FrontKulturEine süffige Schlagercollage

Eine süffige Schlagercollage

Unter dem Titel «Mendocino – Ein Abend mit Hits aus den 70er-Jahren» zeigt das Theater Rigiblick in Zürich einen höchst vergnüglichen und unterhaltsamen Schlagerabend.

2007 inszenierte das Kleintheater am Zürichberg den italienischen Liederabend «Azzurro» mit Hausherr Daniel Rohr als Sänger und Dietmar Loeffler am Piano. Die Aufführung entpuppte sich als grosser Hit, der Applaus und die Begeisterung des Publikums hält bis heute an. Anfang November lud das Theater zur Jubiläumsvorstellung «10 Jahre Azzurro» ein. Nun wagt das Duo mit «Mendocino – Ein Abend mit Hits aus den 70er-Jahren» eine Fortsetzung des erfolgreichen Schlagerreigens «Azzurro». Es ist – so viel kann man schon heute sagen – eine weitere Erfolgsproduktion. Die süffige Schlagercollage unter der Regie von Hansjörg Betschart fand am Premierenabend beim Publikum begeisterten Zuspruch und dürfte wiederum für viele Jahre programmiert werden.

Eine Hitparade in Slapstick-Manier

Der Schlager ist nicht tot zu kriegen. Die neue Produktion knüpft bei «Azzurro» an. Der Sänger Giovanni und sein Pianist Enzo, die seit zehn Jahren die Gäste im abgetakelten Hotel Excelsior am Mittelmeer mit italienischen Canzoni unterhalten, gehen auf eine Deutschlandtournee, dann auf einem Kreuzfahrtschiff auf Welttournee, nennen sich fortan Detlef und Didi, im Gepäck deutsche und englische Schlagerhits aus den 70er-Jahren. Zu hören und zu sehen ist eine Hitparade in Slapstick-Manier, dargeboten mit viel Dramatik und mit Szenen zum Dahinschmelzen. Als Kulisse dienen zwei Überseekoffern und ein Bühnenvorhang mit glitzernder Lametta-Kette.

Grosse Hits, wilde Gestik: Daniel Rohr und Dietmar Loeffler in «Mendocino». (Fotos: Toni Suter / T + T Fotografie)

Die zusammengestellte Schlager-Formation umfasst deutsche Hits wie «Michaela» von Bata Illic, «Es fährt ein Zug nach Nirgendwo» von Christian Anders, «Mendocino» von Michael Holm oder «Anita» von Costa Cordalis sowie englische Songs wie «In the Summertime» von Mungo Jerry, «Sailing» von Rod Steward, «Mexico» von Les Humphries Singers, «Sound of Silence» von Simon and Garfunkel oder «Eloise» von Barry Ryan. Rund 30 Häppchen werden insgesamt in 90 Minuten geboten, bei bestimmten Hits singt und wippt das Publikum mit. Und fast jede Showeinlage wird variantenreich mit dem Ohrwurm «Mendocino» abgerundet. Die Zeit vergeht wie im Fluge, egal, ob man die Hits kennt und mag oder nicht.

Vielfältiger Mix aus Mimik, Gestik und Wortspielen

Das Publikum ist Zeuge einer gnadenlos unterhaltsamen Obduktion einer vertrauten Schlagerwelt. Dabei stellt Daniel Rohr als Sänger und Schauspieler sein Verwandlungstalent einmal mehr unter Beweis. Mit unerschütterlicher Komik und einem vielfältigen Mix aus Mimik, Gestik und Wortspielen zeigt er, was passiert, wenn die Schlagerhits beim Wort genommen werden. Genüsslich schlachtet er die einzelnen Hits aus, seziert mit einer beeindruckenden Verbalakrobatik die verschiedenen, verlogenen Lebenswirklichkeiten, die hinter den Hits stecken, mal wild gestikulierend, mal zusammengekauert auf dem Flügel. Grosses Lob verdient auch Dietmar Loeffler als Pianist Enzo alias Didi, der am Flügel den Schlagerreigen musikalisch abwechslungsreich und virtuos begleitet und verschiedentlich mitsingt. Grossartig das im Duett gesungene «Sound of Silence».

Insgesamt wird ein stimmig choreografierter Liederabend geboten, eine grandiose Projektionsfläche für nostalgische Gefühle, Träume und Wünsche, die man augenzwinkernd geniessen soll. Denn der Schlager ist – wie schon eingangs erwähnt – nicht tot zu kriegen.

Weitere Spieldaten: 21., 22. November, 10., 22. Dezember, 21. Januar, 9. Februar

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