StartseiteMagazinLebensartSumm-Erlebnis im eigenen Garten

Summ-Erlebnis im eigenen Garten

Wildbienen haben es schwer. Um so mehr können wir ihnen in unseren Gärten etwas Gutes tun und sie mit einem Bienenhotel anlocken und ihnen so ein Fortkommen ermöglichen.

Bekanntlich hat das gesamte Insektenvolk in der Schweiz seit den 70er Jahren um über 70 Prozent abgenommen. Von den gut 700 mitteleuropäischen Wildbienenarten ist fast die Hälfte auf der Liste der bedrohten Arten. Die Gründe für diese rapide Abnahme sind bekannt: intensive Landwirtschaft und fortschreitende Zersiedlung. Dabei spielen Insekten für den Erhalt unserer Biodiversität eine wichtige Rolle. Vorab Wildbienen sind äusserst effiziente Bestäuber und sorgen dafür, dass unzählige heimische Wildpflanzen bestäubt werden. Wildbienen stärken unser Ökosystem, denn wo es summt und brummt, ist die Natur im Gleichgewicht.

Wildbienen im Stadtgarten

In Europa weit verbreitet sind die sogenannten Mauerbienen. Davon gibt es über 50 Arten. Ihre Nester legen sie in vorhandene Hohlräume, in sandigen Böden, in selbst genagten Gängen in Totholz oder sogar in leeren Schneckenhäusern an. Im Gegensatz zu Honigbienen, die Staaten mit bis 40 000 Bienen bilden, leben die Mauerbienen solitär.

Wie kann ich als Stadtmensch mit Haus und Garten dazu beigetragen, Wildbienen zu fördern? Entscheidend ist, den Tieren die richtige Nahrung und geeignete Nistplätze zu bieten. Verfügt mein Garten über die richtigen Pflanzen, denn Wildbienen brauchen vor allem heimische Blühpflanzen mit ungefüllten Blüten, aus denen sie Pollen und Nektar sammeln können? Etliche Pflanzen in meinem Garten scheinen für Wildbienen geeignet zu sein, darunter verschiedene Sträucher. Auch verzichte ich seit langem konsequent auf chemische Pflanzenschutzmittel wie Insektizide und Herbizide, die Wildbienen schädigen können. Zudem beabsichtige ich, im Herbst eine kleine Blumenwiese anzulegen.

Ein Bienenhotel mit Bambusröhrchen

Als passende Nistmöglichkeit entscheide ich mich für ein im  Handel erhältliches Bienenhotel, montiere es fest unter Dach an der Hauswand auf der Südseite, denn Nisthilfen sollten sonnig, windgeschützt und trocken hängen. Die Nähe zum Blühangebot ist vorhanden. So hoffe ich, mit der richtigen Nisthilfe einen geeigneten Rückzugsort für Wildbienen geschaffen zu haben und künftig mit einem lebendigen, summenden Garten belohnt zu werden.

Mein Bienenhotel mit Doppeldach sieht hüsch aus und wird eifrig benutzt.

Etliche Ratgeber warnen davor, dass viele Modelle von sogenannten Bienenhotels aus dem Handel ungeeignet sind – sie sehen zwar hübsch aus, bieten den Tieren aber keine Nistmöglichkeiten oder können sogar schädlich sein. Damit eine Nesthilfe für Wildbienen wirklich sinnvoll ist, kommt es auf die richtige Bauweise, das passende Material und die Platzierung an.

Eine gute Nisthilfe besteht aus Hartholz, am besten aus Eiche, Buche oder Esche. In dieses Holz sollten saubere, glatte Bohrlöcher mit Durchmessern zwischen 2 und 9 Millimetern gebohrt werden, etwa 8 bis 10 Zentimeter tief. Wichtig ist, nicht ins Stirnholz, sondern quer zur Maserung zu bohren – sonst entstehen Risse, die die Brut gefährden können. Ebenso gut eignen sich markhaltige Pflanzenstängel wie Brombeere, Holunder oder Heckenrose, die in Bündeln angeboten werden können. Auch Bambusrohre sind geeignet, wenn die Schnittkanten geglättet und die Röhrchen hinten geschlossen sind.

