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Verwirrspiel um Geld und Liebe

Im dichten Netz von Lügen und Falschheit: Das Theater Kanton Zürich in Winterthur-Grüze inszeniert die fulminante Komödie «Die Erbschaft» von Pierre Carlet de Marivaux aus dem Jahr 1736.

Pierre Carlet de Marivaux war einer der bedeutendsten französischen Romancier und Dramatiker im 18. Jahrhundert. Seine Komödie «Die Erbschaft» wurde 1736 von den Comédiens Français mit nur geringem Erfolg uraufgeführt. Inzwischen aber gehört die Komödie zu den beliebtesten und erfolgreichsten Stücken des Autors auf französischen Bühnen.

Liebesspiel um vererbtes Geld

In «Die Erbschaft» hat ein Marquis eine beträchtliche Summe geerbt mit der Auflage, die junge Hortense zu heiraten oder ihr andernfalls einen Drittel der Summe abzugeben. Obwohl beide anderweitig lieben, wollen sie das Geld jedoch nicht verlieren. Hortense liebt den minderbemittelten Chevalier und Marquis die distanzierte Comtesse, die ihre Überlegenheit gemäss ihres Standes nicht verlieren will. Mit im Spiel sind noch die beiden Bedientesten, die Zofe Lisette und der Kammerdiener Lepine, die das dubiose Liebesspiel untertänigst anheizen.

Vereint auf dem Sofa (v.l.): Mia Lüscher als Lisette, Miriam Wagner als Hortense und Jonas Gygax als Lepine

Die gut einstündige Aufführung unter der Regie von Marcelo Diaz ist ein Bijou an gelungener Unterhaltung. Einfach grossartig, wie die sechsköpfige Schauspielertruppe das Verwirrspiel um Geld und Liebe, das dichte Netz von Lügen und Falschheit meistern. Temporeich reden die Figuren aneinander vorbei, mal überwiegt die Geldgier, dann die wahre Liebe. Hortense vollführt einen verbissenen Kampf um das Geld, Marquis will beides, das Geld und die Comtesse, die wiederum ziert sich, spielt die Missverstandene, die ihre wahren Gefühle nicht zeigen darf. Lisette und Lepine mühen sich redlich ab, das Gegenüber davon zu überzeugen, was ihren Herrschaften dienlich ist. Und das tun sie mit viel Dramatik und Komik.

Gespielt wird auf einer einfach mit einem Sofa möblierten Bühne, eingefasst mit einem farbigen Fadenvorhang. Die Schauspieler, elegant in heutigem Outfit gekleidet, treten unentwegt auf und ab, reden unablässig mit halben Sätzen auf die andern ein, ohne richtig gehört und verstanden zu werden. Zu Recht wird im Programmheft der Vergleich zu den heutigen sozialen Medien gezogen, in denen eher monologisiert statt dialogisiert wird. Meisterlich illustriert wird das in der Begegnung zwischen Marquis und Comtesse, in der Marquis seine wahren Gefühle für die Comtesse nicht ausdrücken kann und missverstanden wird.

Temporeich und lustvoll inszeniert

Regisseur Diaz zeigt eine äusserst temporeiche Inszenierung um Geld und Liebe, ohne die Figuren zu denunzieren. Die im Stück angelegte Verlogenheit wird auf liebvolle Art kenntlich gemacht. Das ist vorab das Verdienst von Lisette (Mia Lüscher) und Lepine (Jonas Gygax), die das komödiantische Verwirrspiel lustvoll und beschwingt mit tollpatschigen Einlagen (Vortäuschung eines Herzinfarkts, Salto über das Sofa) vorantreiben. Pit-Arne Pietz zeichnet einen wankelmütigen Marquis, der ungeschickt um die Liebe der Comtesse bettelt, Katharina von Bock spielt die zurückhaltende Comtesse gekonnt majestätisch und Miriam Wagner gibt die geldgierige Hortense unbekümmert aufdringlich. Bleibt noch Axel Julius Fündeling, der als Chevalier seine Rolle als Hortenses Liebhaber eher passiv wahrnimmt.

Plötzlich von Krämpfen befallen (v.l.): Jonas Gygax als Lepine am Boden, Pit-Arne Pietz als Marquis, Miriam Wagner als Hortense, Katharina von Bock als Comtesse, Axel Julius Fündeling als Chevalier und Mia Lüscher als Lisette. Fotos: Tanja Dorendorf / T + T Fotografie

Alles in allem, geboten wird eine rasante Komödie ohne scharfe Gesellschaftskritik, die zu gefallen weiss. Selbstredend ist, dass das dubiose Spiel in einem Happy-End dreier Paare endet und die wahre, allseitige Liebe obsiegt. Dafür gabs am Premierenabend viel Beifall.

Spieldaten: 28., 30. Januar in Winterthur-Grüze, 2. Februar in Rüti, 3. Februar in Trüllikon, 17. Februar in Turbenthal, 5., 6. März in Zürich, 19. April in Gossau

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