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«Objekte der Begierde»

Als eine von drei Ausstellungen über die hundertjährige Geschichte des Surrealismus zeigt das Lausanner mudac die Schau «Objekte der Begierde». Eine Vielzahl der Highlights war 2019/20 im «Vitra Design Museum» in Weil am Rhein zu sehen. Für die Gesamtkuration zeichnet Mateo Kries veranwortlich.

«Objekte der Begierde» erkundet den intensiven Dialog zwischen Surrealismus und Design in den letzten hundert Jahren. Von Salvador Dalí über Meret Oppenheim bis zu Iris van Herpen zeigt die Ausstellung bahnbrechende Werke aus den 1930er-Jahren. Das Aufeinandertreffen der berühmten Objekte in einem Raum wirkt ebenso überwältigend wie einzigartig.

Giorgio de Chirico, Piazza d´ Italia Metafisica, 1921. Vergrösserung. Städtische Kunsthalle Mannheim.: Surrealismus und Design 1924 – Today. © Vitra Design Museum.

Der Surrealismus bezeichnet eine avantgardistische Kunstströmung des 20. Jahrhunderts, die auf dem Bestreben basiert, sich gegen die traditionellen Normen zu stellen und offen für Unwirkliches und Übernatürliches einzustehen. Teil der Lausanner Schau sind Werke von Gae Aulenti, BLESS, Achille Castiglioni, Giorgio de Chirico, Le Corbusier, Dunne & Raby, Max Ernst, Ray Eames, Frederick Kiesler, Shiro Kuramata, Carlo Mollino, Isamu Noguchi, Meret Oppenheim, Man Ray, Philippe Starck, Axel Dick, Christophe Marchand und vielen anderen, darunter auch zeitgenössische Werke.

Salvador Dalis «Le Visage de Mae West »1934-1935, The Art Institute of Chicago. Darunter das berühmte rote Sofa, den Lippen des Hollywood-Stars nachempfunden. Daneben das «La Mama-Sofa» des Designers Gaetano Pesce. Surrealismus und Design 1924 – Today. © Vitra Design Museum. Foto FL.

Noch heute bietet der Surrealismus den Designern und Designerinnen vielfältige Inspirationen, sei es durch die Motive seiner fantastischen Welt, ein subversives Vorgehen oder sein Interesse für die menschliche Psyche. Für den ersten Ausstellungsraum wurden einige der Klassiker überproportional vergrössert und durch surrealistische Möbelstücke und Fotografien ergänzt.

Salvador Dalis «Femme à tète de roses » 1935, Vergrösserung. Kunsthaus Zürich. Surrealismus und Design 1924 – Today. © Vitra Design Museum.

«Objekte der Begierde» zeigt die ungewöhnliche Vielfalt der Interaktion zwischen Surrealismus und Design anhand von exklusiven Möbeln, Druckgrafiken, Modeobjekten, Dekorationen und berühmten Fotografien. Im zweiten Ausstellungsraum präsentiert die Schau surrealistische Designobjekte, um ihre faszinierenden Querverbindungen aufzudecken.

Das berühmte Foto «Schwarz und Weiss» des amerikanischen Fotografen Man Ray, 1926 publiziert im Vogue-Magazin.

In der Ausstellung finden sich mehrere Werke des amerikanischen Starfotografen Man Ray, dem ab 1926 der Durchbruch gelang. Neben progressiven Publikationen wie VU oder Life, wurden auch Modezeitschriften wie Vogue oder Harper’s Bazaar auf den surrealistischen Fotokünstler aufmerksam. Bereits 1922 hatte Man Ray Modefotos für den Modeschöpfer Paul Poiret angefertigt. Ab 1930 schoss er regelmässig Modeaufnahmen für Vogue und Harper’s. Bekannte Aufnahmen aus der Zeit zeigen die Modeschöpferinnen Coco Chanel und Elsa Schiaparelli. Im Zuge der „realen“ Modefotografie verliess Man Ray mit der Zeit den rein abstrakten Fotogramm-Stil und konzentrierte sich auf surreal-traumhafte Arrangements, die er mit experimentellen Techniken mischte: So arbeitete er in den späteren Jahren oft mit Spiegelungen und Doppelbelichtungen.

Blick in die Ausstellung Objekte der Begierde: Surrealismus und Design 1924 – Today. © Vitra Design Museum.

