Manchmal muss man einfach aufräumen. Die Küche, den Keller, den Kleiderschrank – oder, wie jetzt, mein Notizbuch. Etliche Einträge sind zu schade zum Fortwerfen. Deshalb tauchen sie in dieser Sprachkolumne auf.
«Vor allem die Geburten von dritten Kindern sind zurückgegangen» wurde mal vermeldet. Beunruhigend. Hoffentlich klappt es bei den vierten Kindern dann wieder besser.
Die Sanierung von Häusern kann ganz schön kompliziert sein. Nur schon die Arbeiter, die auftauchen oder auch nicht. Und dann die Auflagen! Wenn zum Beispiel neue Mauern mit «Leichtbausteinmauerwerk» ausgeführt werden müssen. Ganz schön kompliziert, sag ich doch!
Auch anderswo wird erneuert. Da fragt sich doch ein Mitarbeiter einer Entsorgungsstelle, wie gross der Nutzen und die Praktikabilität der neuen Verordnung sei. Haben Sie schon mal jemanden getroffen, der so geredet hat? Vielleicht beim Zungenbrecher- Wettkampf?
«Die Handbestäubung hilft, das zusehende Fehlen der Insekten zu kompensieren». Dass die Insekten zunehmend fehlen, das kann in jedem Garten unschwer festgestellt werden. Wo es früher summte und brummte, ist es in den letzten Jahren ruhiger geworden. Ist das nun ein zusehendes Fehlen? Oder fehlen einfach die Summer und Brummer zusehend. Was nicht bestritten werden kann. Wann haben Sie das letzte Mal Ihre Autoscheiben putzen müssen, weil so viele Mücken daran klebten?
Zum Schluss noch etwas Kultur. Eine Konzertkritik – oder eine Parodie davon: «Lautlos schweben die Finger über den Tasten und erzeugen die Töne, die zum neuen Harmonieklang führen.» Sehr poetisch, diese Kritik eines Klavierwerks, gespielt mit schwebenden Fingern. Wie wohl ein Fortissimo beschrieben würde? Ob da die Finger dann wohl auf den Tasten landen? Der Pianist wird sich ob dieser Beschreibung vor Ärger in die schwebenden Finger gebissen haben! Und noch ein Rätsel: «Die Karriere des Dirigenten begann vor einem Grammophon im Kindergarten.» Wer oder was da im Kindergarten eine Rolle spielte, wird nicht erläutert. Das ist der Zauber der Musik!

