FrontGesellschaftVon Orten, Landschaften und Menschen

Von Orten, Landschaften und Menschen

Seit fünfzig Jahren untersucht der Ingenieur, Architekt und Archäologe Peter Degen (77) die Wechselwirkung zwischen Siedlungen und Landschaften. Seine Beobachtungen hat er in drei reich bebilderten Büchern veröffentlicht. Zwei bis drei weitere sollen folgen.

Die drei im Eigenverlag «argosedition» herausgegebenen Bände enthalten keine konventionellen Reiseberichte. Es sind vielmehr Monumentalwerke zur menschlichen Siedlungsgeschichte, spannende Bücher über die Wechselwirkung zwischen Landschaften und Bauten. Autor Peter Degen vereinigt darin die analytische Präzision des Ingenieurs mit der Raumerfahrung des Architekten und Fragen nach weiterführenden Zusammenhängen des Archäologen.

Peter Degen schlägt Brücken von und zwischen fremden bis hin zur eigenen Bau- und Siedlungskultur.

Die örtlichen Eigenheiten der Landnahme und des Landausbaus stehen bei Degens Betrachtungen im Vordergrund. Welcher Zusammenklang der gebauten Stätten und ihrer Bewohner mit der Landschaft hat sich im Laufe der Geschichte ergeben? Welche Regeln liegen dem Zusammenleben der Gemeinschaft zugrunde? Wie werden diese gelebt, wie den ständig neuen Anforderungen angepasst?

Die in fremden Räumen erfahrenen Grundmuster erstaunen mit Parallelen zur Entwicklung der eigenen Kultur. Wo andere das Unbekannte scheuen, entdeckt Degen gemeinsame Muster des Lebens und Überlebens. Dank diesem Verständnis des zivilisatorischen Prozesses schlägt er Brücken von und zwischen fremden bis hin zur eigenen Bau- und Siedlungskultur.

Geboren im Baselbiet

Peter Degen wuchs im Basler Jura auf. «Der obere Hauenstein prägte mich für das ganze Leben», erzählt er. Als Achtjähriger schon war er fasziniert von der Landschaft und erlebte sie auf Streifzügen bis über die Sprachgrenze hinaus. Die Neugier treibt ihn bis heute an.

Nach Absolvierung des Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Gymnasiums in Basel studierte Degen an der ETH Zürich Ingenieurwesen und Architektur. Praktika brachten ihn von Liestal (Schweiz) bis nach Helsinki (Finnland). Schweiz – Europa – Übersee: Degen zog in die Welt hinaus und erweiterte seinen Wirkungskreis mit den Jahren.

Beruflich war er Mitbegründer der «ARGOS ARCHITEKTUR + STÄDTEBAU AG BASEL». Er gilt als Pionier in der Altstadtplanung. Seine Projekte waren stets fächerübergreifend: Architektur, Stadtbauplanung, Stadtraumgestaltung und Raumplanung, aber auch Gestaltung sowie Moderation von Planungsprozessen.

Berufliche Tätigkeit

Seine akademische Karriere führte ihn nach Düsseldorf: An der «Peter Behrens School of Architecture» war Degen Professor für «Stadtbautheorie, Stadtbaugeschichte und städtebaulicher Entwurf». An der Fachhochschule Darmstadt wirkte er als stellvertretender Professor für «BauKunstGeschichte und Denkmalpflege». Als Dozent für «Baukultur und Stadtstruktur» lehrte er an den Fachhochschulen Aargau und Bern.

Seine Leidenschaft gehört dem Reisen und Forschen. Degen ist mit den Baukulturen auf allen Kontinenten vertraut. Er erforschte Siedlungen in Frankreich und Italien, machte sich Gedanken zu den Wohnformen der amerikanischen Ureinwohner, reiste in den alten Orient und nach Sri Lanka.

Interesse an der Archäologie

Vor 35 Jahren begann er sich für Archäologie zu interessieren. Bei Grabungen bildete er sich autodidaktisch weiter. Er reiste nach Süditalien und erforschte in Matera die Höhlensiedungen. In der Mittelitalien leitete er drei Grabungskampagnen zu Artefakten der sogenannten Tuffzivilisation. Im Südwesten der USA, in der «Four-Corner»-Region, studierte er den «Cliff-Palace» und das «Balcony House» der Anasazi-Ureinwohner, in Sri Lanka die hängenden Gärten der rätselhaften Bergresidenz Sigiriya. Die touristischen Aspekte interessieren ihn weniger als Fragen des zivilisatorischen Prozesses, die strukturellen Eigenheiten eines Orts oder einer Siedlung.

