Eine unkonventionelle Künstlerin und ihr faszinierendes Werk präsentiert das Berner Zentrum Paul Klee in der Ausstellung «Flick and Float». Rose Wylie geht ihren Weg bis heute unerschrocken und unbeirrbar.
Seit längerem widmet sich das Zentrum Paul Klee gemäss seinem Auftrag als Hüterin des Werks von Paul Klee auch neu zu entdeckenden Künstlerinnen und Künstlern des 20. und 21. Jahrhunderts. Zu ihnen gehört die Engländerin Rose Wylie (geb. 1934). Ihre grossformatigen Gemälde finden in der luftigen Ausstellungshalle von Renzo Piano den Raum, der sie angemessen zur Geltung bringt. Es ist ein Überblick über ihre Arbeiten seit 1989, insgesamt über fünfzig Gemälde und rund ein Dutzend Zeichnungen; acht neue Bilder schuf die Künstlerin speziell für diese Ausstellung.
Rose Wylie in ihrem Atelier, Juni 2023. Foto: Will Grundy © Rose Wylie, courtesy the artist and David Zwirner
Rose Wylie mag hierzulande noch nicht so bekannt sein wie im englischsprachigen Raum und anderswo. Aber auch dort wurde sie erst im Jahrzehnt vor der Jahrtausendwende entdeckt. Seitdem wurden ihre Werke in verschiedenen renommierten Museen gezeigt. In der Schweiz konnte man 2021 einige ihrer Werke im Museum Langmatt in Baden AG kennenlernen. – Nächstes Jahr werden ihre Gemälde in der Royal Academy in London zu sehen sein.
Kunst hat kein Alter
Fabienne Eggelhöfer, Chefkuratorin des Zentrums Paul Klee, war auf die ungewöhnliche Künstlerin aufmerksam geworden und besuchte sie in ihrem Haus und Atelier in der Nähe von London. «Rose Wylie strahlt eine extreme Frische und Jugendlichkeit aus», erzählt sie. «Mit ihren 91 Jahren ist sie voller Tatendrang und arbeitet lustvoll weiter. Sie erzählt gern von ihren Gemälden, was ihr den Anstoss gegeben hat und worauf sie bei der Arbeit achtet.»
Rose Wylie: Red Twink and Ivy, 2002. Öl auf Leinwand. 183 × 504 cm, drei Teile. Foto: Soon-Hak Kwon © Rose Wylie, courtesy the artist Photograph courtesy of Jari Lager
Ihr Atelier im oberen Stock ihres Landhauses ist zwei Meter hoch, deshalb können ihre Bilder nicht grösser sein, es sei denn, sie setze sie im Anschluss zusammen. Ein Eindruck, den Rose Wylie aus einem Film, einem Comic oder aus der Literatur aufgenommen hat, kann Anlass sein zu einem Werk, das von ihr persönlich geprägt ist. Nie geht es ihr um die Wiedergabe einer vorgegebenen «Realität», sondern um eine Reduktion aufs Wesentliche und eine Klärung – eine Sichtbarmachung ihres persönlichen Eindrucks. Humor hat da durchaus Platz – hintergründiger Humor! Mit ihren Werken will sie Anregungen schaffen, Aufmerksamkeit wecken. So wie sie sich selbst inspirieren lässt von einem flüchtigen Bild oder Text.
Rose Wylie: Singing Life Model, 2017, Öl auf Leinwand 169 × 182 cm. Karen and Mark Smith, courtesy of David Zwirner. Foto: Anna Arca © Rose Wylie, courtesy the artist and David Zwirner
Beachten Sie: Rose Wylie malte das erste und bisher einzige Aktmodell, das singt!
«Flick and Float», den Titel der Ausstellung hat Rose Wylie selbst vorgeschlagen: «Zeitungen und Informationsmaterial durchblättern» und dann «schweben lassen» oder «fliessen lassen», schauen, was daran besonders ist und was (im Malprozess) daraus entsteht.
Flick and Float
Dieses Motto charakterisiert ihre Bilder: In ihrer Grösse wirken sie luftig-leicht und ausdrucksstark. Wenn die Besucherin sie genau betrachtet und ein wenig davon weiss, wie die Künstlerin arbeitet, entdeckt sie, wie genau Rose Wylie vorgeht: Jedes Detail muss stimmen, nicht um seiner selbst willen, sondern damit die Komposition stimmt. – Darauf kommt es der Malerin an. Auch die Schrift – Begriffe, kurze Sätze – müssen stimmen, nicht nur inhaltlich, sondern in der Gestaltung des Ganzen. Eine senkrechte Figur braucht halt ein paar Worte, die waagerecht im Bild stehen.
