FrontGesellschaftAngebote für die Eingeschlossenen

Angebote für die Eingeschlossenen

Das Internet ist grenzenlos, das lernten wir in den letzten Jahren. Ausser das Netz oder ein Server sei überlastet. Nun gilt es, Rosinen zu picken und auch zu lernen, einigermassen sicher Fake-News zum Virus zu erkennen.

Zeit für Kultur und Zeit fürs Lernen haben wir Eingeschlossenen ja genug. Aber für die Alten ist es nicht so einfach wie für Kinder, Studierende und Berufstätige:
Homeschooling – den Dreisatz oder den Satzbau mag ich nicht mehr üben, bin viel zu alt.
Homeoffice – nichts anderes, als was ich seit Jahren tue, nämlich am Computer zuhause arbeiten.
Homedining – ziehe ich häufig nach fast jedem Restaurantbesuch (mittelprächtiges Essen für hochpreisiges Entgelt) vor; nun koche ich ohnehin täglich mit Lust.

Machen wir da weiter, wo mein Kollege Joseph Auchter gestern aufgehört hat: Bei den Angeboten fürs Streaming von Musikgenuss. Zunächst weitere Empfehlungen für Musikliebende, welche als Sonderangebot der Corona-Zeit genutzt werden können:

Montreux Jazz Festival: Drei Schritte braucht es zum Konzertgenuss.
1. Aufrufen der Website Montreux Jazz Festival
2. Den genannten Code für Montreux Jazz Festival eingeben
3. Mit Mailadresse registrieren
4. Das Angebot angucken und wählen.

Marvin Gaye (1939-1984) war einer der grossen Soul und R&B-Sänger der 60er bis 80er Jahre. Das Porträt von 1966 stammt von J. Edward Bailey

Was ich mir als erstes aus diesem überaus reichen Menue herauspickte? Marvin Gaye, den ich nie live erlebte, auch sein Montreux-Konzert von 1980 nicht.

Berliner Philharmoniker: Ein Gratisticket als Geschenk des Orchesters für die Nutzung des Portals Digital Concert Hall während 30 Tagen.
1. Aufrufen der Website Digital Concert Hall
2. Den Gutschein anklicken.
3. Sich registrieren und ein Nutzerkonto erstellen (oder falls schon eins da ist, einloggen)
4. Auswählen und sich in der Home-Concert-Hall für den Musikgenuss einrichten.

Blick in den Saal der Philharmonie in Berlin mit (fast) nur guten Plätzen. Foto: Emile Myburgh

Und für alle, die es mehr mit dem Sprechtheater haben, gibt es Streams mit Aufführungen aus dem ganzen deutschen Sprachraum: Das Portal Nachtkritik liefert eine ständig aktualisierte Liste von Theateraufführungen, die online – am besten über den grössten Bildschirm im Haus – zu geniessen sind. Einfach den Link Nachtkritik-Index aufrufen.

Wem das aktuelle Programm nicht passt, für den hat Nachtkritik eine Liste von frei verfügbaren Theaterstück-Videos. Ich freue mich schon jetzt, Max Frischs Andorra von Kurt Hirschfeld im Zürcher Schauspielhaus mit dem blutjungen Peter Brogle in der Rolle des Andri wiederzusehen, wofür ich einst extra nach Zürich reiste.

Was ich vor zehn Tagen entworfen habe, steht hier oben eingedampft aufs Wesentliche, damit ich im Sinne der Rubrik Leben mit Corona auch Platz für meine neuesten Aktivitäten im Arrest gewinne,
als da sind:

– Der Triage-Dienst für Freunde: Ich brauche viel von meiner Sitzzeit, um die mir zugesandten Videos zu Corona zu prüfen und notfalls nicht zu teilen, sondern als verharmlosend oder gar irreführend zu kommentieren. Ein Beispiel ist das Interview mit dem Enkel vom Birchermüesli-Papst Bircher-Benner, der selbst Allgemeinpraktiker und überzeugt ist, dass heisse Bäder, steigend bis 41 Grad, das Virus abschwächen oder zerstören.

Richtig ist: Viren werden erst ab über 50 Grad wirkungslos – es geht um die Eiweisshülle des Virus, die koaguliert, oder korrekt gesagt inaktiviert. Das Bad steigert die Temperatur im Körper so oder so nicht auf 41 Grad. Die Eiweiss-Hülle geht jedoch mit Alkohol (Hauptbestandteil der Desinfektionsmittel) oder der Viren-Körper mit Tensiden (in jedem Abwaschmittel) kaputt. Händewaschen mit Seife und Abstand halten sind und bleiben die besten Ratschläge. Hier der Link zum Bundesamt für Gesundheit.

– Das hauseigene Reparaturcafé, das ich dank Internet-Anleitungen betreibe: Ein Bügeleisen mit kaputtem Kabel habe ich danke einem Youtube-Elektromechaniker aufgeschraubt, das Kabel gekürzt und die drei farbigen Drähte wieder richtig montiert. Nun will ich das Löten lernen und suche nach dem geeigneten Video.

– Das Herrichten der Holzbank vor dem Haus. Sie stammt vom Metallabfallcontainer (wo sie trotz Metallgestell nicht hingehört). Ich hab sie vor einem halben Jahr aufs Auto aufgeladen und heimgebracht, aber ihr fehlten zwei Beine. Nun steht sie links auf den Füssen, rechts auf einem grossen Stein und ist bequem genug für die nächtliche Hingabe an den Sternenhimmel, von der Lichtverschmutzung, die es leider heutzutage im kleinsten Bergdorf gibt, durch die Topographie abgeschirmt.

Die Milchstrasse. Foto: Felix Mittermeier auf Pixabay

In loser Folge schildern unsere Redaktionsmitglieder, wie sie wegen der Corona-Krise das zu Hause sein erleben und wie sie damit umgehen. Hier der Link zu bereits erschienenen Beiträgen: 

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