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Zu Besuch bei Singfrau Fiona Fröhlich

Der Chor «Singfrauen Winterthur» ist bekannt für Konzerte an speziellen Orten. Diesmal ist es ein musikalischer Spaziergang im Kunstmuseum der Stadt

«Auf unserer Website bezeichnen wir uns als ‹der etwas andere Frauenchor›. Zugegeben, jeder Chor hat seinen eigenen Charakter. Inwiefern wir noch spezieller sind? Einmal dadurch, dass wir ein grosses Repertoire an ethnischen Liedern singen, also an Liedern aus anderen Regionen der Welt mit ganz anderen Tonalitäten und Klängen. Dadurch, dass wir viel a cappella singen, also ohne Instrumentalbegleitung. Speziell sind wir auch dadurch, dass wir möglichst alles auswendig singen, und das zum Teil in fremden Sprachen. In unserem bevorstehenden Konzert sind zum Beispiel neben bekannten deutschsprachigen auch Lieder aus Belarus, Georgien, Finnland, Italien und Kroatien zu hören.

Bei der Chorprobe mit Chorleiterin Franziska Welti. Foto: © Singfrauen Winterthur

Dazu kommt: Wir wählen häufig ungewöhnliche Orte für unsere Präsentationen, zum Beispiel – wie jetzt – das Kunstmuseum Winterthur. Einmal hatte unsere Dirigentin, die Sängerin Franziska Welti, sogar die ausgefallene Idee, ihren Chor in einem Schwimmbad auftreten zu lassen: im Neoprenanzug unter den Kleidern. Wir präsentieren uns fast bei jedem Konzert in einem anderen Tenue.

Ferdinand Hodler, Landschaft bei Champéry, um 1912/1916. Im Saal des Kunstmuseums Winterthur/Reinhart am Stadtgarten, wo dieses Bild hängt, gibt’s Schweizer Volkslieder und Jodel.

Für unser aktuelles Programm ist äusserste Konzentration notwendig, weil wir vor frei zirkulierendem Publikum singen, vor Leuten, die in den Museumsräumen herumspazieren, lauschen, vielleicht sogar leise miteinander sprechen. Oder sie betrachten die Bilder an den Wänden, hören einem Ensemble zu und lassen sich dann von den Klängen aus den Nebenräumen anziehen. Denn wir singen nicht durchgehend als kompakte Gruppe, sondern teilen uns über zwei Etagen und über die Räume auf in verschiedene Gruppierungen und wechseln wie die Zuschauer mehrfach den Ort. Von der Solostimme über Duos oder kleine Gruppen mit Instrumentalbegleitung bis zum Gesamtchor: Es ist für alle Gäste Vertrautes, aber auch viel Überraschendes dabei. Zu hören sind auch eine Pianistin, einen Flötist, eine Bratschistin und ein Perkussionist. So wird dieses Konzert zu einem bunten, musikalischen Spaziergang.

Die Lieder auswendig, aber wo wer wann steht oder geht, dafür braucht auch Fiona Fröhlich einen Spickzettel

Spaziergang: Das tönt so locker. Doch für uns ist es anspruchsvoll, denn wir müssen uns genau merken, was wir wo und wann und wie lange singen. Es ist alles genau geplant. Jede im Chor hat sich dafür ihren eigenen Spickzettel gemacht. Die Lieder stehen in einem gewissen Bezug zu den Bildern im jeweiligen Saal. Es sind Frühlingslieder, schweizerische, klassische und romantische Lieder. ‹Hodler trifft auf Naturjodel, Brahms sucht Caspar David Friedrich,› heisst es in unserer Konzertvorschau.

Ich bin mit Musik aufgewachsen und habe praktisch mein ganzes Erwachsenenleben lang gesungen. Mein Vater hatte Geige und Klavier studiert, danach Anglistik. Als wir aufwuchsen, war er Englischlehrer am Gymi. Musik hatte in unserer Familie einen hohen Stellenwert. Oft kamen Freunde unserer Eltern zu Besuch, um gemeinsam zu musizieren. Meine drei Geschwister und ich, wir haben alle ein Instrument spielen gelernt. Mit 27 Jahren habe ich dann begonnen, in Chören zu singen. Und dabei ist es geblieben.

