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Der Einfluss des Klimawandels auf das Wetter

Der Klimawandel ist und bleibt eines der aktuell drängendsten Themen. Die Klimaforschung zeigt, dass die Zusammenhänge von Klima und Wetter gegeben sind. Es versteht sich deshalb, dass die Thematik, wie wir beim Klimaschutz konsequent handeln können, kontrovers diskutiert wird. Als Klima verstehen wir das durchschnittliche Wetter einer gewissen Region sowie die gemessenen Maxima und Minima, gesehen mit Blick auf Temperatur und Niederschlagsmenge. Wenn also die normale Niederschlagsmenge und Temperatur einer Region sich verändert, hat dies auch Konsequenzen auf die Wettersituation. Es versteht sich, dass Wetterextreme wie Hitzewellen und Starkniederschläge infolge des Klimawandels auch in den Land- und Bergregionen der Schweiz messbar häufiger geworden sind.

Das Thema Wetter ist alljährlich auch am «Sechseläuten» in Zürich ein Thema. Das Sechseläuten steht in enger Verbindung mit dem im 14. Jahrhundert gegründeten Zunftwesen. Seit 1893 organisiert das Zentralkomitee der Zürcher Zünfte das Sechseläuten mit dem Verbrennen des «Bööggs». Seit 1902 wird auf einem grossen Scheiterhaufen der «Böögg» verbrannt, nun seit Jahrzehnten in der Mitte des Sechseläutenplatzes. Die Zeitdauer soll Auskunft geben über das Wetter im Sommer des entsprechenden Jahres?

3500 Zürcher Zünfter und tausende Zuschauer – am Strassenrand waren es zehntausende Zuschauer mehr – verfolgten auch in diesem Jahr die Hauptattraktion des Anlasses. Sagenhafte 57 Minuten trotzte 2023 der Böögg dem Feuer. Länger benötigte er seit der lückenlosen Datenerfassung im Jahre 1965 noch nie: 2016: 43:34 Minuten. Gemäss der alten Zürcher Legende soll der Sommer sonniger und wärmer werden, je schneller der Böögg auf seinem Scheiterhaufen verbrennt. Setzt man für eine Langzeit-Wetterprognose nur auf die Brenndauer des Bööggs, dann muss allerdings mit einem üblen Sommer 2023 gerechnet werden.

SRF-Meteorologe Felix Blumer zur Klimazukunft

Am Zürcher Sechseläuten 2023 begegnete ich dem SRF-Meteorologen Dr. Felix Blumer. Wenn Felix Blumer nicht für SRF arbeitet und Prognosen erstellt, ist er in Zürich-Wiedikon Zunftmeister. Bereits seit mehr als 10 Jahren ist Blumer Meister der Zürcher Quartierzunft Wiedikon, eine ehrenamtliche Aufgabe, die ungefähr einem 40%-Job entspricht.

SRF-Meteorologe Felix Blumer macht sich hinsichtlich der diesjährigen langen Brenndauer keine Sorgen um den bevorstehenden Sommer: «In den letzten Jahren dauerte die Brenndauer des Bööggs von Jahr zu Jahr länger. Im letzten Jahr, also 2022, wurde mit rund 38 Minuten bereits die fünftlängste Brenndauer gemessen, trotzdem war der vergangene Sommer nach 2003 der zweitwärmste. Die Brenndauer des Bööggs hängt primär vom Alter und der Beschaffenheit des Holzes im Scheiterhaufen ab und vom verwendeten Brennsprit. Würde man die Entwicklung der Brenndauer des Bööggs als Zeiger für die Klimaveränderung nehmen, so würden wir uns direkt auf eine Eiszeit zu bewegen.» Die Theorie der Schnelligkeit der Brenndauer, die Auskunft über das Sommer-Wetter Auskunft geben soll, bleibt also Legende und gehört zum Spass des faszinierenden Anlasses Sechseläuten?

Wie sieht der SRF-Meteorologe die Realität der Klimazukunft: «Ja, es wird massiv wärmer, aber wir reagieren nicht richtig. Wir verzetteln uns in der Frage, wieviel der Mensch zu Erwärmung beiträgt, anstatt uns gezielt auf ein wärmeres Klima einzustellen. Faktum ist, dass es seit der vorindustriellen Zeit global 1,1 Grad wärmer geworden ist, auf den Kontinenten bereits 1,6 Grad. Das tiefere Klimaziel von 1,5 Grad bis Ende des Jahrhunderts ist auf den Kontinenten also bereits überschritten. Es ist daher mehr als nur blauäugig sich an einem 1,5 Grad-Klimaziel zu orientieren. Viel sinnvoller wäre aktuell die Frage: Was müssen wir tun, um Ende des Jahrhunderts auch in einer Welt vernünftig überleben zu können, die 4 Grad wärmer ist. Machen wir das nicht, stehen wir ähnlich schlecht da, wie zu Beginn der Pandemie im Jahre 2020, als wir nicht einmal genügend Schutzmasken hatten.»

Die Frage bleibt im Raum, ob es für uns in der Schweiz nicht massgebend ist, was wir in unser aller Interessen hinsichtlich Klimaschutz unternehmen, denn wir müssen uns wohl auf eine wärmere Zukunft einstellen? Felix Blumer erklärt dazu: «Auf eine wärmere Zukunft müssen wir uns so oder so einstellen, die Frage ist nur, um wieviel wärmer. Es ist aber nicht egal was wir tun. Selbstverständlich müssen auch wir in der Schweiz unseren CO2-Ausstoss zwingend reduzieren. Aber wir sollten dies vernünftig und effizient tun. In der Umweltpolitik sollten wir vielmehr handeln wie Unternehmer. Wenn Sie in Ihrem Betrieb Kosten sparen müssen, dann beginnen Sie vernünftigerweise auch bei den großen Posten und nicht bei marginalen Einzelausgaben. Unter dem Strich schauen Sie aber auch, was dort allenfalls zu optimieren wäre.»

