Die Aargauer Rockband «Methusalem» macht ihrem Namen alle Ehre. Mit Unterbrüchen besteht sie seit 54 Jahren und begeistert das Publikum auch heute. Drei Musiker aus den Anfängen sind noch dabei, zwei Jüngere und zwei Sängerinnen sind letztes Jahr hinzugekommen.
Letzten Sommer besuchte ich in Lenzburg das Openair-Festival Metschgplatsch auf dem Metzgplatz mitten in der Altstadt und hörte erstmals Methusalem. Die Rockband gehört zu den Pionieren der Aargauer Rock-Szene. Gegründet wurde sie 1972 von vier Lehrlingen in Menziken. Damals begeisterte die Beat- und Rockmusik aus Grossbritannien und den USA die jungen Musiker und sie eiferten ihren Idolen nach, sangen englisch und liessen die «elektrischen Gitarren zu donnernden Rock- und Blues-Rhythmen aufheulen», ist in ihrer Band-Biografie zu lesen.
Andy Sager (70), Roby Würgler (67) und Rick Hochuli (70) (v.l.n.r.), Lenzburg 2025. Foto: rv
Es ist bemerkenswert, wie eine Band auch nach längeren Unterbrüchen immer wieder zusammenfindet und heute im Seniorenalter gemeinsam mit Jüngeren weiterspielt. Ein Grund, mehr über ihre wechselvolle Geschichte zu erfahren. Seniorweb traf den Bassisten Rick Hochuli. Er kam 1974 zusammen mit dem Gitarristen Andy Sager zu Methusalem. 1976 nahm die Band erstmals am Jazz und Rock Festival im römischen Theater von Augusta Raurica in Augst teil. Mit ihren Eigenkompositionen und zweistimmigen Gitarrensoli gewannen sie mehrmals Musikwettbewerbe.
«Methusalem», 1976: Rick Hochuli, Fernando Palencias, Roby Würgler, Andy Sager, (v.l.n.r. hinten), Bubu Hilfiker, Chrigu Mauch (v.l.n.r. vorn)
Das Festival in Augst weckte den Ehrgeiz der Band. Neue Leute, Leadsänger Fernando Palencias und Gitarrist Roby Würgler, kamen hinzu. Doch noch fehlte eine Schallplatte. «Dafür wäre ein Örgeli schön», meinten sie, und fanden in Marco Rauber ihren Keyboarder. 1979 nahm Methusalem die erste Vinyl Schallplatte for our friends auf. 1982 folgte eine zweite drive on. «Wir wollten eingängige Musik spielen, direkte schnörkellose Rockmusik, die uns und unserem Publikum Spass macht», sagt Rick Hochuli in einem Interview in Musikszene und ergänzt, im Gegensatz zu den Rockbands aus Zürich kannte Methusalem keine Drogenprobleme. «Wir haben Bier getrunken – und das Kafi Methusalem».
In jener Zeit gab Methusalem rund fünfzig Konzerte im Jahr, auch in der Romandie und im Ausland. Doch es wurde kein dauerhafter Erfolg. Es gab Differenzen. Die einen wollten Profi-Musik machen, ein hartes Geschäft, was für die Musiker mit jungen Familien unmöglich war. Ende 1983 löste sich die Band offiziell auf.
Rick Hochuli (*1955), Bassist bei «Methusalem» seit 1974.
Rick Hochuli studierte in dieser Zeit als gelernter Elektrozeichner am Abend-Technikum in Zürich und wurde Elektrotechniker. Als Projektleiter arbeitete er im Bereich des Brandschutzes in verschiedenen Firmen. Auch die anderen Bandmitglieder hatten ihren Brotberuf und spielten teilweise in verschiedenen Bands. Sie blieben stets miteinander in Kontakt.