Auch während meiner Berufstätigkeit als Hausärztin und trotz meines zusätzlichen Engagements bei der Gründung von Ärztenetzwerken in der Schweiz habe ich immer gesungen. Noch heute, nach meiner Pensionierung, singe ich in zwei Chören und einem Gesangsensemble. Ich brauche auch sonst gern meine Stimme. Wie unsere Mutter uns in der Kindheit vorgelesen hat, lese ich jetzt zum Beispiel gern meinen Enkeln vor.

Beim Benefiz-Konzert für Orpheus in der Zwinglikirche im Juni 2022 tritt der Chor im chorüblichen Schwarzen auf. Es war ein Konzert gemeinsam mit dem Orpheus Vokalensemble aus Lwiw, Ukraine. Foto: Michael Lio © Singfrauen Winterthur

Die Stimme wird im Alter zwar eher etwas dünner. Das kann man aber mit Erfahrung und geeigneten Übungen recht gut kompensieren. Ein erfolgreiches Training ist Einsingen um 9. Durch zwei Schweizer Sängerinnen während des Shutdowns als Pandemie-Soforthilfe gestartet, ist dieses halbstündige Live-Singen vor dem Bildschirm weit über die Schweizer Grenzen hinweg zu einem Riesenerfolg geworden. Ich habe selbst öfter daran teilgenommen. Auch heute noch versammeln sich jeden Morgen Hunderte um neun Uhr zum Einsingen vor dem Bildschirm, um danach freudig in den Tag zu starten. Ursprünglich vor allem für Chormitglieder gedacht, als Ansporn, regelmässig zu üben, damit die Stimme nicht rostet, hat die Idee längst auch bei jüngeren Menschen gezündet.

Gesänge im Garten Eden: Die Singfrauen bei der 6. Skulpturen-Biennale «Paradise, lost» im Juli 2019. Foto: Luca Morf © Singfrauen Winterthur

Wir Singfrauen haben in den ersten Corona-Jahren schon sehr früh und kreativ wieder mit Proben begonnen, zuerst per Zoom, später zum Beispiel in einer halb offenen Halle im Winterthurer Sulzerareal – mit riesigen Abständen zwischen den Sängerinnen.

Trotz all dieser musikalischen Aktivitäten hat mich die Medizin aber noch nicht ganz losgelassen. Ich treffe gern neue Menschen. Die Medizin ist ein Superberuf für Neugierige. So bin ich mit Kollegen ehrenamtlich im so genannten Café Med tätig. Das ist ein kostenloses Angebot der Akademie für Menschenmedizin in Basel, Bern, Chur, Luzern, St. Gallen, Winterthur und Zürich.

Fiona Fröhlich bereitet die Lieder für die Chorprobe am Klavier vor.

Jeweils am ersten Donnerstag im Monat zwischen 14.00 und 16.00 Uhr treffen wir uns, drei bis sieben Fachpersonen, im Restaurant Neumarkt in Winterthur und beraten Menschen, die eine gesundheitliche Entscheidung treffen müssen oder sonstigen medizinischen Rat benötigen. Wir sitzen an einem Tisch und trinken etwas. Kommt ein Besucher oder eine Besucherin mit einem Wunsch auf uns zu, setzt sich jeweils einer von uns mit der Person an einen Extratisch, und es erfolgt ein persönliches Gespräch unter vier Augen. Es macht Freude, gesundheitliche Fragen zu beantworten, verschiedene Behandlungsoptionen aufzuzeigen, Entscheidungshilfe zu bieten, ohne dass man wie früher auf die Uhr schauen und einen Haufen Papierkram bewältigen muss.»

Titelfoto: Fiona Fröhlich, pensionierte Ärztin und aktive Chorsängerin
Fotos: © Christine Kaiser
Hier geht es zum Programm «Ganz Ohr – Sehen Lernen ist alles! Ein musikalischer Spaziergang im Museum» am 30. März, 1. und 2. April. Alle Konzerte sind ausverkauft.
Der Link zur Homepage der Singfrauen Winterthur
Mit Hinweis auf kommende Auftritte:
Sommerkonzert am 13. Juli im Rathausdurchgang Winterthur. Auftritt am 19. August beim Festival Alpentöne in Altdorf.
Über Einsingen um 9 hat Seniorweb berichtet.
Auch über die Akademie für Menschenmedizin gibt es einen Bericht auf Seniorweb.

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