StartseiteMagazinKulturMilou Steiner, der Superfotograf

Milou Steiner, der Superfotograf

Er war ein Fotograf der alten Schule. Milou Steiner (1915-1994), der in Zürich wohnhaft gewesene Pressefotograf, dessen Werke im Stadtmuseum in Aarau mit dem Titel «Milou Steiner – wo das Leben spielt.» bis am 27. September 2026 ausgestellt werden.

Milou Steiner war stets unterwegs – die Reportage-Fotografie bot ihm genau das, was er mochte: die Bewegung, das Beobachten, das Erkunden. Er nahm an Exkursionen und mehrtägigen Touren teil, reiste ins Ausland und wusste die Arbeit mit dem Angenehmen zu verbinden.


Kinder schichten Backsteine in den Kriegstrümmern auf

In der Analogfotografie war jede Aufnahme eine bewusste Entscheidung. Die von Milou Steiner bevorzugten Mittelformatkameras mit 120er-Rollfilm erlaubten nur 12 bis 16 Bilder pro Film. Jeder Film musste im Voraus eingeplant, jede Aufnahme wohl-bedacht sein.


Skifahrerin ruht sich auf dem Titlis aus 1945

Man überlegte sich zweimal, ob sich ein Bild lohnte — und kontrollierte sorgfältig Ausschnitt, Blende und Schärfe. Ob ein Bild tatsächlich gelungen war, zeigte sich erst nach dem Entwickeln der Filme in der Dunkelkammer. Unscharfe oder unbrauchbare Aufnahmen konnte man sich schlichtweg nicht leisten.


Entfernen der Felle vor der Abfahrt, auf dem Gipfel vom Titlis, 1945

In den frühen Jahren seiner Tätigkeit nannte sich Steiner explizit «Photoreporter» oder gar «Auslands-reporter» und nutzte teilweise noch seinen Geburtsnamen Emil Steiner. Später lautete sein Stempel «Foto Steiner» oder nur «Milou Steiner».


Händler von Angelhaken, Istanbul 1976

Er arbeitete damals auch für den BLICK und das Schweizer Fernsehen. Ich war viel mit ihm unterwegs und fand ihn immer als gutgelaunter Kollege. Da alle Fotos und Filme – das gesamte Ringier-Archiv – vor einigen Jahren vom Stadtarchiv Aarau  übernommen wurde, wurden dort Steiners Bilder entdeckt und jetzt ausgestellt.

VW ist stecken geblieben. Steiner organisierte eine Kuh und seine Tochter Marianne half das Auto aus dem Schnee zu ziehen

Für eine seiner späteren Reportagen reiste Milou Steiner 1976 in die Türkei – mit unverminderter Neugier und dem geschulten Blick des erfahrenen Fotografen. Seine Aufnahmen zeigen den Alltag auf den Strassen: das geschäftige Leben im Quartier, den Verkehr, das Treiben der Händler. Zugleich machen sie gesellschaftliche Strukturen sichtbar – auffällig ist die Dominanz der Männer im öffentlichen Raum.


Tochter Marianne Bresch traf an der Vernissage ihren an der Wand hängenden Vater Milou

Im Frühjahr 1945 begleitete Milou Steiner eine Gruppe Skifahrer auf eine hochalpine Tour am Titlis. Sie starteten in Engelberg mit der Standseilbahn nach Gerschnialp, wo sie auf eine der ältesten Luftseilbahnen der Schweiz umstiegen.


Eine Kuh wird auf dem Schiff verladen

Von der Bergstation Trübsee auf 1800m begann der vierstündige Aufstieg auf den Gipfel. Nach einer wohlverdienten Pause in der Sonne bot sich den Skifahrer:innen eine beeindruckende Abfahrt. Vom Trübsee zum Jochpass konnten auch Nicht-Skifahrer:innen bequem mit dem Ende 1943 eröffneten Einer-Sessellift durch die noch winterliche Landschaft reisen.


Traversierung des Jungfraufirns, mit Sicht links auf das Fiescherhorn Richtung Concordiahütte.

Dies war wohl eine seiner letzten  Reisen. Obwohl er viel unterwegs war, legte Milou nach der Familiengründung an Gewicht zu. Er trank fast keinen Alkohol, doch er mochte Süsses und dies rächte sich im Alter. Milou Steiner erkrankte an Diabetes Typ 2. Er bekam Probleme mit den Augen und verlor ein Bein und damit seine Mobilität sowie einen Teil seiner Lebensfreude.


Elizabeth Taylor mit ihren Kindern in Gstaad 1962

Für die Vernissage  am 4. Dezember  suchten die Verantwortlichen Nachkommen von Milou und fanden die Tochter Marianne Bresch. Sie erzählte von ihrem Vater, wie sie ihn verehrt und geliebt habe. «Er war ein begnadeter Fotograf und ein  lieber Mensch.»

Titelbild: Tour de France, 1949

Vernissage-Fotos: Josef Ritler

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