Felsbilder sind die älteste künstlerische Ausdrucksform der Menschheit. Dr. Christoph Baumer und Therese Weber haben die Welt bereist und ein Buch herausgegeben. «Rock Art».
Die Felsritzungen und Felsmalereien stellten vor zehntausenden Jahren einen waren Quantensprung in der geistigen Leistungsfähigkeit dar. Im Hans-Erni-Museum in Luzern stellten die beiden ihre Arbeit vor. Im illustrierten Vortrag schilderten sie die Geschichte dieser spektakulären Darstellungen der früheren menschlichen Vorstellungskraft anhand von Beispielen aus Zentralasien und Nordeuropa bis hin zu Arabien und der Sahara.

Joane Cardinal-Schubert, Letters to Emily: Borrowed Power 91.4 x 243.8 cm, 1992
Die Felsbilder informieren nicht nur über die damaligen Weltanschauungen und Mythen, sondern auch über die jeweiligen ökonomischen und klimatischen Bedingungen. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts finden solche Bildgestaltungen Eingang in die zeitgenössische Kunst. Die Einbeziehung von Felsbildern in der Moderne bestätigt die Relevanz dieses wertvollen Kulturerbes.

Fossum, Schweden, 1100 v.u.Z
Nachdem die Felskunst in den 1920er und 1930er Jahren das Interesse der Öffentlichkeit und einiger berühmter Künstler in Europa und den USA geweckt hatte, geriet sie in der Folge etwas in Vergessenheit, sowohl in der Wissenschaft als auch in der Kunst. Seit der Jahrtausendwende erfährt sie jedoch wieder vermehrte Aufmerksamkeit.

Hjemmeluft 9, Alta, Norwegen, 4200-3000 v.u.Z.
Felskunst wird definiert als von Menschen angebrachte Markierungen auf natürlichen, nicht transportablen Gesteinsoberflächen. In manchen Fällen wurden diese Markierungen auf weicheren Untergründen wie Lehm angebracht, der später trocknete und aushärtete. Im Gegensatz zu transportabler Kunst wie Körperschmuck, Amuletten und Figuren ist Felskunst fest mit der Landschaft verbunden.

Rekonstruktion eines geopferten Pferdes bei den Skythengräbern von Pazyryk, ca. 300 v.u.z.
Für Gelb und Rot wurde Manganoxid verwendet, für Schwarz Kaolin oder Kreide für Weiß. Als Bindemittel diente Wasser, mitunter auch Blut, tierische oder pflanzliche Öle und Eiweiß. Manganoxid wurde oft durch Holzkohle ersetzt, die aus heutiger Sicht den Vorteil hat, dass sie – wie die organischen Bindemittel – radiokohlenstoffdatiert werden kann.

Löväsen, Schweden, 1100 v.u.Z.
Piktogramme entstehen durch Malen, Zeichnen, Drucken oder Schablonieren. Außer in extrem trockenen Klimazonen sind Felsmalereien nur an vor Niederschlag geschützten Orten wie Höhlen oder Felsüberhängen (Felswände unter einem Felsvorsprung) erhalten geblieben. Der Begriff Höhlenkunst umfasst Piktogramme und Petroglyphen in Höhlen und Felsüberhängen aus dem Jungpaläolithikum (ca. 50.000–12.000 v. Chr.).
Abdulmagid Abdulrahman, Masked People 310 x 600 cm, 2007
Die Blütezeit der westeuropäischen und uralischen Felskunst fällt in die letzte Eiszeit, die in diesen Regionen vor etwa 10.000 Jahren endete. Die meisten Petroglyphen entstanden vor 11,7 Jh. v. Chr. in der Nacheiszeit, also im darauffolgenden Holozän. Berühmte Beispiele sind die Tausenden von persönlichen Epigrammen, Grüßen, Bekanntmachungen und obszönen Texten, die in öffentliche und private Denkmäler der römischen Antike eingraviert wurden. Weit verbreitet sind auch die Namen und Epigramme, die von frühen Christen in Katakomben, von mittelalterlichen Gefangenen an die Wände ihrer Gefängnisse und die im Mittelalter auf öffentliche Denkmäler gemalten oder eingravierten politisch-satirischen Erklärungen angebracht wurden.
Buch- ISBN 978-0-7556-5044-6
