Der Schweizer Künstler Marc Bauer (*1975) hat auf Einladung des Basler Kunstmuseums die Installation „Fear Rage Desire, Still Standing“ zeitgleich zur Ausstellung „The First Homosexuals“ eingerichtet.
Direkt auf Mauern und grosse Leinwände zeichnet Marc Bauer mit Kohlestift Szenen der Gewalt und der Männlichkeit. Diesmal ist der Verbindungsgang zwischen dem Altbau und dem Neubau des Basler Kunstmuseums Ort der Ausstellung.
Ausstellungsansicht. Foto: Julian Salinas
In seinen Arbeiten setzt sich Bauer aus einer queeren Perspektive mit Geschichte, Geschlecht und Identität auseinander. Unter dem Titel Fear Rage Desire, Still Standing (Angst Wut Verlangen, bin immer noch da) verknüpft er bekannte Motive aus der Kunstgeschichte – hier auch Werke aus der Ausstellung zu den ersten Homosexuellen mit anderen, auch alltäglichen und intimen Quellen.
Bauer untersucht den Zusammenhang von Männlichkeit, Gewalt und Faschismus in der Weltgeschichte und ebenso in seiner eigenen, gelebten Erinnerung. Schönes und Schreckliches können nah beieinander liegen, stellte er anlässlich einer Ausstellung im Kunsthaus Baselland fest: «Ich hatte immer den Eindruck, dass man mich belügt, und dass sich hinter allem Schönen in Wirklichkeit etwas Faules verbirgt».
Diese Kreuzigung von Hieronymus Bosch bekommt in Bauers Umsetzung eine drastische Bildlegende.
Der Rechercheur konsultiert historische Texte und Bilder, sowie Bücher und aktuelle Medien jeder Art. Diesmal verknüpft er Bildmaterial und Texte aus der Ausstellung The First Homosexuals als Inspirationsquelle mit Fotos und Sätzen, die sein Thema der Gewalt in der Gesellschaft, unter der queere Menschen und Frauen besonders leiden, zu einem verstörenden und faszinierenden Panorama.
«Meine Schwester und ich 1979»
Bauer spannt den Bogen von der Vergangenheit bis in die Gegenwart und macht sichtbar, wie tief die Männlichkeit und die davon ausgehende Gewalt in den gesellschaftlichen Strukturen verankert ist. Mit Zeichnungen aus seiner Kindheit und aus dem familiären Umfeld bringt er seine persönliche Geschichte ins gesellschaftliche und weltpolitische Umfeld.
«Manifesto». Inspiriert von der Ausstellung The First Homosexuals.
Ein Statement für die Freiheit und Unabhängigkeit ist seine Collage mit Elementen aus der Homosexuellen-Ausstellung gleich nebenan: Nasta Roic’s Selbstporträt als Jägerin verbindet sich mit der scheinbaren Idylle von Louise Abbéma, die sich mit ihrer Freundin Sarah Bernhardt auf dem See im Bois de Boulogne gemalt hat, hier düster überragt von Bernhardts Skulptur Selbstbildnis als Sphinx. Die beiden symbolträchtigen schwarzen Schwäne aus dem See hat Bauer überdimensional schwarz in Rot als Statement danebengestellt.
«Two Boys». © beim Künstler / the artist. © Studio Marc Bauer
Schwer zu ertragen ist eine weitere riesige Leinwand, eine übergriffige Szene mit drei männlichen Figuren, darunter ein Junge, der massiv bedrängt wird. Weniger zentral, auch versöhnlicher ist eine Wandzeichnung mit tanzenden Jugendlichen. Die Installation zeigt Schönes und Schreckliches. Sie macht aus dem unterirdischen Zwischentrakt einen Raum der zum Verweilen und Nachdenken über eine Gesellschaft, die auf einer Männlichkeit basiert, die sich gewalttätig in Szene setzt. Innehalten, die Zeichnungen an den Wänden, auf Leinwand und Papier sowie Bauers englische Sätze unter einigen der Bilder zu studieren, eröffnet die gesellschaftspolitische Dimension dieser Arbeit.
Der Künstler Marc Bauer in seiner Ausstellung.
Marc Bauers Installation, kuratiert von Anita Haldemann, wird die Ausstellung über Homosexualität überdauern. Wie der international bekannte Künstler konkret arbeitet, kann noch zweimal beobachtet werden, wenn er seine Wandzeichnungen überarbeitet, nämlich vom 12.–17. Mai 2026 und vom 3.–7. November 2026.
Titelbild: «Ecstasy», 2026. Ausstellungsansicht. Foto: Julian Salinas
Sämtliche Abbildungen von Werken Marc Bauers: Copyright: © beim Künstler; Creditline: Courtesy the artist and Galerie Peter Kilchmann, Zurich, Paris.
Bis 2. Mai 2027
Informationen für Ihren Museumsbesuch in Basel
Die Ausstellung «The First Homosexuals» (bis 2. August) wurde auf Seniorweb bereits besprochen.

