Das Reisen per Velo oder E-Bike ist immer populärer geworden. Zu Recht, denn Sie tun sich und der Umwelt mit dieser Reiseart einen grossen Gefallen. Mittlerweile gibt es ein grosses Angebot an Radreisen, gerade auch in den deutschsprachigen Ländern.
2019 war es, als ich zum ersten Mal auf einer organisierten Radreise unterwegs war. Damals hatte ich bei einem Ausschreiben von Deutschland Tourismus für einmal Glück. Und ich durfte zusammen mit einem von mir gewählten «Rad-Buddy» nach Berlin reisen und von dort eine Woche durch Brandenburg fahren – alles gesponsert. «Abenteuer Fahrtwind» hiess diese Tour und wir durften ab 29. September 2019 auf den Spuren von Fontane dieses für uns unbekannte Gebiet entdecken: «Herr Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, ein Birnbaum in seinem Garten stand…».
Versuchskaninchen auf zwei Rädern
Wir waren damals so etwas wie Versuchskaninchen, um die neu konzipierte Tour gleichzeitig zu testen und zu promoten, denn wir wurden die ganze Woche streckenweise von einem Filmteam begleitet. Heute wird der «Havel-Radweg» so beworben: «Freuen Sie sich auf eine abwechslungsreiche Radtour entlang eines ungewöhnlichen Flusses. […]Folgen Sie einem gut beschilderten Radweg zu zahlreichen malerischen Seen und sehenswerten Orten wie Neustrelitz, Spandau und Potsdam. Entdecken Sie unterwegs das Slawendorf am Zierker See und besuchen Sie das Industriemuseum «Ziegeleipark Mildenberg». […] Preussische Könige haben hier einst ihre Schlösser, Gärten und Parkanlagen direkt an den Ufern errichtet. Ob Heilandskirche Sacrow, Marmorpalais oder Schloss Babelsberg – das UNESCO-Welterbe wartet mit herausragenden Sehenswürdigkeiten auf Sie.»
Obwohl es damals meist geregnet hat, wir uns mangels Wegbeschilderung regelmässig verirrt haben und immer wieder Plattfüsse haben reparieren müssen, hat uns das Abenteuer in der ehemaligen DDR sehr gefallen. Und für mich persönlich stand fest: Ab sofort möchte ich jedes Jahr auf eine mehrtägige Velotour gehen – solange es Gesundheit und Finanzen erlauben.
Touren in Deutschland und Österreich
Gesagt, getan: 2020 fuhren wir – ein Freund aus frühen Studienzeiten – bei bestem Wetter von Trier nach Koblenz der Mosel entlang (im Handgepäck immer eine Corona-bedingte Nasen-Mund-Maske), im Jahr darauf war das österreichische Salzkammergut mit Wolfgangsee, Traunsee, Attersee, Mondsee an der Reihe. 2022 ging es vom sehenswerten Mittelalter-Städtchen Rothenburg ob der Tauber der Altmühl entlang nach Regensburg, und 2023 erkundeten wir den «Drau-Radweg» vom Südtirol aus durch Kärnten.
Vielleicht etwas übermütig geworden, haben wir uns im vergangenen Jahr an den «Alpe-Adria-Radweg» von Salzburg nach Grado an der Adria gewagt – Alpenüberquerung inklusive (den entsprechenden Reisebericht finden Sie hier: https://seniorweb.ch/2024/10/01/wenn-der-sueden-und-das-meer-locken/.
Weil es eine wahrhaft grossartige Tour wurde, wollen wir heuer die etwas mehr als 500 Kilometer von Wien nach Triest unter die Räder nehmen. So wird für diese Tour «Von der Kaiserstadt an die Adria» geworben: «Die Reise führt durch Städte wie Bruck an der Mur, Graz, Maribor, Ljubljana und Postojna nach Triest. Alle diese Städte in Österreich, Slovenien und Italien verbindet eine gemeinsame Geschichte.» Wir sind gespannt.
