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Verspielte Erotik

Der Photograph Walter Pfeiffer (*1946) sucht nach Schönheit, frecher Erotik und Leichtigkeit fernab von Klischees. Seine Werke zeigt das Luzerner Kunstmuseum bis 22. Oktober.

Walter Pfeiffer sucht mit der fotografischen Linse nach Schönheit, der Darstellung des männlichen Körpers fernab klischeehafter Ideale, nach verspielter Erotik und Leichtigkeit.

Der Schweizer Künstler schult sein Auge schon früh als Schaufensterdekorateur, porträtiert später rebellische Heranwachsende aus der schwulen Zürcher Untergrundszene und beliefert schliesslich die angesagtesten internationalen Modezeitschriften mit seinen Fotostrecken.

Walter Pfeiffer gelingt es, zwischen Modefotografie und bildender Kunst zu changieren. So sind seine Landschaften, Stillleben und Porträts nie platt. Sie zeigen keine vollendete Schönheit und tragen den revolutionären Geist der Gegenkultur der 1970er-Jahre in sich. Bald gehen bei ihm Freunde und Liebhaber ein und aus, um sich fotografieren zu lassen.

Die meist männlichen Modelle entziehen sich klassischen Assoziationen von männlich und weiblich. Typisch für Walter Pfeiffers Kunst sind kleine Makel, grelles Blitzlicht, nackte Haut, kräftige Farben, intensive Blicke. Wie in einem Fiebertraum sprechen seine Bilder von Sehnsüchten, reizvoller als die Realität, vom Begehren, unbeschwerter Lebensfreude, jugendlicher Liebe.

Eine Person mit vier Beinen, durch ein Champagnerglas vergrösserte Augen, ein Bouquet roter Tulpen – Walter Pfeiffer entführt das Publikum in eine spielerisch vergnügliche Bildwelt.   Auf der Suche nach Schönheit ist Walter Pfeiffers Arbeit zeitlos und fernab klischeehafter Ideale.

Walter Pfeiffers Bilder lassen sich nicht in Schubladen stecken: Seine Porträts rebellischer Jugendlicher der Zürcher Schwulenszene oder dynamisch drapierte Stillleben scheinen dem Alltag entrissen. Doch die Posen der Modelle, die Arrangements der Objekte oder der Ausschnitt einer Landschaft sind nicht zufällig: Walter Pfeiffer inszeniert seine Motive wie Theaterstücke und lässt das Ergebnis so leicht wie ein Schnappschuss wirken.

Seine Bilder zeigen keine vollendete Schönheit und tragen den revolutionären Geist der Gegenkultur der 1970er-Jahre in sich.  Vielmehr geht es Walter Pfeiffer um eine lustvolle Spielerei im Moment des Fotografierens.

Die Werkgruppe Carlo Joh (1973) zeigt den jungen Mann im Verlauf eines Jahres und vermittelt dem Publikum einen intimen Einblick in sich verändernde Identität. Die Reihe gehört zu den Highlights der legendärer Ausstellung Transformer. Aspekte der Travestie, die 1974 im Kunstmuseum Luzern zu sehen war. Unter dem Titel Die Augen, die Gedanken, unentwegt wandernd entstehen von 1980 bis 1986 Porträts junger Männer. Ihre verspielte Erotik und Leichtigkeit finden sich auch in anderen Werken wieder.

Walter Pfeiffer changiert spielerisch zwischen Modefotografie und bildender Kunst. Mit viel Liebe zum Detail kommen die gewählten Requisiten zum Einsatz und finden sich nahezu selbstverständlich in seinen Fotografien. Ihm gelingt es dadurch eine eigene Bildsprache zu entwickeln, dank derer er unter anderem die angesagtesten internationalen Modezeitschriften mit seinen Fotostrecken beliefert.


Walter Pfeiffer mit einem seiner Werke

Sein vielfältiges Interesse für unterschiedliche Medien fusst auf seinen Erfahrungen als Grafiker und Schaufensterdekorateur. So zeigt die Ausstellung Sincerely, nebst Walter Pfeiffers Foto- und Videoarbeiten auch Zeichnungen und Malereien.

Zur Ausstellung entsteht die Videoinstallation Bei dir war es immer so schön (2023), die Filmaufnahmen aus den letzten Jahren zusammenbringt. In Kooperation mit Edition Patrick Frey erscheint die Publikation Chez Walti 2000-2020. Sie vereint Walter Pfeiffers künstlerisches Werk der letzten 20 Jahre in einem umfangreichen Bildband.
Fotos: Josef RItler

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