Skopelos fahren. Einmal in Thessaloniki, würde sich allerdings ein daytrip nach Vergina lohnen.

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