StartseiteMagazinGesellschaftLandwirtschaft:  Verordnung gefährdet Natur

Landwirtschaft:  Verordnung gefährdet Natur

Der Bundesrat will Mindestanforderungen abschwächen, die unsere  Lebensgrundlagen schützen. Das Versprechen einer ökologischen Landwirtschaft als Gegenleistung für die Subventionierung würde damit untergraben. Dagegen wehren sich die Umweltschutzorganisationen.

Die Schweizer Bevölkerung unterstützt die einheimische Landwirtschaft mit jährlich 3.67 Milliarden Franken, einem hohen Grenzschutz und entsprechend höheren Lebensmittelpreisen. Im Gegenzug verpflichten sich die Landwirtschaftsbetriebe einen ökologischen Leistungsnachweis (ÖLN) zu erbringen, der die gute landwirtschaftliche Praxis zum Schutz natürlicher Lebensgrundlagen wie Boden und Wasser sicherstellt (Artikel 104 der Bundesverfassung).

Im Rahmen des landwirtschaftlichen Verordnungspakets 2026, dessen Vernehmlassung am 6. Mai endet, will der Bundesrat nun eine Vielzahl von Bestimmungen im ÖLN abschaffen. «Damit erhalten wir als Gesellschaft weniger von dem, wofür wir bezahlen: nachhaltige Produktion und eine intakte Natur. Das ist unlauter», findet Marcel Liner, Agrarpolitikexperte bei Pro Natura im Namen der Umweltschutzorganisationen.

Vertrauen in Nachhaltigkeit der Landwirtschaft bedroht

Fruchtbare Böden sind die Lebensgrundlage der Landwirtschaft und machen sie widerstandsfähig gegen Klimaveränderungen. Für den Erhalt und Aufbau von Bodenfruchtbarkeit braucht es Fachwissen und eine langfristig schonende Bewirtschaftung. Wenn es nach dem Bundesrat geht, sollen die bisher obligatorischen Bodenproben und Anforderungen zum Schutz gegen Bodenverlust (bodenschonende Massnahmen) gestrichen, Regeln für den Pestizideinsatz verwässert und die Auswahl der frei einsetzbaren Insektizide vergrössert werden.

Das wäre ein Rückschritt für die gesamte Landwirtschaft. «Angesichts der vielen ökologischen Herausforderungen in der Landwirtschaft, insbesondere bei den Pestiziden, sollte der ÖLN gestärkt anstatt geschwächt werden», ist Eva Goldmann, Pestizidexpertin beim WWF Schweiz, überzeugt. So zeigen neuste Messungen, dass die Schweizer Bäche weiterhin stark mit hochgiftigen Pestiziden belastet sind.

Umweltauflagen schützen Lebensgrundlagen

Grundsätzlich begrüssen die Umweltschutzorganisationen administrative Vereinfachungen. Entscheidend ist, dass die Gesamtwirkung landwirtschaftlicher Praktiken auf die Natur kontrolliert wird und der Bund bei Nichterreichen der Umweltziele verbindliche Massnahmen anordnen kann.

«Wo Umweltanforderungen gelockert werden, müssen Kompensationsmassnahmen eingeführt werden. Die Bilanz für die Natur und unsere Gesundheit darf nicht verschlechtert, sondern muss vielmehr verbessert werden», betont Jonas Schälle, Projektleiter Landwirtschaft bei BirdLife Schweiz.

Die Umweltverbände Pro Natura, Greenpeace Schweiz, Birdlife Schweiz, WWF Schweiz lehnen die Vorlage ab und fordern den Bundesrat auf, dass die wichtigsten Änderungsvorschläge des ÖLN im Rahmen der Agrarpolitik 2030+ mit genügend Zeit unter den betroffenen Kreisen diskutiert werden können.

Titelbild: Eidg. Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz. Wikimedia commons

 

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