Über das Hitzewochenende Ende Juni sass ich lange am Fernsehen und schaute Sendungen über das eidgenössische Trachtenfest in Basel an. SRF bot am Samstag grossartige Impressionen einer jodelnden Schweiz mit dem dazugehörigen Brauchtum von Musikapellen, Alphornbläsern und Fahnenschwingern. Alt und Jung traten frisch und munter auf. Junge boten sogar neue, noch nie gehörte Jodelklänge. Sie repräsentierten mit den schmucken Trachtenfrauen zusammen die lebendige Schweiz.
Das Hundert-Jahr-Jubiläum fand im linken Basel statt, wie es parteipolitisch genannt wird. Es war nicht weniger feierlich, als wenn das Fest in der Innerschweiz gewesen wäre. Die eine Schweiz war immer ein Land verschiedener Meinungen und Farben. Bei inneren Streitigkeiten blieb sie stets die eine Eidgenossenschaft und stellte diese nie in Frage.
Wird darüber diskutiert, dass im Welschland oft anders gestimmt wird als in den deutschsprachigen Landesteilen, flammt eingeschliffen in den Gehirnen der Röstigraben auf. Es wird dann etwa noch von einer Vertiefung der Spaltung der Schweiz geredet. Als dies vor Jahren einmal gar heftig geschah und das Welschland kritisiert wurde, sprach ich mit dem Genfer Ständerat Gilles Petitpierre. Er fand das Gerede sei reines Geblök. Von den Deutschschweizern stecke darin oft ein Kern der Abwertung und er fügte bei: «Weisst du, wir sind sogar die besseren Schweizer!» Das war nicht überheblich und auch nicht moralisch gemeint: «Wir haben wie die alten Eidgenossen nie von einer Trennung gesprochen. Wir waren Schweizer und werden es bleiben. Wir stehen zu der einen Schweiz, auch wenn uns der deutsche Teil des Landes überstimmt.»
Beim jubelnden, fröhlichen Fest in Basel ging es auch um die eine Schweiz und zwar in ihrer unglaublichen Vielfalt. Die Schweiz versammelte Welsche und Deutschschweizer und Schweizer, die neben der Landessprache eine eigene Muttersprache sprechen. Man konnte dies bei Fragen der Journalisten heraushören. Ich wunderte mich besonders über die vielfältigen Jodelklänge von begeisterten jungen Musikerinnen und Musikern, die das Brauchtum pflegen. Ich gewann das Bild einer wunderbar offenen Schweiz, die da in Basel präsent war.
Die Schweiz zeigte sich in ihrem festlichen Gewand. Man müsste dies sehen wie bei der Nationalmannschaft. Da heisst es, die Schweiz hat gewonnen, die Schweiz hat verloren. Obwohl es sich meist um eine zusammengewürfelte Mannschaft handelt, die da gespielt hatte.
Beim Trachtenfest in Basel sah man die eine Schweiz eines Brauchtums. Sie repräsentierte die Vielfältigkeit und Buntheit des Landes. Das Fest strahlte Lebenslust und Einigkeit aus.
Da musste ich mich von einem nicht schweizerischen, antidemokratischen Wort frei heuen, das mir zu schaffen gemacht hatte. Ein Politiker fasste seinen Frust in den Satz: «Es kann doch nicht sein, dass uns die Westschweiz und die linken Städte diktieren, wie sich die Deutschschweiz zu verhalten hat.»* Es war ein nicht durchdachtes Wort und besann man es genau, sprach daraus eine autoritäre Haltung. Es ist nicht Ausdruck der einen demokratischen Schweiz.
Und nun hier in der linken Stadt Basel dieses grossartige Fest! Die eine Schweiz feierte sich in ihrer Originalität und machte dem Begriff Eidgenossenschaft alle Ehre. Für mich war es die grosse Freude an diesen Hitzetagen.
* NZZ, 19. Juni 2026

