Die erste Eisenbahn in Deutschland brauchte 1835 für die sechs Kilometer von Fürth nach Nürnberg zehn Minuten. Heute, mehr als 190 Jahre später, dauert die Reise mit der der Deutschen Bahn genau gleich lang. Warum bloss ist aus dem Reich der Dichter und Denker das Land der verspäteten Bahnen geworden?
Früher fuhren wir mit Kutschen. Da brach der Deichsel. Wir ritten mit dem Pferd. Da standen an unübersichtlicher Stelle die Räuber mit ihren grossen Pistolen. Wir wanderten über Stock und Stein. Da stolperten wir zuerst über Stock und dann über Stein. Wir schipperten auf einem Kahn über den Vierwaldstättersee. Da brach ein Föhnsturm los, und wir mussten uns mit einem Sprung auf eine Felsplatte ans Ufer retten.
Heute haben alle Reisehindernisse einen einzigen Namen: DB.
Die Geschichten.
Über Betriebsstörungen, Stellwerkschaden und die Begleitengel in Uniform.
Wir erinnern uns an den kaputten Zug in Hildesheim. Alle Passagiere müssen im tiefen Winter um 23:00 Uhr aussteigen und auf dem Bahnsteig mit Baby, Kind und Senioren mehr als anderthalb Stunden warten. Den geheizten Warteraum will das Personal nicht öffnen. Es ist Feierabend.
Wir erinnern uns an Berlin. Der ICE aus Basel wird zum Geisterzug. Auf keiner Anzeigetafel, in keiner App taucht er auf. Das Personal zuckt mit den Schultern. «Technische Störung». Wir wollen Freunde abholen. Aber wo und wann? Berlin Tief? Berlin Südkreuz? Berlin Gesundbrunnen?
Wir erinnern uns an die dreistündige Verspätung eines ICE Ende Mai von Berlin nach Basel. Keine Fakes, alles hat sich so abgespielt. «Spielende Kinder auf dem Gleise.» – «Der Blitz hat eingeschlagen, deshalb können wir nur langsam fahren.» – «Der vorgesehene Lokführer steckt in einem verspäteten Zug.» – «Der nun eingetroffene Lokführer muss gemäss Reglement 30 Minuten pausieren.»
Aufmerksame Leserinnen und Leser von Seniorweb merken, dass ich diesen Text im Juli schon mal verwendet habe. Aber I: So schöne Verspätungen darf man mehrfach verwenden. Aber II: Die Redaktion arbeitet unentgeltlich. Da sind Abstriche erlaubt.
Wir applaudieren dem Personal. DB-Bashing macht Sinn. Allerdings nur, wenn man das Personal ausklammert. Sie sind Verspätungs-Besänftiger, Umleitungs-Erklärerinnen, Störungs-Flüsterer, Fahrplan-Versteherinnen,
Wir gedenken der mitfahrenden Engel. Zugbegleiterinnen und -begleiter sind mitfahrende Engel. Auch Engel, sogar Schutzengel, haben ihre Grenzen. Der ICE steht regungslos mitten in der Pampa. Die einzige Durchsage ertönte vor einer halben Stunde. DB-Passagiere sind sanftmütig. Doch nun werden sie ungeduldig. Da eilt eine junge Schaffnerin durch den Grossraumwagen. Laut, für jeden hörbar spricht sie in ihr Handy.: «Oh Nein … Das ist ja … Wie gehts denn nun weiter? … Aber … Mein Gott! … Sag jetzt … was soll ich den Passagieren bloss mitteilen?»
Die Bildergalerie der Kümmernisse.
Oder: Sollte ein Zug mal pünktlich ankommen, dann ist es der vom Vortag.
Hier sehen wir, wie die DB einen Zug in Bayern evakuiert. Er fiel wegen Stromausfall aus. Die Türen blieben zu, die Klimaanlage funktionierte ebenfalls nicht mehr. Die Passagiere mussten stundenlang in der Hitze im geschlossenen Wagen ausharren.
Dieser Hinweis hängt an vielen Orten. An defekten Türen, WCs, Aufzügen. Im Kleingedruckten verspricht die Bahn, dass ein Techniker verständigt sei. Nun ja, Techniker und Technikerinnen haben kurze Beine und können nicht überall sein.
Dieser Aufzug im Bahnhof Holzkirchen ist in Deutschland als Pannenlift bekannt. Beim Jahreswechel 2021/2022 kam es zu Defekten und Feuerwehreinsätzen. Die Retter mussten mehrfach ausrücken um eingeschlossene Reisende zu befreien.
2020 eröffnete die DB die neu elektrifizierte Strecke zwischen Lindau und München. Ein Schweizer Neigezug fuhr die Strecke an der Premiere. Der Fahrdienstleiter wies den Zug auf einen Abschnitt ohne Oberleitung. Eine Diesellok half.
Mit solchen Leuchttafeln informiert die Deutsche Bahn über sogenannte «Grossstörungen». Das Datum der Aufnahme ist nicht bekannt. Der letzte derartige Zwischenfall geschah vor zwei Monaten als eine Softwarepanne den Zugverkehr in ganz Deutshland während mehrerer Stunden lahmlegte.
Dieser ICE durchpflügte 2021 das Wasser bei Krotzingen zwischen Freiburg und Basel. Der Lokführer (Rettungsschwimmer?) entschied sich diesen Weg trotz der schweren Regenfälle und Überschwemmungen zu wagen. Nach dieser Fahrt sperrte die DB die Strecke vorübergehendd zwährend drei Stunden.
Solche elektronischen Tafeln leuchten an vielen Bahnhöfen. Diese Aufnahme dokumentiert einen besonders schwarzen Tag. Im Juni 2026 kam es zu einem deutschlandweiten Betriebsstillstand. Eine Softwarepanne verhinderte zwei Stunden lang, dass Züge fuhren.
Hier sehen wir die Begrüssung von Mutter und Sohn im Bahnhof von Dingsda. Hier sehen wir aber auch, wie KI die Comiczeichner bedrängt. Der zeichnerisch unbegabte Autor hat dieses Bild in einer halben Stunde über das KI-Tool Gemini gemacht.







Ja, es gibt Verspätungen bei der DB, aber nicht nur das: Wir fuhren am 05. Mai 2026 von Bern nach Berlin, mit Umsteigen in Basel und Frankfurt a. M., kamen auf die Minute pünktlich in Berlin an. Und 5 Tage später von Berlin nach Bern ohne Umsteigen – auf die Minute genau in Bern eingetroffen. Es gibt Verspätungen und Zugausfälle bei der DB, aber das Normale eben auch. Mark Wey
Leider ist die Misere nicht bloss auf Deutschland beschränbkt. Darunter leiden auch Auslandreisen, insbesondere dann, wenn Züge platzkartenpflichtrig sind, wie z.B in Italien.
Wenn niemand weiss, wann er zB in Köln abfahren muss, um in Mailand den Schlafwagen nach Sizilien oder in Ancona die Fähre nach Griechenland zu erwischen, bucht er eben einen Flug..
Auch die SBB arbeiten erfolgreich daran, Ferienreisende auf die Luftfarjht umzuleiten, etwa durch die Sperrung der Simplonlinie während der Ferienreisezeit ohne brauchbare Alternativen via Gotthard (zB in Zürich kein Anschluss auf den EC nach Mailand für Reisende vom IC aus Bern).
Von der Unmöglilchkeit, Barcelona ab der Schweiz ohne zigmal umsteigen zui erreichen, ganz zu schweigen (früher gab es täglich 2 direkte Züge).