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Fotografie ändert die Welt

Das sagt die Südafrikanische Fotografin Zanele Muholi. Sie zeigt ihre Werke bis 22.Oktober im Kunstmuseum Luzern.
Die Ausstellung präsentiert Muholis Arbeiten als visuelle Aktvistin von den frühen 2000er-Jahren bis heute. Die Künstlerin dokumentiert das Leben Schwarzer LGBTQIA-Communities in Südafrika und darüber hinaus.

Die Fotografien setzen sich mit der politischen Bedeutung von Sexualität, rassistischer Gewalt, Selbstermächtigung und gemeinschaftlichem Widertand auseinander. Zanele Muholis  Schwarzweissfotografien sind kontrastreich. Muholi will uns jedoch nicht eine Realität in schwarz und weiss zeigen, eher das vielfältige Spektrum dazwischen: Muholis Arbeit erzählt Geschichten von lesbischen, schwulen, bisexuellen, queeren, trans* und inter* People of Colour, die aus Muholis Heimat Südafrika stammen.

Seit der Abschaffung der Apartheit 1994 durchlief Südafrika einen tiefgreifenden sozialen und politischen Wandel. Zwar verbot die Verfassung der Republik Südafrika 1996 weltweit als erste die Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierung. Muholis Arbeit zeigt jedoch, dass es immer noch viele Vorurteile gibt und sie stellt Ideale von Schönheit und traditioneller Lebensweisen in Frage und würdigt Schwarzweiss als Quelle der Kraft im Leben von gender-nonkonformen Menschen.


Hompi and Charles Januarie, Kwa Thems, Springs 2007

Liebevolle Umarmungen, zärtliche Blicke, gemeinsames Waschen: Die Serie Being (seit 2006) verschafft einen intimen Einblick in das alltägliche Leben queerer Paare. Nach dem Ende der Apartheid und dem Aufbau eines demokratischen Staates in den letzten dreissig Jahren leben queere Menschen in Südafrika weiterhin unterdrückt.


Too Beulahs, 2006

Für sie hat sich trotz der Demokratie kaum etwas verändert, denn die Gesellschaft ist von heteronormativem Denken geprägt. Faces and Phases (seit 2006) ist mit über 500 Arbeiten Muholis wohl umfangreichste Porträtreihe. In regelmässigen Abständen porträtiert Muholi Personen aus der Schwarzen LGBTQIA+-Communi- ty Südafrikas und hält damit deren Gesichter (Faces) sowie die Phasen (Phases) der Geschlechteridentitäten fest.

Es ist Muholis zentrales Anliegen, ein Bewusstsein für die unterdrückten Communitys und damit eine positive Sichtbarkeit zu schaffen. Brave Beauties (seit 2014) ist eine Porträtserie von Transfrauen und nicht-binären Menschen, von denen einige an Schön- heitswettbewerben teilnehmen.

Miss D’vinel I Yeouille, Johannsburg Miss D’vinel II, 2007

Queere Schönheitswettbewerbe bieten einen sicheren Raum innerhalb der Schwarzen LGBTQIA+-Community, in denen die Teilnehmerinnen ihrer eigenen Schönheit Ausdruck verleihen. Gleichzeitig sollen diese Bilder queer- und transphobische Stereotype in Frage stellen und Widerstand gegen den vorherrschenden binären Blick leisten.

Die porträtierten Menschen sieht Muholi als Kollaborateurinnen der Bildgestaltung, dank deren Zusammenarbeit die Werke entstehen. In der Porträtreihe Somnyama Ngonyama («Gepriesen sei die dunkle Löwin» auf isiZulu, seit 2012) setzt sich Muholi selbst vor die Kamera und nimmt verschiedene Posen und Charaktere ein.


Zanele Muholi vor ihren Portraits

Die Bilder reflektieren auf persönliche Weise die Kolonial- und Apartheidsgeschichte. Alltägliche Materialien wie Wäscheklammern, Kabel oder Plastikrohre werden zu politisch aufgeladenen Requisiten und Kostümen verwandelt, um Fragen nach Repräsentation und race (diskriminierungssensible Bezeichnung für den deutschen Begriff «Rasse», um auf die menschgemachten Kategorisierungen aufmerksam zu machen) zu verhandeln. Ein starker schwarz-weiss Kontrast führt dazu, dass die Hautfarbe dunkler wirkt. Muholi fordert damit das Schwarzsein für sich zurück. Mit dieser Arbeit erlangt Muholi an der Venedig Biennale 2019 internationale Bekanntheit.

Die Ausstellung im Kunstmuseum Luzern fokussiert auf die Geschichte Südafrikas seit der Unabhängigkeit 1961 und auf die queere Community. Dem Publikum steht die Website www.divers2023.ch für ergänzende Informationen sowie Begriffserklärung zur Verfügung. Dieses digitale Angebot rundet die Ausstellung zum Thema Diversität inhaltlich ab. Die Ausstellung wird kuratiert von Fanni Fetzer und Yasufumi Nakamori, Senior Curator, Tate Modern.
Fotos: Josef Ritler

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