FrontKulturVon Elefanten und anderen Wesen

Von Elefanten und anderen Wesen

Im Museum Haus Konstruktiv leben Kreaturen, ausgedacht und animiert von Yves Netzhammer. Es geht um Wahrnehmung und Wirklichkeit.

Ein grosses Fragezeichen ist schon die Überschrift der Installationen: Zwei kühle Zwergelefanten fressen Einfühlungsüberschuss mit Pfirsicharoma. Eine poetische Wortreihe die Assoziationsketten erzeugt, aber sich einer Deutung auf der Vernunftebene entzieht. Also wahrnehmen mit Einfühlung. Denn die kleinen oder auch grösseren Elefanten schliesst auch ins Herz, wer sonst die virtuelle Realität nur ungern akzeptiert. Der Faszination der Metamorphose in Netzhammers Computeranimationen will man sich freilich nicht entziehen.

Videostill, 2022 © Yves Netzhammer, 2022

Dahinter steckt präzise Arbeit und ein langer Denkprozess. Der Computer leistet zwar einiges – das wissen wir Laien von der Bildbearbeitung – aber Netzhammer will sich ja nicht von irgendwelchen vorgegebenen Algorithmen steuern lassen, sondern als Erfinder und Ingenieur das Steuer in der Hand behalten. Seine Bildsprache erweitert er laufend auf neue Möglichkeiten der virtuellen Realität, wobei er seine Künstler-Biographie nie aufgibt:

Ausgebildet als Hochbauzeichner besuchte er bald die Kunsthochschulen und war frühzeitig von den Möglichkeiten der Informatik als Erweiterung des Sehens und Fühlens fasziniert. Laufend ist er daran, seine Bildsprache zu erweitern auf immer neue Medien.

Blick in die Säulenhalle. Foto Stefan Altenburger

Für die Rauminstallation im Haus Konstruktiv hat Yves Netzhammer im Säulensaal eine Konstruktion aus Latten gebaut. Es eine Art Gerüst für die einzelnen Objekte, Computeranimationen auf Bildschirmen oder anderen Projektionsflächen, das den Animationen einen Rahmen bietet, wobei er die Scharniere mit dem neu für seine Zwecke entdeckten 3D-Drucker erstellt hat. Das ganze ist in ein pfirsichfarbenes Licht getaucht, das den Duft der Frucht erinnert.

Versuchsanordnung I, 2022 © Yves Netzhammer, 2022

Der grosse Raum mit den typischen glatten Figuren und Objekten, die sich in ihrer wandelbaren Abstraktion als Projektionsflächen eignen, wird zum Traum, der die Betrachter je in ihrer eigenen Befindlichkeit heimsucht. Mitunter wird er auch zum Albtraum, denn da und dort kann einem ein unheimlicher Schauer über den Rücken laufen.

In den Kabinetten sind einerseits Miniaturen in enger Verwandtschaft zu den grossen Objekten in der Säulenhalle ausgestellt, andererseits hat er die Videoarbeit Biografische Versprecher von 2018 neu inszeniert. Hier zeigt er sein Alter Ego, den Narren mit seinen biografischen Wurzeln in Schaffhausen, wo am Schwabentor die Inschrift Lappi tue d Auge uf steht. Der Aufforderung gilt es auch in Netzhammers Installation nachzukommen.

Yves Netzhammer und Museumsdirektorin Sabine Schaschl in pfirsichfarbener Umgebung. Foto © René und Elisabeth Bühler

Was ist real und was ist wirklich? Mit den neuen digitalen Weltvorstellungen wird es immer schwieriger, beides auseianderzuhalten. Bei Netzhammers zweiter Installation im Unterzugsaal kommt es zu einer Verdichtung und Verflechtung der beiden Welten, jener bodenständig bekannten, auf der wir uns fortbewegen, und der anderen, virtuellen, in die wir unversehens hineinversetzt werden.

Blick in den Unterzugsaal im Museum Haus Konstruktiv. Foto: Stefan Altenburger

Mit ausgeklügelter Technik, untermalt von Klängen werden zwei Objekte, ein Staubsauger als Drachenfigur an der Decke, ein Stuhl in der anderen Raumhälfte gefilmt und wiederum auf eine grosse Wand projiziert, auf der zugleich computeranimierte Videos ablaufen. Wer hier herumsteht und -geht, sieht sich unversehens als bewegte Schattenfigur auf der Projektionsfläche, mitunter gleich neben einem Elefanten. So befremdlich wie faszinierend.

Titelbild: Yves Netzhammer, Mehrteilige Rauminstallation. Haus Konstruktiv. Foto: Stefan Altenburger
Courtesy der Künstler | the artist. © Yves Netzhammer, 2022
Achtung: Nur noch bis 15. Januar
Weitere Informationen zur Ausstellung im Museum Haus Konstruktiv

Der Standort des Museums Haus Konstruktiv im EWZ Unterwerk Selnau ist gefährdet. Eine Petition setzt sich für den Verbleib ein. Hier können Sie sich beteiligen.

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