1996 brachte das Dorffest in Teufenthal Methusalem nach zwölf Jahren wieder zusammen. Fernando Palencias wohnte dort, telefonierte seinen alten Bandkollegen, und alle waren bereit, wieder mitzuspielen. In den nächsten zwei Jahren gaben sie mehrere Konzerte. 1997 spielten sie am Argovia Fest. Für Radio Argovia war dies ein Meilenstein, denn der Sender hatte die definitive Konzession als Privatradio erhalten. In dieser Zeit gab Methusalem ihre erste CD heraus for our very best friends mit demselben Coverbild wie auf der Schallplattenhülle von 1979. Das Porträt des knorrigen Knechts aus Gontenschwil hatte damals so viel Aufsehen erregt, dass das Aargauer Tagblatt einen Beitrag über ihn veröffentlichte.
CD Cover, «Methusalem, for our very best friends», 1996
Im Oktober 1997 fand in der Turnhalle von Walde das letzte Konzert statt, es soll ein fulminantes Finale gewesen sein, erinnert sich Rick Hochuli. Methusalem löste sich erneut auf und jeder zog sich zu seiner anderen Band zurück: Rick Hochuli machte bei Master Pflaster weiter, Andy Sager als Country Musiker bei Wyna West, Fernando Palencias mit Soloprojekten und Roby Würgler spielte in verschiedenen Bands.
Methusalem pausierte, bis André Bernath, Gitarrist bei Space in Time, die Musiker 2024 daran erinnerte, wie sie vor 50 Jahren zusammen gespielt hatten, und sie für ein neues Projekt einlud. Inzwischen waren sie selber «Methusalems» geworden, zwei waren gestorben, einer lebte im Ausland, nur Rick, Andy und Roby waren noch da. Sie brauchten neue Leute.
«Methusalem», 1996. Marco Rauber, Romano Pedini, Fernando Palencias, Roby Würgler, Rick Hochuli, Andy Sager (v.l.n.r.)
Und diese kamen: Die Sängerin Sarah Eisenstein (56), bekannt von ihrer eigenen Band Eisenstein, war zunächst als Background-Sängerin vorgesehen. «Doch weil sie ihre Sache so gut machte, wurde sie Leadsängerin», unterstützt von Tanja Hunziker (48), Sängerin der Countryband Wyna West, in der auch Andy Sager (70) Gitarre spielt. Neu dazu kamen auch der Schlagzeuger Dominik Eichenberger (35) und der Keyboarder Marc Urech (37). Und mit Rick Hochuli (70, Bass) und Roby Würgler (67, Gitarre) waren sie wieder komplett.
«Methusalem», 2025: Rick Hochuli, Sarah Eisenstein, Dominik Eichenberger, Marc Urech, Tanja Hunziker, Roby Würgler, Andy Sager (v.l.n.r.)
Der Zuwachs war für Methusalem ein wahrer Jungbrunnen. Mit den jüngeren Musikern und Sängerinnen funktioniert es hervorragend, meint Rick Hochuli. «Die zwei Frauen geben der Musik eine andere, neue Farbe und es macht so grossen Spass, dass wir in dieser Formation weitermachen möchten».
Auf die Frage, wie die neuen Bandmitglieder die Stücke lernen, erklärt Rick, sie würden nie mit Noten arbeiten. Die meisten, auch er selbst, sind Autodidakten. Alles wird ab Gehör live und über Aufnahmen gelernt. Auch ihre eigenen Stücke entstehen immer gemeinsam und spontan und werden nicht notiert. Sarah Eisenstein überarbeitet mit ihren guten sprachlichen Kenntnissen, auch im Englischen, alle Texte, die sie zusammen mit Tanja Hunziker singt. Beim Abschied sagt Rick: «Wir freuen uns auf die nächsten zwei Konzerte und hoffen, dass noch weitere folgen werden.»
Fotos: Archiv © Methusalem
«Methusalem», nächste Konzerte:
Am 9. Mai 2026, um 20:00 Uhr, Free Rock-Experience No 2, in der Musigburg, Aarburg/AG
Am 25. Juli 2026, um 20:00 Uhr, Open Air Konzert in der Wisa Bar in Lenzburg
