Nur die Demokratie hat ihren Bürgern Frieden, Freiheit und Wohlstand gebracht. Autokratien und Diktaturen hingegen bringen Armut, Elend, Unterdrückung und sehr oft Krieg. Aber trotz der offensichtlichen Überlegenheit der Demokratie ist ihre Ausbreitung stark rückläufig. Warum nur? Andreas Zivy, Leiter der Demokratie Stiftung Basel, will mit seinem Buch «Die dekonstruierte Gesellschaft» auf diesem Zustand aufmerksam machen. Eine zeitkritische Betrachtung,
Auf knappen 140 Seiten beschreibt Andreas Zivy spannend und anschaulich, warum unsere demokratische Gesellschaft so gefährdet wie seit 100 Jahren nicht mehr ist. Es gebe ausgezeichnete Fachliteratur zu diesem grossen Thema unserer Zeit. Leider würden Soziologen, Politologen, Psychologen und Ökonomen oft sehr kompliziert schreiben, und oft seien ihre Studien zu spezialisiert, um eine ganzheitliche Betrachtung zu erlauben.
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Andreas Zivy*
Ausgangspunkt des Buches ist seine Beobachtung, dass unsere Zeit davon geprägt ist, dass vieles, was früher ein Ganzes war, in seine Einzelteile zerlegt und separat bewirtschaftet wird. Das fängt gar mit dem Kinderkriegen an, dass dank Invitrofertilisation und der Forschung zu Invitrogametogenesis ohne Sexualität auskommt. Es geht weiter mit der künstlichen Intelligenz, die bald das menschliche Gehirn entschlüsseln und vielleicht teilweise oder ganz ersetzen wird. Auch in der Wirtschaft wird bisher Zusammengehörendes zerlegt: Hotelkonzerne ohne Hotels, Taxiunternehmen ohne Taxis, Finanzgesellschaften als Eigentümer immer weiterer Teile der Wirtschaft. Die Gesellschaft selbst hat, aus verschiedenen Gründen, deutlich an Homogenität und Gemeinsinn verloren. Wirtschaft, Kultur und Politik haben ein Anspruchsdenken gezüchtet, das nicht mehr zu befriedigen ist.
Siegeszug der Populisten
Und die grösste ‘Dekonstruktion’ ist wohl die der Sozialmedia, der ersten Medien, die nicht mehr für ihren Inhalt verantwortlich sind. Sie verdienen Geld als Medien; sie verkaufen Werbung wie andere Medien; sie liefern Inhalte wie andere Medien und sind inzwischen die grösste Informationsquelle für die Bevölkerung; aber sie sind nicht verantwortlich für Mis- und Desinformation, für Hass und Hetze. Und obwohl sie nachweislich schädlich für die Psyche unserer Kinder und für unsere Gesellschaft sind, obwohl sie von Extremisten und feindlichen Regimen unterwandert sind, werden sie anders als alle anderen Medien, anders auch als Baustoffe, Kinderspielzeuge, Pharmazeutika oder Lebensmittel nicht reguliert.
Statt Fakten, einer gemeinsamen Wirklichkeit, Vernunft und Vertrauen machen sich zunehmend Lügen, Teilwelten, Emotionen und Misstrauen Platz. Wir sind von unseren Politikern enttäuscht und wollen etwas anderes, obwohl es uns besser denn je geht.
Deshalb, so die These des Autors, feiert der Populismus weltweit einen Siegeszug. Der Autor beschreibt diesen Siegeszug und zeigt, wie verheerend die Resultate populistischer Politik überall auf der Welt sind, aber auch, wie wenig populistische Politiker die Demokratie respektieren und wie sehr sie sich in die Nähe des Faschismus begeben.
Dieser kurze, spannende Überblick und Weckruf «Die dekonstruierte Gesellschaft“ ist beim Schwabe-Verlag erschienen: »Die dekonstruierte Gesellschaft oder das Ende der Aufklärung. Schwabe, Basel 2025. ISBN 978-3-7965-5427-8
*Andreas Zivy (70) steht der Ameropa Holding AG, einem weltweit tätigen Unternehmen als VR-Präsident vor. Ist Leiter der «Demokratie Stiftung Basel». Fördert seit Jahren Entwicklungsprojekte im Bereich der Bildung vor allem in Brasilien und auch in Uganda. Führt auch die Aktion «Erfolgreiche Schweiz» an.