Sie sind nicht allein
Gespannt sind wir auch, wen wir unterwegs antreffen werden. Denn: Dank vielfältigem Angebot und ja, auch begünstigt durch Corona, hat das Reisen per Velo und E-Bike in den letzten Jahren einen schier unglaublichen Aufschwung erlebt. Wir werden also kaum je allein unterwegs sein, womöglich Radlerinnen und Radler früherer Jahre wieder antreffen.
Auffallend ist auch: Das Radfahren ist durchwegs facettenreicher geworden. Von Genussradeln über Mountainbiken, Rennradfahren bis Gravelbiken. Das Reisen auf zwei Rädern bietet die Möglichkeit, Regionen aktiv und umweltfreundlich zu entdecken.
Gleichzeitig haben sich auch die Möglichkeiten und die Infrastrukturen in den letzten Jahren stark verbessert: Gut ausgebaute Radwege, insbesondere entlang der Flüsse in Deutschland, Österreich und der Schweiz, laden zu Mehrtagestouren ein.
Breites Angebot, viele Fragen
Unsere Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen folgendes: Das Angebot an Radreisen im Internet ist mittlerweile buchstäblich grenzenlos und vielfältig. Unser Rat: Bevor Sie eine organisierte Tour buchen, machen Sie sich klar, was Sie möchten und wofür Sie stehen: Bin ich der sportliche Typ oder steht für mich das Genussradeln im Vordergrund?
Zudem müssen weitere Fragen geklärt werden: Wie viele Kilometer sollen es denn durchschnittlich pro Tag sein? Bevorzugen Sie flaches Gelände oder dürfen auch Hügel und Berge dabei sein? Selbstverständlich stellt sich auch die Frage nach dem Velotyp – mit oder ohne elektrische Unterstützung? Und: Reisen Sie allein, in Begleitung oder etwa im Rahmen einer bunt zusammengewürfelten Gruppe?
Erst wenn diese grundlegenden Fragen geklärt sind und Sie sich klar sind, in welcher Gegend und welchem Zeitraum Sie unterwegs sein möchten, können Sie sich auf die Suche nach entsprechenden Angeboten machen. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Anbietern (von lokalen Tourismusbüros bis hin zu weltweit agierenden Agenturen), die nur auf Sie warten, Ihnen ein auf Sie zugeschnittenes Angebot zu machen.
Persönliche Tipps
Mein Velo-Freund und ich – beide Ü65 – befolgen bei der Suche nach spannenden Radtouren folgende Prämissen:
- Nach unseren Erfahrungen ist die beste und wettersicherste Reisezeit der September – zumindest in unseren Breitengraden. Und regnet es dann ausnahmsweise mal, nehmen wir es gelassen.
- Startort der Tour sollte entweder mit dem Auto (bis maximal 500 Kilometer) oder mit dem öffentlichen Verkehrsmittel erreichbar sein. Heuer werden wir mit dem Zug nach Wien reisen.
- Wir sind Genussradler, sind auf (gemieteten) E-Bikes unterwegs und wollen auf unseren Etappen auch mal absteigen, um schöne Ortschaften und Sehenswürdigkeiten zu geniessen. Deshalb sollen die Etappen im Schnitt nicht länger als 80 Kilometer sein.
- Abends sind wir froh um ein angenehmes Hotelzimmer, eine Dusche und ein feines Nachtessen.
- Wir haben zwar unsere Koffer dabei. Aber diese sollen jeweils von einem örtlichen Anbieter zur nächsten Unterkunft gebracht werden. So können wir unbeschwert auf zwei Rädern unterwegs sein – mit dabei nur Regenzeug, Ladegerät für den Akku und die wichtigsten persönlichen Utensilien.
- Wir lassen uns «unsere» Radtour jeweils von spezialisierten Agenturen basierend auf unseren Wünschen zusammenstellen. Grundsätzlich wollen wir weder uns, noch den Akku überfordern.
Gesund für Sie und die Umwelt
Mittlerweile sind Radreisen übrigens zu einem nicht zu unterschätzenden Wirtschaftsfaktor geworden. Radtouristen generieren Umsätze durch Ausgaben wie Übernachtung, Verpflegung, Transport und Fahrradzubehör. Zudem trägt der Radtourismus zur Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen bei.