Der Surrealismus regte einige Designer dazu an, die Realität, die sich hinter dem Sichtbaren versteckt, zu befragen und Objekte zu entwerfen, die Widerstand leisten, mit unseren Gewohnheiten brechen und die Trampelpfade verlassen. Er befreite das Design der Nachkriegszeit von der Zwangsjacke des Funktionalismus und lenkte unseren Blick von der Form der Dinge auf ihre oft verborgenen Botschaften. «Objekte der Begierde» untersucht dieses Phänomen auf eindrucksvolle Weise.

Weltberühmte Zitruspresse

Der Alessi-Klassiker: die 29 Zentimeter hohe Zitruspresse. Design von Philippe Starck / © Alessi.

Unter den Ausstellungsstücken finden sich zahlreiche Gegenstände des täglichen Bedarfs. Alessi ist der Name der italienischen Designfabrik von Alberto Alessi in Omegna, im Ortsteil Crusinallo (Region Piemont), die von dessen Grossvater, Giovanni Alessi, 1921 gegründet wurde und Haushaltswaren im Luxussegment herstellt. Das Produktionsprogramm reicht von Stylingprodukten bis zu Re-Editionen von Designklassikern aus dem Bauhaus. Lieferbar sind auch 2000 Küchenartikel. Die Zitruspresse hat Weltruhm erlangt. 2002 wurde ein Badezimmerprogramm eingeführt. Das Unternehmen beschäftigt derzeit 500 Mitarbeitende.

Neon, Plastik, Glas in Blau

Blaue Neon-Abstraktion in Raum und Licht (Bild oben links), 1970, von © Axel Dick.

Der 1935 in Dortmund geborene Künstler Axel Dick ist berühmt für seine Lichtsäulen und Neon-Installationen. Dick studierte an der Hochschule der Bildenden Künste in Berlin und gilt als einer der bedeutendsten deutschen Vertreter der geometrischen Abstraktion sowie der Op Art. Mit einer Reise nach New York im Jahr 1965 fand Dick zu seiner konzeptuellen Arbeitsweise, die er mit einer Unterbrechung bis an sein Lebensende rigoros betrieb. Axel Dick verstarb 2006 in Braunschweig. Seine Arbeiten befinden sich im Bestand des Ingolstädter Museums für Konkrete Kunst und der Linzer Neuen Galerie.

Origineller Melkstuhl

Zusammenspiel von Originalität, Funktion und Design. Stiefel-Melkstuhl, 2014, von © Christophe Marchand.

Christophe Marchand wurde 1965 in Fribourg geboren, lebt und arbeitet aber heute in Zürich. Von 1987 bis 1991 absolvierte er eine Lehre als Möbelschreiner. Danach studierte er Industriedesign an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich und gründete später sein eigenes Unternehmen „Christophe Marchand Design“.

Seit 2019 ist Marchand Mitinhaber und in der Geschäftsführung von Wogg Furniture, einem Schweizer Möbelhersteller, für den er zuvor bereits verschiedene Designs entworfen hatte. Ausserdem gehört er dem Stiftungsrat von IKEA an. Daneben übt Marchand diverse Tätigkeiten als Lehrbeauftragter und Professor aus, z. B. an der EPFL Lausanne im Fachbereich Industriedesign. Auf Initiative der «École cantonale d’art de Lausanne» wurden vor zehn Jahren 45 originelle Melkstühle kreiert. Die Stiefelversion stammt von Christophe Marchand.

Früchteschale aus Kunstharz

Die Kunstharzschale des Designers © Gaetano Pesce.

Die Kunstharzschale TUTTI FRUTTI, die 1995 von Gaetano Pesce für Fish Design entworfen wurde, ist mit ihren Schichten aus farbigen Strängen, die ineinander gewickelt sind, ein wunderschönes Dekorationsstück, das als Obstschale, nicht aber für Flüssigkeiten verwendet werden kann. Jedes handgefertigte Stück wird individuell hergestellt und kann daher in Farbe und Farbton leicht von dem im mudac ausgestellten Original abweichen. Wie andere Objekte auch darf das Ausstellungsstück berührt werden.

Blick in die Ausstellung Objekte der Begierde: Surrealismus und Design 1924 – Today. © Vitra Design Museum.

Weitere Surrealismus-Ausstellungen

Aus Anlass des 100jährigen Jubiläums des Surrealismus wird Seniorweb auch über die beiden anderen Ausstellungen im MCBA und im Photo Elysée berichten. Die drei Museen haben sich 2024 für eine aussergewöhnliche, surrealistische Saison zusammengetan.

Titelbild: Eingangs-Wandbild im mudac: Nach dem berühmten Motiv des belgischen Malers René Magritte: der Melonen-Mann. Alle Fotos © PS

mudac: Objekte der Begierde: Surrealismus und Design

08.03.2024 – 04.08.2024

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mudac

 

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