Rose Wylie: RW Party Clothes (Rose Wylie), 2016, Öl auf Leinwand 183 × 167 cm, Private Collection. Foto: Soon-Hak Kwon © Rose Wylie, courtesy the artist Photograph courtesy of Jari Lager
Der Kuratorin erklärte sie in ihrem Atelier: «Ich scheibe oft phonetisch – ich male, wie die Dinge aussehen, und ich schreibe, wie die Dinge sich anhören.» (Rose Wylie im Interview mit Fabienne Eggelhöfer bei deren Besuch im Januar 2025)
Um die aufrechte Haltung im Selbstportrait zu betonen, nimmt Rose Wylie Schulterpolster (es kann auch Krepppapier sein), die vor ein paar Jahrzehnten grosse Mode waren, erzählt Fabienne Eggelhöfer von ihrem Besuch bei der Künstlerin. Es lohnt sich auch, die Beine der Personen anzuschauen. Rose Wylie malt diese genau so, wie sie in ihren Augen stimmen, die Beine der Fussballer etwa. Und das wippende Zöpfchen auf dem Kopf von Ronaldinho amüsiert sie. – Fussball interessiert sie als Motiv, ein Thema für ein breites Publikum.
Rose Wylie: Yellow Strip, 2006, Öl auf Leinwand 183 × 777 cm, fünf Teile. Foto: Jack Hems © Rose Wylie, courtesy the artist and David Zwirner
Das «Sehen» initiiert den künstlerischen Prozess. Der geht über das Aufnehmen eines Eindrucks weit hinaus. Auf dem Bild entsteht dann, was der Künstlerin wesentlich scheint. Sie erklärt zu ihrer Serie «Filmnotes», es seien Bilder, die am Anfang standen:
«Wenn ich ein Gemälde aus dieser Serie male, arbeite ich in der Regel aus der Erinnerung. Ich kehre nicht zum Film zurück. Es ist der ursprünglich visuelle Reiz, mit dem ich arbeiten möchte.» (s. Katalog zur Ausstellung)
Gehört ihre Malerei zu «Bad Painting» oder «Post Pop»? Darauf kommt es nicht an. Rose Wylie hat ihre Kunst lange im Stillen, in Gedanken entwickelt. 1934 in der Grafschaft Kent geboren, studierte sie seit 1952 Malerei an zwei Kunstschulen, lernte dort ihren Mann, den Künstler Roy Oxlade, kennen. Die beiden heirateten und in den folgenden Jahren sorgte Rose für ihre Familie mit drei Kindern. Daneben habe sie «unendlich viel» gelesen, sagt sie selbst, später auch Malerei unterrichtet.
Rose Wylie: Lilith and Gucci Boy, 2024, Öl auf Leinwand 207 × 306 cm, zwei Teile. Foto: Jack Hems © Rose Wylie, courtesy the artist and David Zwirner
Beginn ihrer Malarbeit: Sehen statt Lesen.
Ab 1979 studierte sie noch einmal am Royal College of Art in London und begann ihre eigentliche künstlerische Tätigkeit. Eine Mainstream-Künstlerin ist sie nicht geworden. Es kam ihr wohl nie in den Sinn, sich an Modisches anzupassen. Durch ihre intensive Beschäftigung während ihrer «Lesejahre» hat sie sich auch in der Kunstgeschichte eine profunde Bildung erworben. Ihre eigene Arbeit entsteht seit jeher aus dem Verständnis, das sie sich gebildet hat, aus ihren Erfahrungen und aus der Beobachtung der Gegenwart. Ihr geht es ums Malen. «Keine Richtung ist falsch», sagt sie.
“Rose Wylie. Flick and Float» ist im Zentrum Paul Klee in Bern bis 5. Oktober 2025 anzuschauen.
Das Ausstellungsteam hat einen Videofilm mit der Künstlerin gedreht, der im Zentrum Paul Klee gezeigt wird (auch auf YouTube).
Zahlreiche weitere Informationen und Hinweise auf Veranstaltungen finden Sie auf der Webseite.
Den Beitrag von Ruth Vuilleumier über die Ausstellung im Museum Langmatt Baden AG lesen Sie hier.
Titelbild: Ausstellungsansicht (Foto mp)

8712 Stäfa, den 16.August 2025
Sehr geehrte Redaktion,
Ich bin immer wieder „beruhigt“ als 77-jähriger mit diversen Lebenseinschränkungen
hier in der Schweiz meinen Lebensabend verbringen zu dürfen.
Im besonderen der Artikel über die Tatsachen der legalen Ausgrenzungsmentalität
von gewissen Lebenswandelformen bis hin zur sozialen Isolation derselben Spezies
in einem Land mit finanziellen Ueberschüssen und gleichzeitigen beinahe totalitären
Sparmassnahmen auf der „andern Seite“ Kunstvergleich der Art brut und Outsider-Kunst
in der ebenfalls unter finanziellem Druck stehenden Presse visuell nachzuvollziehen-
Die akustischen und visuellen Tätigkeiten sind zum Glück in meiner „Privatsammlung“
immer noch zu meiner Beruhigung aufbewahrt.
UNIT RECORDS UTR-4031-CD Jürg Hager „Clarinet Calligraphy“
Music for Soprano solo Jürg Hager Solos 2 The Opus Project UNIT Records 4081 CD
Swiss Distrubution by RecRec Genossenschaft P.O. 8040 Zürich
Mit freundlichen Grüssen auch an SRG etc. etc. etc.
von Jürg Hager Ebnetstr.23 8712 Stäfa Tel.077 400 24 78