Radreisen haben zwei weitere grosse Vorteile: Sie sind im Wesentlichen umweltfreundlich und verursachen massiv weniger CO2-Emissionen als andere Reiseformen. Erstens. Und zweitens tun Sie sich und Ihrer Gesundheit etwas Gutes – immer vorausgesetzt, Sie bleiben vor einem Sturz oder einem Unfall verschont.
Gute Fahrt und viel Vergnügen!
Die wichtigsten Anbieter

Hallo
Mit Interesse habe ich den Bericht gelesen, da auch ich fast jedes Jahr eine mehrtägige Radtour mit dem EBike mache. Anmerken möchte ich noch, dass man für 8 Tage das Gepäck locker in 2 Radtaschen z. B. von Ortlieb mitnehmen kann, inkl. Ladegerät für den Akku und Regenkleider. Das ist dann echt umweltfreundlich und man vermeidet dadurch hunderte von Kilometer, die für den Gepäcktransport mit dem Auto von Hotel zu Hotel anfallen!
Wenn man die richtigen „Klamotten“dabei hat, kann man diese im Hotel auch mal auswaschen. Waschblätter zum Waschen sind dafür ideal oder ganz einfach das Duschmittel.
Guten Abend, vielen dank für den Bericht. Da auch ich eine begeisterte Velotourenfahrerin bin, habe ich den Bericht sofort gelesen und kann vielem zustimmen. Ebenso schliesse ich mich aber dem Kommentar von Kurt an. Umweltfreundlich und im ursprünglichen Sinn sind Velotouren dann, wenn mit dem Zug gereist wird und alles Gepäck selbst transportiert wird. Ob für eine, zwei oder drei Wochen macht keinen grossen Unterschied. Auch weiss man dann nicht alles genau zum Voraus, wie z.B. welches Hotel an welchem Ort.
Mein Ehepartner und ich haben seit 2002 jedes Jahr eine mehrwöchige Velotour unternommen. Dies hat unsere Beziehung sehr bereichert. Leider ist er nun an den Folgen eines Velounfalles verstorben.
Hier noch ein Empfehlung für eine spezielle Tour in Deutschland: Das grüne Band. Frühere Bezeichnung: entlang der innerdeutschen Grenze des ehemaligen Eisernen Vorhanges (von Lübeck bis zum Dreiländereck).
Ein Hype und erfolgreiches Marketingpferd, auf das viele gesetzt haben. Demgegenüber sehe ich die zunehmende Präsenz der Biker:innen aus der Perspektive der zu Fuss Geherin und die fällt nicht so euphorisch aus: Biker:innen auf Waldwegen, in den Bergen, auf Wanderwegen usw., meine Erfahrungen sind nicht so erfreulich. Denn diese Masse an Zweirädern schränkt zunehmend die Freiheit der Wanderer und Spaziergänger ein. Biker werden immer frecher und anmassender; sie glauben, dass sie überall Vorfahrt haben und keine Rücksicht auf andere nehmen müssen.
Der Tourismus ist natürlich auf diesen Hype aufgesprungen. Bei einer Wandertour und bei Hotelbuchungen muss man heute genau hinschauen, sonst hat man diese bestausgerüsteten Velofahrer:innen dauernd vor der Nase.
Liebe Margaretha, lieber Kuert
Selbstverständlich haben Sie Recht damit und es ist lobenswert, wenn Sie ausschliesslich mit dem ÖV unterwegs sind und Ihr Gepäck selber transportiert. Ich bitte jedoch zu bedenken: Auch mit dem Gepäcktransport sind Arbeitsplätze und Existenzen verknüpft. Diese Leute fahren die Strecke ab und machen an allen Hotels und Pensionen Halt, um Gepäck zu holen und zu bringen.
Und ja, liebe Frau Mosimann: es kann nerven, wenn einem beim Wandern ständig Biker in die Quere kommen. Aber werfen Sie bitte nicht alle in den gleichen Topf. Danke