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Landarbeit war Handarbeit

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TEIL 2 DER SERIE «DAMALS — DAS WAR UNSERE SCHWEIZ»

Die schönen Bilder lassen nostalgische Wehmut aufkommen. Aber sie verdecken eine oft harte Realität. Bäuerinnen und Bauern leisteten damals harte Arbeit, oft von von früh bis spät.

Landwirtschaft in den Vierzigerjahren, das ist für uns Nachgeborene zuerst mal ein Mythos. Der spätere Bundesrat und BGB-Politiker Friedrich Traugott Wahlen (1899 bis 1985) war damals ETH-Professor für Landwirtschaft und realisierte sowas wie einen Rütli-Rapport der Bauern und Bäuerinnen. Um während des Zweiten Weltkriegs (1939 bis 1945) die Schweiz vor Hunger zu bewahren, intensivierten die Landwirte ihre Produktion. Wahlen erreichte, dass sie vermehrt Getreide, Kartoffeln und Rüben anbauten. Und: In den Städten sollte kein Platz ungenutzt bleiben. So wuchsen auf dem Zürcher Sechseläutenplatz und neben dem Bundeshaus in Bern Kartoffeln.

Hinter den Schwarzweiss-Bildern der Landwirtschaft von 1937 bis 1962 steckt eine harte Realität. Bäuerinnen und Bauern leisteten damals anstrengende Arbeit, oft von morgens vier Uhr bis zur Dunkelheit. Traktoren gab es zwar schon in den Dreissigern, doch erst ab den Fünfzigerjahren verbreiteten sie sich. Vorher erleichterten einzig Tiere, meist Pferde, den Alltag. Anders als zu den Maschinen entwickelten die Bauersleute oft eine emotionale Beziehung zu den Arbeitstieren.

Von links: Pferd Trudi, Tochter Trudi, Mutter Trudi, Pferd Hans, Vater Hans. Rünenberg BL, ca 1940. Bild zvg

Der Verfasser verbrachte seine Ferien in den Fünfzigerjahren oft auf einem Hof ob Gelterkinden im Jura. Hans und Trudi hiessen der Bauer und die Bäuerin, Hans und Trudi nannten sie ihre beiden Kinder. Und im Stall stand der Hengst Hans und die Stute Trudi. Ob das zu Verwechslungen führte, weiss ich nicht mehr.


Idylle oder Schwerarbeit? Die hier gezeigten Bilder stammen vom Fotografen und Bauernhausforscher Ernst Brunner (1901 bis 1979). Auf uns wirken die Aufnahmen als gemütvolle Schönwetternostalgie. Die Realität war harter bäuerlicher Alltag.

Für seine rund 48 000 Aufnahmen bereiste Brunner die ganze Schweiz und Deutschland. Neben volkskundlichen Motiven zeigen seine Bilder Menschen bei öffentlichen Anlässen und bei ihrem Alltag. Brunner wollte vor allem dokumentieren. Doch haben viele seiner Arbeiten eine erstaunliche künstlerische Qualität.

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Seniorweb und die Schweizerische Gesellschaft zeigen die Schweiz von gestern.
Die in diesem Beitrag vereinten Fotos stammen aus den rund 500 000 historische Bilder umfassenden Sammlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde (SGV). Seniorweb präsentiert thematische Serien mit Aufnahmen aus diesem Archiv.

Wer weiss mehr zu diesen Bildern? Die Mitarbeitenden der SGV-Archive ergänzen die Aufnahmen mit weiteren verfügbaren Informationen. In vielen Fällen genügen diese Angaben nicht, um die Bilder zweifelsfrei zu identifizieren. Für die SGV ist es deshalb hilfreich, wenn sie von der Seniorweb-Leserschaft weitere Hinweise erhält.

Als Beispiel sehen wir in unserer Zusammenstellung ein Bild aus Luzern. Eine unbekannte Frau führt eine Kuh über den Schweizerhofquai. Wer kennt Details zu diesem Motiv? Und: Wo genau in Bern fand der Kleinviehmarkt statt?

Wer Informationen zu diesen Bildern hat, mailt diese bitte an archiv@sgv-sstp.ch

Unabhängig von den Meldungen an die SGV freut sich Seniorweb über Bemerkungen zum Thema und zur Serie in unserer Kommentarspalte.

Bildnachweis
SGV, Sammlung «Ernst Brunner», SGV_12N. © Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde (SGV)

Links
Schweizerische Gesellschaft für Volksunde
Erster Teil der Serie: Büroberufe in den Dreissigern

 

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1 Kommentar

  1. Das sind gewissermassen Bilder aus meiner Jugend – ab 1957. Da war ich 10 Jahre alt und wurde in der Freizeit – dh am schulfreien Nachmittag oder am Wochenende von meinem Vater zu seinen Geschwistern geschickt um zu «helfen». Meine jüngere Schwester musste auch mit. So halfen wir beim Heuen, Rechen ziehen, bei der Kartoffelernte – oder beim Aepfel auflesen und auch bei den Runkeln. Das sind Futterrüben. Das war Schwerarbeit für uns Kinder, aber wir kannten nichts anderes. Meine Schwester beklagt sich noch heute über diese Zeit, damals fiel es ihr eher leicht. Ich habe diese Zeit besser verarbeitet, obwohl es mir nicht leicht fiel. Ich war lieber bei den Büchern und das sollte mir ausgetrieben werden.

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