Woher kommt sein Drang zum Reisen? «Als Architekt muss man reisen, sich fremden Kulturen aussetzen, um Abstand zu gewinnen und das eigene Handeln zu erkennen», sagt Degen. Sein Interesse gilt nicht nur fremden Kulturen, sondern auch der Schweiz. Im Verzascatal kaufte er zusammen mit seiner ersten Frau Ende der siebziger Jahre eine baufällige Häusergruppe und sanierte die Siedlung im Laufe der Jahre. Dort verbringt das heutige Ehepaar viel Zeit, fühlt sich in der Landschaft der südlichen Kultur wohl.

Degen ist kein Fan moderner Hochhäuser. Die «Schubladenbauten», die in der «vertikalen Stadt» Basel in die Höhe schiessen, gefallen ihm nicht. Die klassische Regel, dass die grösste Verdichtung bei vier bis fünf Geschossen liegt, gilt für ihn noch immer. Der wachsende Raumbedarf habe seine Ursache im zunehmenden Individualismus. Wir leben immer mehr in Phobien, die Verantwortung für die Umwelt werde auf den Staat abgeschoben, bedauert er. «Der öffentliche Raum hat sich verändert, wir haben das Zusammenleben verlernt und brauchen alle Abstand voneinander», analysiert Degen.

Schreiben als Passion

Vor vier Jahren begann er unter dem Arbeitstitel «terra cognita» seine Beobachtungen, Erkenntnisse und Erfahrungen niederzuschreiben. Ziel war es, Reiseerinnerungen zu Beobachtungen auf fünf Kontinenten zu verfassen: Berichte und Glossen zu Begegnungen, Ortsbeschreibungen und Querverweise zum zivilisatorischen Geschehen.

Ein Vorabzug blieb bei einem halben Dutzend angefragten Verlage in Deutschland und der Schweiz ohne Gefallen. An der Sprache lag es nicht. Degen wurde bewusst, dass es den Verlagen an einer klaren Zuordnung fehlte. Das Buch war kein Reise- und kein Architekturführer, weder Roman noch Novelle, keine Biografie, letztendlich aber doch etwas von allem.

Bevor er einen Entscheid über das weitere Vorgehen treffen konnte, machte der «Bund Deutscher Architekten Düsseldorf» den Vorschlag, seine gesammelten Vorträge zum «Forum Architektur» als Buch herauszugeben. Die «Kurzfassung» in Form von drei Bänden beschäftigte Degen ein Jahr lang. Dann beschloss er mit seiner Frau die Flucht nach vorn und gründete den Eigenverlag «argosedition». Das ursprüngliche Manuskript reicherte er mit «Fundstücken und Begegnungen am Wegrand» an. Statt einem einzelnen Buch liegen heute deren drei vor.

Positives Echo

In den drei Bänden befasst sich der Autor mit «Europa Mitte», «Italien» sowie dem «Alten Orient». Die Bücher passen in einen praktischen Schuber. Zwei weitere Bände, «Europa Nord» sowie «Europa Süd», sind druckfertig und werden demnächst erscheinen. Die Auflage beträgt 500 pro Exemplare, also gleich viel wie die Erstauflage von Harry Potter!

Peter Degen freut sich über die vielen positiven Reaktionen auf sein Lebenswerk. In seinen Gesprächen bekommt er immer wieder zu hören: «So habe ich das noch nie gesehen.» Dieses «Das» sind keine versteckten Phänomene von Ort, Landschaft und Zeit, sondern allgegenwärtige Gegebenheiten der bereisten Lebensräume. Degen sucht nicht das Pittoreske, sondern stellt das Gesehene in Zusammenhänge, die zwischen den unterschiedlichen Kulturen unerwartete Brücken schlagen.

Peter Degen, Reihe «Begegnungen». Erschienen 2022 bei «argosedition».

Textauszüge und weitere Informationen unter: «argosedition».

Bestellungen im Buchhandel:

Europa Mitte – Das hinter der Zeit Verborgene

ISBN: 978-3-9525562-1-4

Pizza oder Piazza? – Verborgenes und Offenbartes in Italien

ISBN: 978-3-9525562-3-8

Alter Orient – Das allmähliche Verschwinden der Wirklichkeit

ISBN: 978-3-9525562-4-5

Titelbild sowie Illustrationen ZVG.

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