Mein Bienenhotel mit Bambusröhrchen scheint die Kriterien zu erfüllen. Ich besorge mir eine Starterpopulation mit Mauerbienenkokons und befestige sie an meinem Bienenhotel. Schon nach wenigen Tagen schlüpfen die ersten Wildbienen aus und besiedeln meinen kleinen Stadtgarten.

Kurze Lebensdauer von Wildbienen

Die Lebensdauer einer erwachsenen Wildbiene beträgt oft nur vier bis sechs Wochen. In dieser Zeit sucht das Weibchen geeignete Nistplätze, sammelt Pollen und Nektar, legt mehrere Brutzellen an, versorgt jede mit einem Futtervorrat und legt dort jeweils ein Ei ab. Danach stirbt sie – ihre Lebensaufgabe ist erfüllt. Männchen leben meist noch kürzer: Sie schlüpfen oft früher im Jahr als die Weibchen, paaren sich, und sterben meist kurz darauf.

Wildbienen brauchen vor allem heimische Blühpflanzen.

Doch der eigentliche Lebenszyklus einer Wildbiene dauert viel länger – denn die meiste Zeit ihres Lebens verbringt sie als Ei, Larve oder Puppe im Nest. Je nach Art schlüpfen die Larven im späten Frühling oder Sommer, verpuppen sich im Nest und überwintern dort. Erst im nächsten Frühjahr oder Frühsommer schlüpfen die neuen erwachsenen Wildbienen – und der Kreislauf beginnt von vorn.

Manche Arten haben sogar mehrere Generationen pro Jahr, andere nur eine. Besonders frühe Arten wie die Mauerbiene sind schon im März aktiv, während andere erst im Hochsommer erscheinen. Ihre Lebensdauer bleibt aber meist ähnlich kurz – was zeigt, wie eng abgestimmt Wildbienen mit den Blühzeiten der vorhandenen Pflanzen sind.

Meine Nistplätze aus Bambus sind jetzt gut belegt und verschlossen. Nunmehr bin ich gespannt, wie viele Mauerbienen im nächsten Frühling schlüpfen werden und ich das spannende Leben dieser nützlichen Insekten ganz aus der Nähe beobachten kann. Übrigens, Wildbienen sind im Vergleich zu Wespen sehr sanftmütig. Sie greifen nicht an, wenn man sich ihnen nähert. Im Gegensatz zu den Honigbienen leben sie allein, haben kein Volk zu beschützen und müssen auch keinen Honig verteidigen.

Spenden

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, Sie zum Denken angeregt, gar herausgefordert hat, sind wir um Ihre Unterstützung sehr dankbar. Unsere Mitarbeiter:innen sind alle ehrenamtlich tätig.
Mit Ihrem Beitrag ermöglichen Sie uns, die Website laufend zu optimieren, Sie auf dem neusten Stand zu halten. Seniorweb dankt Ihnen herzlich.

IBAN CH15 0483 5099 1604 4100 0

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Newsletter & Mitgliedschaft

Lernen Sie uns über den kostenlosen Newsletter kennen und werden Sie Mitglied von Seniorweb.

Beliebte Artikel

Spiritual Care

Reise in die Steinzeit

In Apulien ankommen

Geschäft oder Moral?

Mitgliedschaften für Leser:innen

  • 20% Ermässigung auf Kurse im Lernzentrum und Online-Kurse
  • Reduzierter Preis beim Kauf einer Limmex Notfall-Uhr
  • Vorzugspreis für einen «Freedreams-Hotelgutschein»
  • Zugang zu Projekten über unsere Partner
  • Massgeschneiderte Partnerangebote
  • Buchung von Ferien im Baudenkmal, Rabatt von CHF 50 .-