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Alterswohnungen sind für viele zu teuer

Schöne Wohnungen, schön ausgestattet, an schöner Lage. Doch für den Mittelstand sind viele Alterswohnungen zu teuer. Weil die Bevölkerung immer älter wird, versprechen diese Immobilien trotzdem überdurchschnittliche Renditen.

In den Prospekten sehen wir geschmackvoll eingerichtete Räume. Glückliche Seniorenpaare schauen vom Balkon aus in die unberührte Natur. Doch Papier und Bildschirme sind geduldig. Es ist nicht alles Sonnenschein. Wir stellen hier die Vor- und Nachteile von Alterswohnungen zusammen. Und stützen uns dabei auch auf Aussagen von Pro Senectute

Wie hoch sind die Mieten?
Eine 1-Zimmer-Wohnung kostet einschliesslich Nebenkosten rund 1000 Franken. Für ein 2 Zimmer-Appartement sind 1200 Franken, für 2,5 Zimmer sind 2200 Franken üblich. 3,5 Zimmer kommen auf 2900 Franken. Nach oben haben die Zahlen keinen Deckel, nach unten hingegen gibts wenig Spielraum. Viele Institutionen hüten diese Zahlen wie Geheimnisse. Sie wollen diese erst bei „Beratungen“ preisgeben. Peter Burri-Foliath von Pro Senectute Schweiz: „Im Vergleich mit dem freien Wohnungsmarkt liegen Alterswohnungen oft im oberen Preissegment.“

Links: Bewohnende bringen die Einrichtungen mit. Mitte: Vor allem kleinere Einheiten sind verfügbar. Rechts: Die Verantwortlichen des Umbaus, alles Männer, warten auf Zuziehende.

Welche Leistungen sind inbegriffen?
Bei diesen Zahlen sind die Nebenkosten (Heizung, Wasser, Strom) inbegriffen und gehören die Entsorgung sowie ein 24-Stunden-Notruf dazu. Manchmal sind periodische Reinigungen eingeschlossen. Weitergehende Leistungen wie Betreuung oder Pflege werden zusätzlich verrechnet. Dies bewirkt, dass die effektiven Gesamtkosten deutlich steigen können.

Was gilt für die Ergänzungsleistungen (EL)?
Die EL kennt keine erhöhten Tarife für Alterswohnungen. Die geltenden Ansätze: Je nach Kanton und Region berücksichtigt die EL für Alleinstehende rund 1500 Franken Mietkosten, für ein Paar sind es etwa 1800 Franken. Gemass Peter Burri-Foliath liegen die durch das El-System anrechenbaren Mietzinsmaximas unter den tatsächlichen Kosten von Alterswohnungrn. „Altersgerechtes, selbstständiges Wohnen wird dadurch finanziell benachteiligt, obwohl es aus sozialpolitischer Sicht erwünscht wäre“, kritisert der Pro-Sesctute-Kadermann. Immerhin liegen in den Schubladen der Bundesparlamente zurzeit Vorstösse, die dies ändern wollen.

Links: Bürgerlich-konventionelles Mobiliar. Mitte: Alterswohnungen bieten Schutz und Betreuung. Rechts: Vielfältige Architektur, von eingeschossigen Häusern bis zu Wohnblöcken.

Kann sich der Mittelstand das leisten?
Wir überschlagen die Situation für Herrn und Frau Normalschweizer. Das Seniorenpaar hat eine AHV-Vollrente von 3800 Franken. Dazu kommt eine Rente der Pensionskasse zum Beispiel von 2400 Franken. Zusammen hat dieses mittelständische Paar ein Einkommen von 6200 Franken. Wenn die beiden in eine vernünftige 2,5-Zimmer- Wohnung ziehen haben sie Mietkosten von 2200 Franken,. Mit 1100 Franken Krankenkasse und 900 Franken Steuern bleiben noch 2000 Franken. Wahrlich kein Luxus, vor allem weil noch verschiedenes dazukommt, unter anderem Versicherungen und Unvorgesehenes. Peter Burri-Foliath sieht eine Finanzierungslücke zwischen subentioniertem Wohnen und frei finanzierten Alterswohnungen.

Sind Mittagessen vorgeschrieben?
In einigen Institutionen sind die Mittagessen im eigenen Restaurant Pflicht. Dies verteuert die Kosten. Neben der Miete ist bei sieben Essen pro Woche mit 500 bis 600 Franken pro Person und Monat zu rechnen. Wer an der Mittagsverpflegung nicht teilnimmt bekommt oft bloss fünf Franken pro Person und Essen gutgeschrieben. Die Institutionen werben gerne mit ihrer Viergänger-Gastronomie. Manche Bewohnende würden gerne auf diesen Luxus verzichten. Für Peter Burri-Foliath schränkt diese Praxis die Wahlfreiheit ein und viele Bewohnende hätten andere Bedürfnisse.

Links: Futuristisches Ambiente. Mitte: Prospektbild. Wohnungen garantieren noch kein Beziehungsglück. Rechts: Visualisierung von Wohnblöcken für Senioren in Hamburg.

Sind Alterswohnungen begehrt?
Seniorenpaare leben nicht gerne in 1- oder 1,5-Zimmerwohnungen. Weitaus begehrter sind 2- bis 3,5-Zimmerappartments. Diese Grösse ist jedoch beunruhigend knapp. Die Zahl der Inserate für solche Wohneinheiten ist in den letzten vier Jahren um rund 40 Prozent geschrumpft. Besonders krass ist der Mangel in der Westschweiz.

Wie sieht die Zukunft aus?
Der Anteil der Seniorinnen und Senioren an der Bevölkerung der Schweiz wird immer grösser. Die Immobilienberatung Wüest & Partner schätzt, dass bis 2040 zuätzlich 393 000 Alterwohnungen nötig sind. Davon entfallen rund 20 000 auf den Kanton Genf und etwa 11 000 auf die Stadt Zürich.

Lohnen sich Alterswohnungen für Kapitalgeber?
Alterswohnungen sind besser ausgestattet als normale Einheiten. Sie müssen barrierenfrei sein und erhöhten Sicherheitsanforderungen entsprechen. Ausserdem liegen sie häufig an teuren zentralen Lagen. Die Bau- und Landkosten sind deshalb höher – die Mieten aber auch. Analystinnen und Analysten empfehlen Alterswohnungen wegen der überdurchschnittlich hohen Renditen. Sie rechnen überdies vor, dass die alternde Bevölkerung einen stets wachsenden Markt garantiert.



Genug Platz vor der Lifttüre, Beschriftungen mindestens 5 mm gross, gut sichtbare Schalter, keine Schmutzfänger aus Kokos, keine Schwellen und Stufen.

Die Fachstelle für hindernisfreie Architektur hat Richtlinienn für altersgerechtes Bauen und Umbauen zusammengestellt. Wir haben hier einige Beispiele zusammengefasst und illustriert.
hindernisfreie-architektur.ch

Bilder: Freepik, zvg.
KI: Kolorierung der Bilder, Teile der Recherche

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