StartseiteMagazinKolumnenDie Elefanten der Medienwelt mit Dame und Bemerkenswertem

Die Elefanten der Medienwelt mit Dame und Bemerkenswertem

Die Dame war die versöhnlichste Person im Kreis der Medienelefanten: Susanne Wille (52), Generaldirektorin der SRG SSR. Ihr Appell am Swiss Media Forum war unmissverständlich: «Stehen wir einander bei, verstärken wir gemeinsam die Wirkung unserer breiten Palette an Medienprodukten. Unternehmen wir alles, damit unsere Medien im riesigen weltweiten Angebot Aufmerksamkeit erlangen, gesucht, gefunden, gelesen, gehört und angeschaut werden.» Zu ergänzen ist: damit sie letztlich überleben können.

Auch in der traditionellen Gesprächsrunde liess sie sich nicht beirren – selbst nicht vom Verleger des Tages-Anzeigers, Pietro Supino (61), der unbeirrt auf Konkurrenz setzt. Im Gegenteil: Susanne Wille beharrte mehrfach auf ihrem Angebot zur Kooperation. Einzig Ringier-CEO Mark Walder (61) sprang ihr bei: «Das ist doch eine prima Idee.»

Walder, der bereits im Vorfeld wegen seiner düsteren Prognose attackiert worden war – langfristig würden nur noch «die NZZ, der Blick, 20 Minuten und subventioniert SRF» überleben –, wich in Luzern keinen Millimeter von seiner These ab: «Regionale Anbieter haben langfristig im Netz keine Chance.» Er begründete dies mit dem Aufkommen der künstlichen Intelligenz, der sinkenden Zahlungsbereitschaft der jungen Generation und der zunehmenden Dominanz globaler Plattformen wie Google, TikTok, Amazon oder Meta.

Heftiger Widerspruch kam von den familiengeführten Medienhäusern, von der Familie Coninx/Supino in Zürich, den Wanner-Medien im Mittelland und der Familie Lebrument in Graubünden. Ihr wichtigstes Argument: die zentrale Rolle der Medien in der direkten Demokratie. Ohne gut informierte Bürgerinnen und Bürger funktioniere unser föderal aufgebautes Staatswesen nicht, von den Gemeinden über die Kantone bis zum Bund. Eine Argumentation, die zwar unausgesprochen, aber auf eines hinausläuft: auf die Notwendigkeit staatlicher Unterstützung.

Bild KI generiert

Denn eines schmerzt alle, selbst die NZZ mit ihrem CEO Felix Graf (59), die ihr Heil zunehmend mit Abonnenten in Deutschland sucht: der gigantische Abfluss der Schweizer Werbegelder zu den Tech-Giganten in den USA. Seit 2015 ist das in der Schweiz verbleibende Werbevolumen von rund vier Milliarden auf etwa 1,4 Milliarden Franken geschrumpft. Im Printbereich gar von drei Milliarden auf rund 650 Millionen.

Bemerkenswert am diesjährigen Swiss Media Forum war jedoch auch, dass nicht nur die Sorgen und Nöte der Branche diskutiert wurden, sondern ebenso Ereignisse, welche die Medien derzeit prägen und weiter herausfordern werden: die Katastrophe von Crans-Montana und ein kleiner Satz eines gewichtigen Referenten.

Sébastien Fanti, Anwalt mehrerer Opfer, nahm zur Tragödie in Crans-Montana kein Blatt vor den Mund: «Die Krise mit dem Ausland beginnt erst jetzt. Die ersten Bücher über die Tragödie werden bereits geschrieben und erscheinen im Herbst.» Der Imageschaden für die Schweiz sei bereits heute immens – und werde weiterwachsen. Nicht primär wegen der Katastrophe selbst, sondern wegen der Art und Weise, wie diese aufgearbeitet worden sei und weiterhin werde – auch medial. Im persönlichen Gespräch, als er von den Beziehungen zu den Opfern und ihren Familien erzählte, traten ihm Tränen in die Augen. Er zeigte mir ein Bild auf seinem Handy: Als Hundefreund hält er liebevoll einen kleinen Dackel im Arm. «Den hat mir eine betroffene Familie geschenkt».

Und der kleine Satz? Er stammt von Mario Irminger, Präsident der Migros, als er in seinem Referat die Geschäftsfelder des Unternehmens aufzählte, erwähnte er so beiläufig: «Der Migros-Genossenschafts-Bund ist der viertgrösste Immobilienbesitzer der Schweiz.» Dann folgte der bemerkenswerte Zusatz: «Ich kann mir vorstellen, dass wir als Genossenschaft künftig einen weiteren Geschäftsbereich schaffen: Wohnen.» Und ergänzte: «Mit günstigen Wohnungen könnten wir etwas gegen die Wohnungsknappheit tun.» Wohlan. Gottlieb Duttweiler hätte es wohl längst getan.

Tatsächlich: Das Swiss Media Forum ist immer wieder gut für überraschende Momente – und für echte News.

Anton Schaller: Die Zeitenwende fordert die Medien heraus

Anton Schaller: Crans.Montana: Die Schweiz in der Pflicht

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