StartseiteMagazinKulturDie Alpsaison wird Kulturerbe der UNESCO

Die Alpsaison wird Kulturerbe der UNESCO

Die UNESCO hat die Alpsaison in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit eingetragen. Als beispielhafte Tradition der Schweizer Berggebiete vereint die Alpsaison Fertigkeiten, Bräuche und Rituale rund um die Alpwirtschaft.

Das Zwischenstaatliche Komitee für die Bewahrung des immateriellen Kulturerbes hat an seiner 18. Sitzung in Kasane in Botsuana die Alpsaison in die repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen. In ihrem Entscheid hat die UNESCO die Qualität des eingereichten Dossiers und des gezeigten Films unterstrichen.

Vieh zum Sömmern auf hochgelegene Weiden zu treiben, ist eine lebendige Tradition, die spätestens seit dem Mittelalter belegt ist. Seither wurde die Alpsaison laufend den lokalen klimatischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen angepasst. Auch hochwertige Lebensmittel, für die die Schweiz bekannt ist, wurden und werden während der Alpsaison produziert. Alpauf- und Alpabzug, das Wissen über Weidewirtschaft und das Käsen, die Handwerkstechniken bei der Geräteherstellung oder das reiche traditionelle Liedgut: Die Alpsaison vereint ein ganzes Repertoire an Bräuchen, Fertigkeiten und Ritualen, das sie zu einem äusserst lebendigen Kulturerbe macht.

Das im März 2022 vorgelegte Bewerbungsdossier wurde vom Bundesamt für Kultur (BAK) sowie von Fachleuten aus den Bereichen Kulturerbe und Landwirtschaft zusammengestellt. Unterstützt wurden sie dabei von einer erweiterten Begleitgruppe aus Vertreterinnen und Vertretern der Alpwirtschaft, der Kantone, von Museen, Naturparks und anderen relevanten Organisationen. Dank diesem breit abgestützten Ansatz konnten Vielfalt und Reichtum der alpinen Traditionen abgebildet und wichtige Themen in Bezug auf den Nachwuchs und die Anpassung an den Klimawandel aufgezeigt werden. Um den aktuellen Herausforderungen für die Weitergabe der Tradition zu begegnen, wurden gemeinsam Massnahmen in den Bereichen sektorenübergreifende Zusammenarbeit, Ausbildung, Personalgewinnung, Sensibilisierung der Öffentlichkeit, Vermittlung des Kulturerbes und interdisziplinäre Forschung erarbeitet.

Traditionelle Bewässerung: Wissen, Technik und Organisation

Die UNESCO hat auch die traditionelle Bewässerung in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit eingetragen. Die Schweiz beteiligt sich mit ihren Traditionen der Suonengeteilschaften und der Wässermatten an dieser multinationalen Kandidatur unter der Federführung von Österreich. In der Schweiz sind die Wässermatten des Oberaargaus in den Kantonen Bern und Luzern sowie die Suonengeteilschaften im Wallis (Oberwalliser Sonnenberge, Geteilschaften von Ayent, Lens, Trient, Nendaz und Grächen) in diese Kandidatur eingebunden.

Auch die traditionelle Bewässerung ist in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen worden.

Mit dem Übereinkommen zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes, das sich von der Welterbekonvention unterscheidet, will die UNESCO ein Kulturerbe thematisieren und schützen, das weniger mit Bauten oder Räumen zusammenhängt, sondern in erster Linie mit der Zeit sowie mit gemeinschaftlichen Praktiken und gesellschaftlichen Interaktionen. Dieses Erbe umfasst lebendige Traditionen wie mündliche Ausdrucksformen, darstellende Künste, gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste, Wissen und Praktiken im Umgang mit der Natur und dem Universum sowie Fachwissen über traditionelle Handwerkstechniken. Es widerspiegelt somit die kulturelle Vielfalt und zeugt von der menschlichen Kreativität.

Kandidaturen der Schweiz

Im Oktober 2014 hat der Bundesrat eine Vorschlagsliste von acht lebendigen Traditionen der Schweiz verabschiedet, deren Kandidaturen der UNESCO laufend für eine Aufnahme in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit vorgelegt werden. Auf dieser Vorschlagsliste festgehalten wurden das Winzerfest in Vevey (2016 in das Kulturerbe der UNESCO aufgenommen), die Basler Fasnacht (aufgenommen 2017), der Umgang mit der Lawinengefahr (gemeinsame Kandidatur mit Österreich; aufgenommen 2018), die Historischen Prozessionen in Mendrisio (aufgenommen 2019), Uhrmacherhandwerk und Kunstmechanik (aufgenommen 2020), die heute aufgenommene Alpsaison, Schweizer Grafikdesign und Typografie sowie der Jodel. Des Weiteren beteiligte sich die Schweiz an den multinationalen Kandidaturen Kunst des Trockenmauerbaus (aufgenommen 2018), Alpinismus (aufgenommen 2019), Bauhüttenwesen (aufgenommen 2020) und Traditionelle Bewässerung (heute aufgenommen).

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