Was bedeutet dies nun konkret für das Verhalten der Schweiz? Der SRF-Meteorologe Blumer erklärt dazu: «Fakt ist: Die Schweiz stösst 1 Promille des globalen CO2 aus. Auch wenn wir Netto 0 in der Schweiz erreichen, bleiben global gesehen 99,9 Prozent. Es kommt dazu: Dieses eine Promille ist nur der Ausstoß innerhalb der Schweiz. Weitere 2 Promille des globalen Ausstosses entstehen durch den Import von Waren in die Schweiz. Wir können also das globale Klima nicht im Alleingang retten, wir können höchstens einen ganz marginalen Anteil dazu beitragen.»

Auch die Schweiz steht vor grossen Herausforderungen. Der meteorologische Fachmann bringt es auf den Punkt: «Wollen wir zu einem nachhaltigen, globalen Klimaschutz beitragen, kann das nur über die Entwicklung von neuen Technologien entstehen, die wir auf den internationalen Markt bringen. In China und Indien steigt momentan der CO2-Ausstoss jährlich im Prozentbereich an. Wollen wir also global echt etwas erreichen, müssen wir diesen Ländern Technologien zur Verfügung stellen, die eine umweltfreundlichere Produktion ermöglichen. Damit ist dem globalen Klima echt geholfen. Gleichzeitig entsteht ein sehr gewollter Nebeneffekt. Lassen sich bei uns immer mehr Firmen nieder, die umweltfreundliche Technologie entwickeln, dann sichern wir über Jahre zukunftsgerichtete Arbeitsplätze und die Schweiz bleibt ein attraktiver Forschungsplatz. In diese Richtung sollten unsere jungen Erwachsenen ihr Interesse und ihre Energie lenken, es ist zielführender als sich auf Strassen festzukleben.»

In Sachen Engagement fürs Klima eine Schlussbemerkung: Nicht nur Jugendliche, sondern auch die älteren Generationen setzen sich bewusst für eine intakte Umwelt ein. Es gibt sie also auch, die besorgten Seniorinnen und Senioren, die sich fürs Klima entschlossen engagieren. Und auch am Sechseläuten sind Jung und Alt dabei und freuen sich am Fest des Jahres.

Und apropos Wettervorhersage: Über die Jahre hat sich die Genauigkeit stetig verbessert. Das Wetter ist nun mal chaotisch und es hundertprozentig vorherzusagen, ist unmöglich. Früher war es für die Zürcher der «Böögg»? In Zukunft kommt in der Meteorologie bei der Wettervorhersage oder Klimatologie wohl auch die Künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz. Immerhin, die aktuellen Meteorologen unserer TV-Kanäle bemühen sich bei ihren Prognosen stets die Zeichen der Natur soweit möglich zu lesen und daraus Rückschlüsse auf «das Wetter von morgen» zu ziehen. Die Bevölkerung von Berg bis Tal und die Touristen aus allen Ländern sind dankbar.

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2 Kommentare

  1. Ich finde, der Worte sind genug gewechselt. Wie es um das Weltklima steht und wohin unser unsagbar langsames Begreifen und Handeln zur Eindämmung der Klimafolgen führt, wissen wir nun seit Jahren genau. Die Politik muss endlich vorwärts machen und mit der Erforschung neuer Technologien weltweit Hand in Hand gehen. Das Klimaproblem kann man nicht dem Goodwill Einzelner überlassen, die erst ein Einsehen haben, wenn die eigene Hütte brennt. Da müssen rigide Massnahmen beschlossen und zeitgleich umgesetzt werden und zwar auf allen Ebenen; Widerhandlungen müssen klare Sanktionen und Bestrafung zur Folge haben, immer mit dem Ziel vor Augen, alles zu vermeiden, was unseren Planeten noch mehr aus dem Gleichgewicht bringt und dem fragilen Schutzmantel der Erde schadet.

    Für mich ist die Natur wie ein wildes Tier: es nimmt sich was es zum Überleben braucht und passt sich deshalb der Umwelt an. Dasselbe sollten wir auch tun und nicht warten, bis es nichts mehr anzupassen gibt, weil alles kollabiert ist und wir Menschen denselben Weg gehen wie so viele Arten, die bereits unwiderruflich von der Erde verschwunden sind.

  2. Dem Artikel von Weissen ist kaum etwas hinzuzufügen: packen wir es (endlich) an!
    Konkret heisst das:
    Gebiete, die zu wenig Wasser haben, brauchen Wasserleitungen, aus Stauseen oder woher auch immer.
    Wenn die Gletscher weniger Wasser (Schnee) speichern als früher, müssen wir dieses Wasser eben in zusätzlichen Stauseen speichern.
    Sowohl die Land- als auch die Forstwirtschaft muss vermehrt auf Arten setzen, die weniger Wasser verbrauchen und sich im veränderten Klima wohl fühlen.
    Wir brauchen viel mehr Pumpspeicherkraftwerke, um unser Wassser mehrfach nutzen zu können, statt es nutzlos ins Ausland abfliessen zu lassen. Die Pumpen sind durch Ueberflusstrom (Solarstrom an sonnigen Nachmittagen, Atomstrom während der Nacht, etc.) zu betreiben.
    Das reicht zwar alles nicht für die Stromautarkie, ist aber ein ehrlicher Anfang, der relativ schnell Nutzen bringen kann.

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