StartseiteMagazinGesellschaftKleine Lichter in Sommernächten

Kleine Lichter in Sommernächten

Glühwürmchen oder Leuchtkäfer sind Boten des Sommers. Seit Ende Juni leuchten sie wieder, doch sind sie rar geworden. Die zufällige Sichtung eines Leuchtkäfers hat mich angeregt, über sie zu berichten.

Wie immer beim Einnachten lasse ich den Rollladen herunter. Dabei entdeckte ich am 25. Juni an der Fensterscheibe einen eigenartigen braunen Käfer mit einem grünen Leuchtpunkt auf der Bauchseite. Ein Glühwürmchen! Mit dem Handy hätte es wohl kaum ein gutes Bild gegeben. Nach eingehender Betrachtung ziehe ich den Laden wieder hoch und der Käfer fliegt grün leuchtend davon.

Romantisierende Glühwürmchen Landschaft. Bild: Pixabay

Glühwürmchen wecken romantische Gefühle, erinnern an die Kindheit, als man sie nachts noch regelmässig in der Natur sehen konnte. Sie schwärmen um den Johannistag vom 24. Juni bis Anfang August aus und entzücken durch ihr Leuchten in der Dunkelheit. «Der helle Mond, die goldnen Sterne steigen / Glühwürmchen funkeln ihren Reigen / und leise rauscht der Wald», dichtete der Poet Hans-Wilhelm Smolik (1906-1962). Auch erinnere ich mich an ein Bilderbuch, das meine kleine Tochter besonders gerne anschaute. Und im Internet findet man zahlreiche Kinderbücher mit Geschichten von Glühwürmchen namens Gloria, Greta, auch Nino oder Felix.

Weibchen des «Grossen Leuchtkäfers» (Lampyris noctiluca) beim nächtlichen Lock-Leuchten.

Der Name ist irreführend, das Glühwürmchen oder Johanniswürmchen ist kein Wurm, sondern ein Käfer. Da es nicht glüht, sondern leuchtet, heisst das Insekt korrekt Leuchtkäfer, wie Pro Natura schreibt, die den «Grossen Leuchtkäfer» im Jahr 2019 zum Tier des Jahres kürte. Was bitter nötig ist, denn die Population nimmt durch die Zerstörung von Lebensräumen und Lichtverschmutzung ständig ab.

Bei den Recherchen zum Glühwürmchen stosse ich auf den «Verein Glühwürmchen Projekt» in Zürich, der sich seit 2002 für die Erforschung und Förderung von Leuchtkäfern engagiert. Er publiziert Karten über ihre Verbreitung in der Schweiz und bittet um Meldung dieser bedrohten Art, wenn man sie sichtet. Der Präsident, Stefan Ineichen, antwortete umgehend auf meine Entdeckung, die es bis anhin in meiner Gegend offenbar noch nicht gab.

«Kleiner Leuchtkäfer» (Lamprohiza splendidula). Das Männchen blinkt einige Sekunden lang grünes Licht im Flug.

Stefan Ineichen meinte, aufgrund meiner Beschreibung handelte es sich vermutlich um «ein verschlepptes männliches Exemplar des Kleinen Glühwürmchens». Es tritt hierzulande im Tessin und in den Bündner Südtälern auf, nur selten nördlich der Alpen etwa in Schaffhausen und im Jura. Offenbar hat sich ein Einzelgänger zu mir ins Limmattal verirrt.

Männchen des «Kurzflügel-Leuchtkäfers» (Phosphaenus hemipterus). Foto: Urs Rindlisbacher

Die Glühwürmchen (Lampyridae) sind eine Familie der Käfer mit weltweit etwa 2000 Arten. Viele, aber nicht alle, können Lichtsignale zur Kommunikation aussenden, damit die Tiere zur Paarung zueinanderfinden. Die Signale selbst sind ganz unterschiedlich, bei manchen Arten besitzen nur die Weibchen Leuchtorgane, bei anderen beide Geschlechter. Manche blinken, andere senden Dauerlicht aus.

Italienischer Leuchtkäfer (Luciola italica) aus dem Mittelmeerraum.

Leuchtkäfer sind auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis zu finden. Die am stärksten leuchtende Art ist in Mittel- und Südamerika beheimatet. In Mitteleuropa kennen wir die Kleinen und Grossen Leuchtkäfer sowie die Kurzflügel-Leuchtkäfer. Zudem tauchen mitunter Italienische Leuchtkäfer der Gattung «Luciola» auf, die gelblich-weiss blinken und aus dem Mittelmeerraum eingeschleppt worden sind. Nur diese und die männlichen Kleinen Glühwürmchen senden beim Fliegen Licht aus, die meisten Weibchen sind flugunfähig.

Leuchtkäfer in einem Wald bei Nürnberg mit den Leuchtflecken der am Boden lockenden Weibchen.

Die Glühwürmchen sind dämmerungs- und nachtaktiv. Das Leuchten erfüllt in erster Linie die Funktion, Männchen und Weibchen zur Paarung zusammenzuführen. Sie leben an Waldrändern und Böschungen und besiedeln auch naturnahe Gärten und Parkanlagen. Nach der Paarung stirbt das Männchen, das Weibchen legt 60 – 80 Eier im Gras oder unter Steinen ab, löscht sein Licht und stirbt ebenfalls. Die Eier leuchten bereits, vermutlich als Warnung, denn sie sind für die meisten Räuber ungeniessbar oder giftig.

Larve des Grossen Leuchtkäfers beim Fressen einer Schnecke. Foto: Heinz Albers

Nach einem Monat schlüpfen die Larven, wachsen und häuten sich mehrmals, auch sie sind nachtaktiv. Sie ernähren sich von Nackt- oder Gehäuseschnecken, die sie überwältigen, auch wenn sie wesentlich grösser sind als sie selber. Das Opfer wird mit mehreren Giftbissen gelähmt und an einer geschützten Stelle verzehrt.

Die Larven fressen sich zwei bis drei Jahre lang satt, bis sie sich verpuppen und nach etwa einer Woche ausschlüpfen. Die geschlechtsreifen sieben bis zwölf Millimeter grossen Leuchtkäfer nehmen keine Nahrung mehr zu sich; sie leben sozusagen von Luft und Liebe und sterben nach knapp drei Wochen.

Bilder: Wikimedia Commons


In der Reihe «Endlich Sommer» bereits erschienen:

 

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